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Fake-Shops werden immer professioneller – Mehr als 4 Millionen betroffene Kunden

Veröffentlicht: 28.08.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 28.08.2018 | Gelesen: 3866 mal

Eine aktuelle Untersuchung im Online-Handel zeigt, dass sich die Szene rund um Fake-Shops immer weiter professionalisiert. Für unachtsame Kunden bringt diese Entwicklung große Risiken mit sich.

Brille mit unechtem Schnurrbart
© nito – shutterstock.com

Fake-Shops sind längst keine unprofessionellen, schlecht gemachten Portale mehr, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass etwas nicht stimmt. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Untersuchung, die der SWR für den ARD-Kriminalreport angestrengt und die sich intensiv mit der hiesigen Fake-Shop-Szene auseinandergesetzt hat.

Demnach breiten sich die gefälschten Online-Shops zunehmend aus und konnten laut einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentrale Brandenburg mittlerweile schon 4,4 Millionen Bundesbürger zählen, die schon einmal Opfer eines solchen Fake-Shops wurden. „Verbraucherschützer und Polizeiermittler warnen, dass Verbraucher hier massenhaft um ihr Geld betrogen werden“, schreibt das Erste. „Diese Betrugsmasche ist ein wirklich großes Problem“, wird Dr. Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg zitiert.

Professionalität der Fake-Shops steigt

Und die Gefahr steigt weiter mit zunehmender Professionalisierung der Fake-Shop-Szene: „Sie sehen aus, wie normale Internet-Shops, mit hochwertigen Produktfotos und Artikelbeschreibungen. Viele der Fake-Shops haben auch ein Impressum samt Kontaktadresse. Allerdings sind diese Daten gefälscht“, heißt es auf der Website des Ersten.

Die Qualität der gefälschten Shops sei in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen, sodass sich häufig kaum noch Rechtschreibfehler oder fehlende Angaben finden lassen. Selbst eine deutsche Domain mit der Endung .de können viele Fake-Shops mittlerweile aufweisen. Und gerade auch dieser Umstand ist es, der zu den Vertrauensfaktoren der Kunden zählt. Selbst auf die Einbindung von vertrauenswürdigen Siegeln oder Unternehmens-Buttons namhafter Zahlungsdienstleister verzichten die Betrüger nicht – alles, um die Kunden bestmöglich zu täuschen.

Während manche Fake-Shops allerdings darauf verweisen, dass sie PayPal als Zahlungsmethode akzeptieren, wird dies nur angegeben, um die Kunden in Sicherheit zu wieder: „Wenn man aber versucht, die Bezahlung über PayPal zu tätigen, wird im letzten Schritt darauf hingewiesen, dass diese Bezahlmethode ‚aus Sicherheitsgründen‘ im Moment nicht zur Verfügung steht. Daraufhin wird der Käufer gebeten, stattdessen per Vorkasse zu bezahlen“, berichtet das Erste. Vorkasse ist dabei jene Zahlungsart, auf die viele Betrüger setzen. Selbst auf Post- und Videoidentverfahren könnten Verbraucher in solchen Shops nicht vertrauen, da diese mit falschen Identitäten umgangen werden könnten.

Zahl der Fake-Shops steigt weiter an

Mittlerweile soll die Zahl der Fake-Shops bereits gravierende Ausmaße angenommen haben: „Eine kurze Recherche von uns hat ergeben, dass wir über eine Million Fakeshops gefunden haben – mit einer Suchanfrage – sodass wir davon ausgehen, dass es nur die Spitze des Eisberges ist und das sich das Phänomen noch vergrößern wird“, sagt Dautzenberg weiter. Dabei haben die Shops an sich in aller Regel keine lange Lebenszeit: Zumeist bestünden sie lediglich ein paar Wochen und verschwinden dann mit zunehmenden Beschwerden durch die Kunden wieder vom Erdboden – nur um kurze Zeit später unter einer neuen Adresse wieder online zu gehen.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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Kommentare  

