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Amazon-Chef North findet Amazons Steuerpolitik fair

Veröffentlicht: 28.04.2014 | Autor: Giuseppe Paletta | Letzte Aktualisierung: 28.04.2014

Warum sollte Amazon mehr Steuern zahlen, fragt sich Amazon-Chef Christopher North. Er weiß zwar, dass Amazon Steuerzahlungen geschickt umgeht, sieht darin aber weder einen Wettbewerbsvorteil, noch eine Ungerechtigkeit.

Zahlt Amazon zu wenig Steuern?

Bislang hat man von Amazon-UK-Chef Christopher North noch nicht soviel gehört. An Bekanntheit hat er weniger durch seine Aussagen, als durch eine Aktion des Online-Händlers Lush gewonnen: Dieser hatte begonnen, Hygieneartikel mit dem Namen des Amazon-Chefs zu verkaufen. Der britische Guardian hat nun den Amazon-Chef persönlich getroffen und ihn nicht nur mit den Hygieneartikeln konfrontiert, sondern auch mit der Kritik an Amazons vieldiskutierter Steuerpolitik.

Amazon-Chef gibt sich humorvoll

Als der Online-Händler Lush seine Produktserie mit dem Namen von Christopher North veröffentlichte, munkelte man, der Amazon-Chef wäre rasend vor Wut gewesen. Heute gibt North vor, darüber lachen zu können: „Meine Frau sagte mir: Wenn sie Schönheitsprodukte verkaufen möchten, sollten sie nicht dein Foto auf die Produkte kleben.“

Christopher North kann also offenbar über sich selbst lachen. Wenn es allerdings um die Kritik an Amazons Steuerpolitik geht, nimmt North es nicht mehr mit Humor. Amazon ist dafür bekannt, Teile der Unternehmenssteuern nur in Luxemburg zu bezahlen, wo sich die Firmenzentrale und Verwaltungssitz des Europa-Geschäfts befindet. Und Luxemburg ist dafür bekannt, ein Steuerparadies zu sein.

Obwohl Amazon in Deutschland und dem UK einen großen Teil seines weltweiten Gesamtumsatzes erzielt, entgehen diesen beiden Staaten erhebliche Teile der eigentlich ihnen zustehenden Unternehmenssteuern. Doch Amazon agiert im rechtlichen Rahmen und auf Moralpredigten hat der Konzern noch nie gehört. Auch Christopher North möchte in der bisherigen Unternehmenspolitik kein Problem sehen.

G20-Staaten planen eine neue Steuerreform

„Wir bezahlen alle Steuern, die wir in jedem Land bezahlen müssen, auch in UK. Ich denke nicht, dass wir einen Wettbewerbsvorteil haben, wenn wir uns an das Gesetz halten“, sagte Christopher North gegenüber den Guardian-Reportern. Diese Antwort war zu erwarten, da sie die bisherige Argumentation des Unternehmens widerspiegelt.

Im vergangenen Jahr hatte Amazon in UK Umsätze in Höhe von rund 7,3 Milliarden US-Dollar erzieht und insgesamt nur rund 3,8 Millionen Euro an Steuern bezahlt. Mehrmals hatte es in UK Protestet gegen Amazon wegen seiner Steuerpolitik gegeben: Im vergangenen Jahr machte sich das sogar bei den Umsätzen von Amazon bemerkbar.

Wie lange sich das Unternehmen damit noch im rechtlichen Rahmen befindet ist allerdings unklar, denn im Moment arbeiten die G20-Regierungen an einem Entwurf, der gerade Internetunternehmen wie Amazon dazu zwingen soll, mehr Steuern zu bezahlen.

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