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dm Drogerie: Logistik als Hindernis im Online-Handel

Veröffentlicht: 21.07.2014 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 21.07.2014 | Gelesen: 6947 mal

Im Drogerie-Sektor gehört dm zu den absoluten Vorzeigemodellen und Gipfelstürmern. Die Zahlen brechen immer wieder neue Rekorde und auch das Unternehmensimage steht unter einem guten Stern. Doch wo der stationäre Handel erfolgreicher kaum sein könnte, geht es im Bereich Online-Handel immer noch nicht voran. Warum dies so ist, und was die Logistik damit zu tun hat, erklärte dm-Chef Erich Harsch kürzlich in einem Interview.

dm: noch immer kein eigener Online-Shop in Sicht

Radu Bercan / Shutterstock.com

Drogeriekette dm: erster Online-Einstieg bereits gescheitert

Vor einiger Zeit hat sich die Drogeriekette dm bereits mit einem Fuß im E-Commerce befunden: Von 2011 bis 2013 kooperierte das Unternehmen mit Amazon, wodurch es Kunden ermöglicht wurde, auch digital auf rund 1.700 Produkte aus dem unternehmenseigenen Markensortiment zuzugreifen. Als sich die Zahlen jedoch weitaus weniger gut entwickelten als angedacht und die großen Erfolge ausblieben, schien das „Projekt Online-Handel“ vorerst auf Eis gelegt.

Auch bis heute dient die Online-Präsenz von dm lediglich einem Überblick über angebotene Marken und Sortimente. Daneben gibt es noch informative Texte für den Bereich Gesundheit, Ernährung und Schönheit oder auch Tipps und Tricks in haushälterischen Angelegenheiten. Doch von einem „richtigen“ Web-Shop der Drogeriekette fehlt weiterhin jede Spur.

Online-Handel im Drogerie-Bereich „ein bisschen schwieriger“

Dm-Chef Erich Harsch erklärt im Interview mit ka-news, dass das Unternehmen dem E-Commerce nicht per se ablehnend gegenübersteht, es jedoch im Falle eines digitalen Ausbaus große Hürden zu überwinden gilt: „Im Lebensmittel- und im lebensmittelnahen Bereich, zu dem wir gehören, ist es aufgrund der geringen Spannen eben ziemlich schwierig, Online-Handel betriebswirtschaftlich so zu betreiben, dass wir unsere Ladenpreise konstant halten und idealerweise noch verbilligen können.“

Zwar gäbe es die Möglichkeit, ein „betriebswirtschaftlich schwieriges Online-Geschäft“ zu finanzieren, indem die Preise im stationären Handel angehoben werden. Diesen Weg will dm jedoch keinesfalls gehen. Daher werde man die aktuelle Lage auf dem Markt weiter beobachten und auf kommende Entwicklungen gegebenenfalls reagieren. Nichtsdestoweniger – und das hebt Harsch deutlich hervor – „gibt es in diesem Bereich kaum jemanden, der [momentan] betriebswirtschaftlich positive Zahlen erzielt.“

Diese Aussage bezieht sich wohl vor allem auf den direkten Mitbewerber und Konkurrenten Rossmann. Er gilt als Branchen-Vorreiter, da er bereits im Jahr 1999 den Schritt aufs digitale Parkett wagte. Doch auch die jahrelange Erfahrung der Drogeriekette scheint kein Erfolgsgarant zu sein: Erst in der vergangenen Woche bestätigte Dirk Rossmann, der Gründer des Unternehmens, die schwachen Zahlen, die keine Gewinne zulassen.

Auch ein weiterer Konkurrent von dm – nämlich der Drogeriemarkt Müller – hat sich im vergangenen Jahr in die digitale Spur begeben und einen eigenen Online-Shop gelauncht. Anders als herkömmliche Web-Shops steht hier die kundenfreundlichen Verknüpfung zum stationären Geschäft (Click & Collect) so stark im Fokus, dass sich Kunden ihre Produkte ausschließlich in ihre Wunsch-Filiale, nicht jedoch nach Hause liefern lassen können. Ob sich dieses Konzept durchsetzen wird, zeigen wohl die Zahlen der kommenden Quartale.

Drogeriekette: „Das Aufwendige beim Online-Handel ist eben die Logistik“

Als einen der hemmenden Faktoren sieht Erich Harsch die Logistik. Die Erfahrung im Drogerie-Bereich habe gezeigt, dass die Menschen online hauptsächlich jene Artikel bestellen, die besonders groß oder schwer sind. Als Beispiele gelten Windeln, Waschmittel oder Tiernahrung, also Produkte, die auf dem Markt einem starken Preiswettbewerb ausgesetzt sind. „Wenn der Mengenanteil dieser Produkte so hoch ist, wie er sich aktuell darstellt, dann ist es einfach schwierig, weil so nicht die entsprechende Spanne entsteht, die man braucht, um die Logistik zu finanzieren.“

Aus Sicht der Drogeriekette dm muss sich die Logistik-Branche wohl noch weiter wandeln, um einen E-Commerce-Auftritt wirtschaftlich sinnvoll und profitabel zu machen.

Ob und wann dm also digital aktiv wird, bleibt weiterhin fraglich: „Bei uns ist immer alles gut möglich. Die Zukunft ist noch nicht erfunden. Wir haben bei dm niemals dogmatische Zugänge oder 5- bis 10-Jahrespläne. […] Insofern versuchen wir immer am Puls der Zeit die Dinge zu tun, die richtig und verantwortbar sind im Sinne der Menschen. Und da gehört sicher auch dazu, dass wir das Thema Online-Handel weiter im Auge behalten und zu gegebener Zeit dann die hoffentlich richtigen Initiativen ergreifen."

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