#6 anja 02.09.2018, 20:55 Uhr
ich könnte mich seit jahren nur noch über die netzgutgläubigk eit der leute kaputtlachen. die masse nimmt alles für voll, was im netz verbreitet wird. sorry, ist aber leider so. das fängt bei videos und bildmeldungen an, geht bei nachrichten weiter endet bei solchen shops offenbar noch lange nicht. früher waren die leute wachsamer. seit dem internet gibt's offenbar vorrangig eine masse der netzgläubigen, die wohl auch noch an den osterhasen und weihnachtsmann glauben. ich kaufe nur auf websites und auf plattformen, die ich kenne. und an sonsten mache ich mich vor bestellung erst mal telefonisch, über die steuernummer etc. schlau und starte mit einem minikauf, nachdem ich über die telefonberatung mir tausend fragen habe klären lassen. ist das nicht möglich, kaufe ich nicht. wenn paypal gesperrt ist kaufe ich nicht oder lasse abbuchen. das kann ich notfalls stornieren. überweisung auf fremden websites ?? nie und nimmer ! wären die leute mal wieder etwas vorsichtiger, würden solche betrügereien nicht funktionieren. das galt auch vor dem internet und ist noch heute so.
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#5 Händlerbund 28.08.2018, 13:56 Uhr
Hallo GROHOGA,

vermeintliche Fake-Shops sollten zu allererst beim Marktplatz gemeldet werden. Dieser ist gesetzlich verpflichtet auf entsprechende Hinweise unverzüglich zu reagieren, um weitere Rechtsverletzun gen zu vermeiden. Außerdem nehmen Verbraucherzent ralen, Vereine wie der Händlerbund und im Betrugsfall auch die Polizei Beschwerden entgegen. Amazon informiert zum Thema hier https://www.amazon.de/report/infringement.

Mit freundlichen Grüßen
das Händlerbund-Tea m
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#4 Peter 28.08.2018, 12:28 Uhr
Zuerst:
Die shops werden immer besser und sind kaum als fake zu erkennen.

Dann aber:
"Eine kurze Recherche von uns hat ergeben, dass wir über eine Million Fakeshops gefunden haben – mit einer Suchanfrage – sodass wir davon ausgehen, dass es nur die Spitze des Eisberges ist und das sich das Phänomen noch vergrößern wird"

Was soll das bitte bedeuten?
"fakeshop" als Suchbegriff bei google eingeben und 1 Mill. Treffer erhalten?
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#3 Thorsten 28.08.2018, 11:04 Uhr
@ Händlerbund

Gibt es denn eine Stelle, wo solche Shops gemeldet werden können?
Wir finden eine Menge unserer Eigenmarke in impressumlosen "Shops" mit Fantasiepreisen . Bilder und Text werden dort von Amazon übernommen, selbst die Asin-Nummer wird als Art.-Nr. ausgewiesen.
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#2 Markus 28.08.2018, 08:31 Uhr
Tja, Grund dafür ist die Gier nach dem günstigsten Preis. Das lässt die Kunden leichtsinnig werden. Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. Man sollte mal den Hörer in die Hand nehmen und einen Händler anrufen. Das ist der erste "Filter", um Fake-Shops zu umgehen. Aber selbst das meiden Kunden, wie das Weihwasser. Man möchte anonym bestellen und zu niemandem Kontakt haben.

Ein weiterer Nebeneffekt solcher Entwicklungen ist weitere Konzentration auf amazon. Der Kunde möchte dann "auf Nummer Sicher gehen" und ehrliche Händler haben es immer schwerer.

Hier ist die Politik gefragt. Wie kann es sein, dass Fake-Shops über Monate online sein dürfen? Es gibt genügend Beispiele, wo nicht einmal die Guthaben von Bankkonten gesperrt werden. Das Treiben geht über viele, viele Monate weiter.
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#1 gunnar 28.08.2018, 08:25 Uhr
hallo
leider hat die polizei kaum gesetzesvorlage n, um solche seiten sofort sperren zu lassen.
letztes mal habe ich auch wieder eine seite gemeldet, aber leider hätte man da nur was machen können, wenn die von mir bilder drauf haben.
= abmahnen wegen bildrechte. :-((
der fakeshop hat alle artikel aus dem netz, die dort gelistet waren, einfach billiger gemacht.
waren zehntausende.
aber sonst die original beschreibungen und bilder verwendet.
bei sowas sollte die eu mal gesetze rausbringen, die sofort solche webseiten sperren können.
wenn der anbieter der domain vom shop, dann nicht sofort löscht.
domainvermieter ( telekom strato oder sonst was für ein anbieter im ausland ) dann haftbar macht.
alles andere klappt sowieso nicht.
die polizei bemüht sich ohne ende und hat keine wirkliche handhabe um richtig aktiv zu werden.

schade für die 4 millionen betrogenen.
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