MasterCard: Bargeldzahlungen werden bis 2020 stark sinken

Veröffentlicht: 24.02.2016 | Geschrieben von: Julia Ptock | Letzte Aktualisierung: 24.02.2016

Bezahlsysteme gibt es im Internet einige. Immer mehr StartUps aus dem Bereich Fintech drängen auf den Markt. Wir haben jetzt mit MasterCard, einem Urgestein der Kreditkartenbranche, gesprochen und einmal nachgefragt, wie sich zum Beispiel MasterPass, das digitale Portemonnaie des Kreditkartenanbieters, entwickelt hat und was das Unternehmen für die Zukunft plant.

MasterCard Website auf Laptop

Denys Prykhodov / Shutterstock.com

Der Name MasterCard ist jedem ein Begriff – auch wenn Kreditkarten in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, nimmt die Akzeptanz stetig zu. Gerade Online-Händler können durch eine optimale Nutzung der Kredit- oder Debit-Zahlung im Checkout-Prozess profitieren. So hat MasterCard beispielsweise mit MasterPass ein digitales Portemonnaie geschaffen, das mittlerweile von über einer Viertel Millionen Händler angeboten und von den Kunden sehr gut angenommen wird.

Um die Bekanntheit weiter zu steigen, veranstalten der Händlerbund und MasterCard die „Master Your Card Roadshow“ in München am 09. März 2016. Das Ziel der Veranstaltung ist es, kleine und mittelständische Unternehmen über die Akzeptanz von Prepaid-, Debit- und Kreditkarten zu informieren, ihnen die Vorzüge des elektronischen Zahlungsverkehrs aufzuzeigen und ihnen die Vorteile einer Einbindung in die eigenen Shops darzustellen, die unter anderem in Umsatzsteigerungen, verbessertem Cash Flow und optimierten Prozessabläufen liegen können. Händlerbund-Mitglieder können nach vorheriger Anmeldung kostenlos an der Veranstaltung teilnehmen. Nichtmitglieder zahlen einen geringen Beitrag von 59,90 Euro.

Weiter Informationen und Anmeldung.

 

Wie hoch ist der Anteil von Online-Zahlungen bei MasterCard?

David Klemm: Der Anteil von Online-Zahlungen nimmt stetig zu und betrifft in einigen Ländern schon rund ein Drittel aller Transaktionen. Insgesamt steigt zudem die Akzeptanz von MasterCard, diese ist nicht zuletzt der Absenkung der Interbankenentgelte im Wege der jüngsten Regulierung vom 9. Dezember 2015 auf 0,3 Prozent geschuldet. Damit dürfte die Kreditkarte zu einem der günstigsten Zahlungsmittel geworden sein.

Welche Anforderungen müssen Online-Händler erfüllen, um ihren Kunden MasterCard als Payment-Methode anbieten zu können?

MasterCard selber steht nicht in einer direkten vertraglichen oder wirtschaftlichen Beziehung zu dem einzelnen Händler. Allerdings gibt es natürlich bestimmte Anforderungen, die erfüllt werden müssen und durch die Vertragspartner des Handels für die Akzeptanz – das sind die Acquirer – vorab geprüft werden. Grundlagen sind hierfür die Regularien von MasterCard, die für jeden einsehbar im Internet bereitstehen. Grundsätzlich gilt für Online-Händler nichts wesentlich anderes als für stationäre Händler.

Mit MasterPass hat MasterCard ein digitales Portemonnaie für alle Kreditkarteninhaber geschaffen. Wie wird der Service von den Kunden angenommen?

Die Anzahl der Transaktionen, die über MasterPass erfolgen, nimmt rasant zu. Dies liegt daran, dass Konsumenten heute immer häufiger mit Laptop, Tablet oder Smartphone mobil einkaufen.

Zudem verbreitet sich MasterPass zunehmend, wird also von immer mehr Händlern akzeptiert und eingeführt. Weltweit liegt die Akzeptanz bereits bei über eine Viertel Millionen Händler.

Aus Kundenbefragungen wissen wir zudem, dass Verbraucher es besonders schätzen, nach einer einmaligen Registrierung und Sicherheitsüberprüfung fortan im Internet einzig mit dem eigenen Nutzernamen (meist der eigenen E-Mail-Adresse) und einem Passwort das digitale Portemonnaie zu öffnen, um dann damit zu bezahlen. Hierdurch entfallen wiederholte Eingaben von Liefer-, Adress- und Bezahlinformation bei jedem einzelnen Online-Shop. Gleichzeitig bleiben alle relevanten Daten sicher verwahrt. Nur die für die jeweilige Transaktion unbedingt notwendigen Daten werden an den Online-Händler übermittelt. Außerdem profitieren Kunden davon, dass für die Bezahllösung MasterPass keine Kontodaten genutzt werden, dadurch entfällt die Gefahr eines direkten unbefugten Zugriffs durch Dritte. Zukünftig wird es innerhalb MasterPass Verbesserungen bei der 3D-Secure Prüfung geben, die verbraucherfreundlicher gestaltet wird und weniger Abbrüche zur Folge haben soll. Am wichtigsten ist aber, dass sich den Kunden mit MasterPass Shoppingmöglichkeiten mit wenigen Klicks über viele Online-Shops hinweg bieten – auch jenseits der großen Anbieter. Die Top-Händler, die MasterPass anbieten, lassen sich hier finden.

Wie profitieren Online-Händler von MasterPass?

