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Ricardo.ch: „Händler sollten mindestens zwei Schweizer Landessprachen anbieten.“

Veröffentlicht: 02.08.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 02.08.2018

Welche Herausforderungen müssen Online-Händler in der Schweiz meistern? Wie können sie ihre Kunden begeistern und wieso stehen Amazon und Ebay in dem Alpenland nicht an der Spitze? Diese und andere Fragen hat uns Simon Marquard, Digital Communications Manager bei der Ricardo-Mutter Tamedia, beantwortet.

Simon Marquard
Simon Marquard, Digital Communications Manager bei Tamedia (© Tamedia)

OnlinehändlerNews: Welche Herausforderungen ergeben sich für Online-Händler und -Plattformen speziell in der Schweiz?

Simon Marquard: Eine Herausforderung ist sicherlich die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Für Online-Händler ist es von Vorteil, die Angebote wenn möglich mindestens in den beiden Landessprachen Deutsch und Französisch anzubieten, um mehr potenzielle Kunden anzusprechen. Bei den Nutzern punkten kann sicherlich auch, wer einen Schweizer Kundendienst mit guter Erreichbarkeit anbietet, der die verschiedenen Landessprachen beherrscht. Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist ein guter Service zentral.

Generell sind die Voraussetzungen für Online-Händler in der Schweiz sehr gut, es gibt eine starke Infrastruktur und hohe Online-Anbindung. Der Verband des Schweizerischen Versandhandels beziffert den letztjährigen Online-Umsatz der Schweizerinnen und Schweizer auf insgesamt 8.6 Milliarden Schweizer Franken, ein Wachstum von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und auch für die Zukunft ist mit starkem Wachstum zu rechnen.

In Ihren FAQ erklären Sie, dass „Angebote, welche den Hinweis enthalten, dass weitere Produkte nach dem Zuschlag und außerhalb von Ricardo.ch erworben werden können“, gelöscht werden. Wieso unterbinden Sie derartige Hinweise auf Ihrer Plattform?

Wir bringen auf unserem Marktplatz Verkäufer und Käufer zusammen und versuchen, Fairness unter den Teilnehmern sicher zu stellen und die Nutzer so gut es geht zu schützen. Dabei können wir jedoch nur nachvollziehen, was direkt über Ricardo.ch gehandelt wird. Ricardo.ch bietet allen Mitgliedern automatisch einen Verkäuferschutz an, bei Transaktionen außerhalb des Online-Marktplatzes entfällt jedoch dieser Verkäuferschutz. Es gibt leider manchmal Versuche, die Nutzer von Ricardo.ch wegzulocken und damit unserer Kontrolle zu entgehen.

Ricardo.ch ist der größte Online-Marktplatz der Schweiz und lässt sogar Amazon und Ebay hinter sich. Wieso haben die Branchenriesen Ihrer Meinung nach in der Schweiz das Nachsehen?

Ricardo.ch hat sich in den letzten 18 Jahren in der Schweiz das gerade für Online-Unternehmen wichtige Vertrauen seiner mittlerweile über drei Millionen Mitglieder erarbeitet. Ein motiviertes, lokales Team hat das Produkt stets auf die besonderen Bedürfnisse hierzulande angepasst und weiterentwickelt sowie viel in die Sicherheit investiert. Trotzdem ist der Schweizer E-Commerce-Markt natürlich immer stärker umkämpft und wir dürfen nicht stehen bleiben, sondern müssen auf die gestiegenen Kundenbedürfnisse eingehen. Es ist zu erwarten, dass beispielsweise Amazon seine Präsenz hierzulande ausbauen wird. Auch andere internationale Player blicken vermehrt auf die Schweiz, Facebook hat etwa gerade letztes Jahr Facebook Marketplace lanciert.

Immer wieder wird von betrügerischen Angeboten auf Online-Marktplätzen berichtet. Wie ist die Situation in der Schweiz?

Die Situation ist wahrscheinlich ähnlich wie bei anderen großen Online-Plattformen in anderen Ländern. Je bekannter und größer ein Online-Shop oder -Marktplatz wird, desto attraktiver wird er auch für mögliche Betrugsversuche. Bei Ricardo.ch haben wir über drei Millionen Mitglieder und täglich etwa 360.000 Besucher, was enorm viel ist für eine Schweizer Online-Plattform. Es ist wichtig zu sehen, dass der Großteil der täglich rund 20.000 Transaktionen auf Ricardo.ch problemlos verläuft, Betrugsfälle finden im Promille-Bereich statt.

Wir investieren viel in die Sicherheit unserer Nutzer, ein großes Kundendienst-Team überprüft täglich den Marktplatz manuell und automatisiert nach verdächtigen Angeboten und untersucht auch die Meldungen unserer Mitglieder zeitnah. Zudem werden die Adressen der Verkäufer zuerst durch einen postalisch versendeten Aktivierungscode überprüft, bevor sie etwas verkaufen können und allen unseren Mitgliedern bieten wir unseren Käufer- und Verkäuferschutz an. Aber natürlich ist uns auch bewusst, dass sich kriminelle Tätigkeiten leider nie ganz verhindern lassen.

Gibt es Besonderheiten bei der Schweizer Kundschaft, die Online-Händler beachten sollten? Wenn ja, welche sind das?

Die Service-Qualität ist enorm wichtig. Die Kunden legen Wert darauf, dass die Händler neben transparenten und umfassenden Angebotsbeschreibungen beispielsweise auch zeitnah auf Fragen reagieren oder dass der Versand schnell abgewickelt werden kann. Nicht vernachlässigen sollte man auch einen freundlichen und zuvorkommenden Umgang mit seinen Kunden, die ja im Idealfall wieder zurückkehren sollten.


Q3-Ausgabe Onlinehändler Magazin

Dieses Interview haben wir im Rahmen unseres Artikels zum Thema „Marktplätze in der Schweiz: Auf welchen Plattformen Händler die Schweizer erreichen“ aus unserem aktuellen Onlinehändler Magazin (Q3/2018) geführt. Im vollständigen Beitrag erklären wir, welche Herausforderungen der Schweizer Markt für Händler bereithält und wie die Marktplatz-Situation insgesamt in dem Land ist. Den Themenkomplex Schweiz runden wir mit Artikeln zu Versand und Retouren in die Schweiz, Rechtstipps und eine allgemeine Betrachtung des Marktes ab.

Zudem beleuchten wir in der Q3-Ausgabe Themen wie Markenrecht für Online-Händler, die Plattformstrategie von Otto.de, Versandpackung und Umverpackung oder auch Impulskäufe im E-Commerce. Darüber hinaus zeigen wir, wie die Werbekampagne auf Facebook gelingt und welche Tools für die Adressvalidierung es gibt.

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Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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