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Amazon in der Kritik – Leiharbeiter-Skandal macht dem E-Commerce-Riesen zu schaffen

Veröffentlicht: 07.03.2013 | Autor: Redaktion | Letzte Aktualisierung: 13.06.2013

Der ARD-Bericht über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon zieht weite Kreise. Nachdem im Laufe der vergangenen Woche die Medien im In- und Ausland darüber berichtet hatten, verkündete bereits der erste Verlag das Ende seiner Geschäftsbeziehungen mit dem E-Commerce-Riesen und User rufen bei Facebook dazu auf, Kundenkonten zu löschen. Nun muss Amazon handeln, wenn es seine Vormachtstellung im Online-Handel behalten möchte.

Kunden wollen nicht mehr bei Amazon bestellen

Fast im Minutentakt melden sich auf Amazons Facebook-Seite Verbraucher zu Wort, kritisieren die Arbeitsbedingungen bei dem Versand-Händler und erklären, künftig nicht mehr auf der Plattform zu kaufen.

„Da ihr eure Leiharbeiter so schlecht behandelt kauf ich jetzt erstmal nicht bei euch. Wenn ihr in mein Kundenkonto guckt werdet ihr merken, dass euch da einiges an Umsatz verloren geht“ heißt es beispielsweise in einem Post. „Kunden Konto löschen ist noch wirkungsvoller. Und nicht vergessen Daumen Runter“, kommentiert ein Nutzer dazu und empfiehlt, noch einen Schritt weiter zu gehen und „Gefällt mir nicht mehr“ bei Facebook zu klicken.

„Ich schäme mich für jeden bestellten Artikel bei euch! Nicht nur dass ihr es mit der Sklaverei sowieso schon auf die Spitze treibt, müsst ihr auch noch dämliche Nazis anstellen! Das wars für mich mit Amazon!“ schreibt eine andere Userin und spielt damit auf den umstrittenen Sicherheitsdienst Hensel European Security Services (H.E.S.S.) an, deren Mitarbeiter, dem Bericht zufolge, mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht werden. Sie überwachten und schikanierten demnach die ausländischen Leiharbeiter im hessischen Logistikzentrum in Bad Hersfeld.

Dahin gehend hat Amazon nun Konsequenzen gezogen und den Sicherheitsdienst laut Süddeutsche.de mit sofortiger Wirkung entlassen. Davon abgesehen schien es bisher so, als wolle der Online-Händler den Shitstorm vorbeiziehen lassen.

Kritik an Amazon weitet sich aus

Doch das könnte schwieriger werden als gedacht. Neben zahlreichen Kunden, hat sich mit dem CH.Schroer-Verlag nun auch der erste Geschäftspartner von Amazon zurückgezogen. „Sie behandeln Menschen wie Ware. Menschen, die in eine Notlage geraten sind, die Arbeit dringend brauchen“, schreibt Christopher Schroer in einem offenen Brief an Amazon.

Auch die Politik schaltet sich jetzt in den Fall ein. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat gegenüber der „Welt am Sonntag“ die Aufklärung der Missstände gefordert und warnte die von Amazon beauftragte Leiharbeitsfirma vor Lizenzentzug.

Zudem will die Gewerkschaft Verdi nun, wie die dpa berichtet, höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten bei Amazon durchsetzen. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche. Künftig soll das E-Commerce-Unternehmen den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel für seine Mitarbeiter anwenden. Erste Gespräche, so Verdi, hätten bereits an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld stattgefunden.

Amazon wird derzeit auf eine harte Probe gestellt und es dürfte in den kommenden Wochen noch Einiges auf das Unternehmen zukommen. Wenn der E-Commerce-Riese jetzt nicht die richtigen Konsequenzen zieht, besteht die Möglichkeit, dass der ein oder andere Konkurrent auf lange Sicht an ihm vorbeizieht.

(Quellen: dpa, Süddeutsche.de, Welt am Sonntag, chsbooks.de)

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