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Ladenhüter im Milliardenwert: H&M vernichtet offenbar Kleidung

Veröffentlicht: 19.09.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 19.09.2018

Der schwedische Billigmode-Händler H&M scheint aus seiner Krise einfach nicht herauszukommen. Das Unternehmen soll mittlerweile auf Waren im Milliardenwert sitzen. Interne Dokumente sollen belegen, dass Mitarbeiter mit der Vernichtung von Kleidung beauftragt wurden.

Sale bei H&M
© Lutsenko_Oleksandr / Shutterstock.com

Der kriselnde Mode-Händler H&M soll auf Ladenhütern im Milliardenwert sitzen. Einem Bericht der WirtschaftsWoche und des ZDF-Magazins Frontal21 zufolge wuchs der „Stock-in-Trade“, also der Warenbestand, im ersten Halbjahr 2018 von 3,1 auf 3,5 Milliarden Euro. Dieser Anstieg um elf Prozent gehe aus Finanzdaten des Unternehmens hervor, die die Redaktionen ausgewertet haben. Bei H&M scheint man sich mit einer neuen Situation konfrontiert zu sehen: „Ladenhüter sind für H&M eine neue Erfahrung“, heiße es in internen Unterlagen, die den Redaktionen vorliegen. Das Unternehmen habe „5 Saisons im Haus“, was „nicht normal für H&M“ sei.

Die internen Unterlagen sollen auch offenbaren, dass das Unternehmen Kleidung mittlerweile vernichten lasse. Wie ein vertraulicher Bericht des Wirtschaftsausschusses der deutschen Logistiktochter an den Gesamtbetriebsrat zeige, wurden „ca. 100.000 pcs“, also 100.000 Kleidungsstücke vernichtet. Mehrere E-Mails, die Frontal21 und der WirtschaftsWoche vorliegen sollen, weisen Mitarbeiter in den Warenlagern demnach an, Kleidung zu entsorgen. Ob sich auch neuwertige Ware darunter befindet, sei unklar.

„H&M lässt schlicht viel zu viel Kleidung produzieren“

H&M weist derartige Vorwürfe in einer Stellungnahme zumindest teilweise zurück: „Für H&M gibt es keinen Grund, intakte Kleidung in die Verbrennung zu geben oder anderweitig zu vernichten“, so das Unternehmen. Man schicke Ware nur dann zur Verbrennung, wenn Sicherheitsbedenken bestünden – das sei etwa bei chemischen Rückständen der Fall. Eine ähnliche Argumentation hatte H&M bereits im vergangenen Jahr vorgebracht, als der Umgang mit nicht verkaufter Ware in Schweden und Dänemark kritisiert wurde.

Kristin Brodde, Bekleidungsexpertin bei Greenpeace, sieht die Probleme bereits am Anfang der Produktion: „Wie viele andere Modehersteller lässt auch H&M schlicht viel zu viel Kleidung produzieren, von der sie immer weniger loswerden“, erklärt sie gegenüber der WirtschaftsWoche – ein Eindruck, der sich durch die aktuellen Zahlen zu den Ladenhütern zu bestätigen scheint. Brodde sieht den Zenit der sogenannten Fast Fashion, bei der kurzlebige Produkte sehr billig verkauft werden, als überschritten.

„Fest steht: Jedes Stück, das H&M verbrennt, ist eigentlich ein Stück zu viel. Schadstoffe gehen auch bei der Verbrennung in die Umwelt“, so die Expertin. Sie frage sich auch, wieso das Unternehmen die Ware erst nach Europa transportieren muss, um das Problem hier festzustellen und die Ware zu vernichten. „Das muss H&M vor Ort und direkt mit den Produzenten lösen“, so Brodde.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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Kommentare  

#2 anja 2018-09-19 14:25
schadstoffe ........ hat mal jemand daran gedacht, sich darüber aufzuregen, daß kleidung verbrannt wird, während andere in der kleiderkammer dankbar dafür wären ????? bei kleidung, haushaltswaren, lebensmitteln etc. sollte eine vernichtung schlichtweg verboten werden ! stattdessen sollten auflagen existieren, daß solche produkte in die spende für bedürftige kommen. jetzt wieder die neue verpackungsverd nung für recycling und auf der anderen seite wird hingenommen, daß ware einfach vernichtet wird und eine unmenge an schad- und abfallstoffe dabei entstehen, während menschen in unserem land hungern und frieren und viele sich nciht einfach mal einen neuen kühlschrank oder waschmaschine leisten können. ich nenne das asozial.
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#1 Fatih Outlet46 2018-09-19 08:16
Moin,
Hier wird so getan, als ob es was neues wär und nur H&M machen würde. Das ist der Alltag bei vielen Modemarken, ganz extrem bei den Luxusbrands. Auf der damals noch Bread&Butter in Berlin habe ich beim Jack&Jones Stand, wo ich nach Vorjahres-Ware gefragt hatte auch vom Vertriebler die Antwort erhalten „ wir haben keine Vorhahres-Ware wird alles verbrannt“ zu der dachte ich noch es ist eine Ausrede, aber es ist die Wahrheit....
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