Mit MasterPass wollen wir dem Handel deutliche Vorteile bieten. Durch den einfachen und schnelleren Bezahlvorgang sollen Kaufabbrüche deutlich reduziert, die Kaufabschlüsse und damit die Konversionsrate für den Handel entsprechend erhöht werden. Im Vergleich zum Wettbewerb ist MasterCard zudem spätestens seit der Absenkung der Interbankenentgelte sehr günstig, international und zukunftssicher und bietet den Vorteil, schon heute im Markt verfügbar zu sein sowie von allen Kreditkartenkunden genutzt werden zu können. Über das weltweite Netzwerk der an MasterPass angeschlossenen "Digital Wallets" wird zudem der Zugang zu Neukunden ermöglicht. Durch die Nutzung bestehender Infrastrukturen für Kartenabrechnungen lässt sich die Technik per Knopfdruck ohne Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts in die gängigen Shopsysteme integrieren. Von unseren angebundenen Händlern wissen wir, dass eine höhere Konversionsrate zu einer insgesamt höheren Kundenzufriedenheit beiträgt und die Chance verbessert, dass der Käufer erneut beim gleichen Anbieter einkauft. Wir wollen, dass die Händler mit unserem innovativen Bezahlsystem noch stärker von der starken Umsatzentwicklung im E-Commerce profitieren.

MasterCard zeigt sich sehr experimentierfreudig, wenn es um das Internet der Dinge geht. Auf der „Money 20/20“-Konferenz in Las Vegas wurden beispielsweise Gegenstände, die mit einem MasterCard-Token ausgestattet sind, vorgestellt. Wie ist hier der Stand der Dinge? Werden Nutzer noch in diesem Jahr zum Beispiel mit ihrem Autoschlüssel bezahlen können?

Digitale Technologien verändern das Verhalten der rund um die Uhr vernetzten Verbraucher – der „Connected Consumers“ – und damit die Art und Weise, wie sie interagieren oder in naher Zukunft Transaktionen ausführen. Durch die zunehmende Internetfähigkeit von Geräten und Maschinen könnten 20 bis 30 Prozent aller Zahlungen bis zum Jahr 2020 digital erfolgen. Im Bereich des Internets der Dinge eröffnet MasterCard den Verbrauchern so nahezu endlose Einkaufs- und Bezahlungsmöglichkeiten.

MasterCard arbeitet derzeit an der Entwicklung neuer Benutzererlebnisse durch die Integration von Zahlungsfunktionen in eine Vielzahl von Produkten unter anderem in den Bereichen Elektronik, Automotive und Mode. Mit diesen Integrationen wird der Bezahlvorgang binnen weniger Sekunden über beispielsweise einen online-fähigen, tragbaren Alltagsgegenstand die Besuche im Waschsalon einfacher gestalten sowie mobile Zahlvorgänge an Tankstellen und in Einzelhandelsgeschäften beschleunigen können. Darüber hinaus hat MasterCard mit Groceries by MasterCard eine neue App eingeführt, mit der Verbraucher ihre Lebensmittel direkt über den neuen Family Hub-Kühlschrank von Samsung bestellen können. Als erste in einen Kühlschrank integrierte Shopping-App stellt Groceries by MasterCard eine Verbindung zwischen Verbrauchern und führenden Lebensmittelhändlern in der jeweiligen Umgebung her, die kaum praktischer sein könnte – nämlich direkt in der eigenen Küche. Auch das Bezahlen mit dem Autoschlüssel sind denkbare Technologien. In Deutschland kann man übrigens schon heute ein Drive Now Fahrzeug mit Kreditkarte anmieten, öffnen, starten und bezahlen.

Wie werden wir Ihrer Meinung nach im Jahr 2020 bezahlen? Wird es dann noch Bargeld geben?

Bis zum Jahr 2020 wird der Anteil der Bargeldzahlungen im Einzelhandel weiter stark gesunken sein. Parallel dazu werden immer mehr Verbraucher auf Bezahllösungen setzen, die grenzüberschreitend funktionieren. Nicht nur in der physischen Welt, sondern auch online, denn der E-Commerce findet zunehmend auch über Ländergrenzen hinweg statt. Zahlmarken wie MasterCard werden immer wichtiger, weil sie für Sicherheit und Zuverlässigkeit stehen – hiervon profitieren letztlich auch die Händler. Insgesamt wird ein großer Teil der Verbraucher bis dahin zudem mit dem Smartphone bezahlen – im Ladengeschäft genauso wie im Online-Handel.

Was plant MasterCard für die Zukunft?

MasterCard steht nicht still. Im Gegenteil – neue Sicherheitstechnologien werden dafür sorgen, dass Verbraucher noch einfacher, schneller und gleichzeitig sicherer bezahlen können. Als nächstes werden wir neben kontaktlosem Bezahlen und mobilem Bezahlen per Smartphone auch einen Fokus auf biometrische Verfahren legen, denn nach einer Umfrage von MasterCard nutzen lediglich 50 Prozent der Deutschen komplett verschiedene Passwörter für ihre unterschiedlichen Accounts. Mehr als die Hälfte nutzen sogar immer dasselbe Passwort für alle ihre Zugänge. Identity Check von MasterCard lässt die Kunden ihre Authentifizierung im Handumdrehen selbst bestimmen, unter anderem durch biometrische Technologien oder Einmalpasswörter via SMS. Das geht schneller, ist intuitiv und sorgt vor allem für weniger Abbrüche – gerade im Online-Handel.

 


 

David Klemm MasterCard
© MasterCard - David Klemm

Über David Klemm

David Klemm verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Payment-Industrie. Der gelernte Bankkaufmann begann seine Karriere im Netzbetrieb der Deutsche Bank AG, später easycash GmbH und war außerdem als Geschäftsführer für den Terminalhersteller REA Card tätig. Seit 2010 ist David Klemm bei MasterCard im Bereich Acceptance Development tätig und leitet diesen inzwischen.

 

 

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