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CleverShuttle: Ride-Sharing mit professionellen Fahrern und Elektro-Autos

Veröffentlicht: 20.06.2016 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 06.07.2016

CleverShuttle ist eine Taxi-Alternative, die vieles besser macht als der große Konkurrent Uber: Das Unternehmen setzt Elektro-Fahrzeuge ein und die Fahrer verfügen alle über einen Personenbeförderungsschein. Damit schickt CleverShuttle sich an, dem großen US-Konkurrenten, der in Deutschland immer wieder rechtliche Niederlagen einstecken musste, die Stirn zu bieten. Das Konzept verspricht Erfolg: Die Deutsche Bahn ist bereits als Investor eingestiegen. Wir haben mit Gründer Bruno Ginnuth über das junge Unternehmen gesprochen.

 CleverShuttle-Fahrzeug und Fahrer

 CleverShuttle setzt umweltfreundliche Elektro-Fahrzeuge ein (Foto: Michael Pohlgeers)

OnlinehändlerNews: Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass das Shuttle innerhalb weniger Minuten nach der Buchung ankommt. Können Sie dieses Zeit wirklich immer einhalten?

Bruno Ginnuth: Die durchschnittliche Wartezeit in Leipzig liegt aktuell bei rund 7 Minuten. Es gibt aber natürlich externe Faktoren, wie Staus, die zu längeren Wartezeiten führen können. Entscheidend ist zudem, von wo aus die Fahrt gebucht wird. Das Leipziger Betriebsgebiet umfasst aktuell etwa 140 km², sodass die Anfahrtszeit in manchen Fällen auch ein wenig länger sein kann. Der Kunde bekommt aber bei der Buchung in der App bereits vor Bestätigung seiner Buchungsanfrage, die ungefähre Ankunftszeit angezeigt. So kann jeder immer selbst darüber entscheiden, ob die angekündigte Wartezeit akzeptabel ist.

Uber steht immer wieder in der Kritik und wurde in Deutschland immer wieder als unzulässig eingestuft. Was machen Sie anders als der Konkurrent aus den USA?

CleverShuttle und Uber unterscheiden sich im wesentlichen dadurch, dass CleverShuttle nur mit explizierter behördlicher Genehmigung agiert. CleverShuttle setzt auf professionelle Fahrer mit P-Schein und behördlich genehmigte Elektro-Fahrzeuge. Zudem ist CleverShuttlle umweltfreundlich, da neben den E-Fahrzeugen aufgrund unseres Sharing Prinzips auch der Verkehr reduziert wird.

Die Deutsche Bahn ist als Investor bei CleverShuttle eingestiegen. Was erhofft sich der Konzern Ihrer Meinung nach von der Investition?

CleverShuttle ist für die Deutsche Bahn aus drei Gründen hochinteressant. 1. bieten wir ein echtes „Letzte-Meile-Angebot zur Schließung der Reisekette". S-Bahn und Call-a-Bike sind z. B. mit Gepäck oder später am Abend einfach nicht komfortabel. 2. Das RideSharing bietet ein hohes Marktpotenzial, Roland Berger geht aktuell von einem Wachstum von 35 Prozent pro Jahr aus. Die Bahn hat hier vor CleverShuttle nicht mitgespielt und riskierte wie beim Free Floating CarSharing (also z. B. DriveNow) den Anschluss zu verlieren. 3. CleverShuttle ist umweltfreundlich und passt so sehr gut zur Bahn.

CleverShuttle sitzt in Berlin, die Stadt Leipzig wurde aber bereits vorher erschlossen. Wieso haben Sie sich nicht zuerst auf die Hauptstadt konzentriert?

Bevor CleverShuttle Anfang des Jahres seinen Betrieb in München aufnehmen konnte, mussten für jeden Standort Genehmigungen erreicht werden. Leipzig und München waren die Städte, die dem Konzept von CleverShuttle als Erstes zugestimmt haben.

Grundsätzlich fiel unsere Wahl auf Leipzig, weil wir unseren Dienst nicht nur in Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg sondern auch in Städten mittlerer Größe anbieten wollen. Leipzig ist eine aufstrebende und zukunftsorientierte Stadt und bisher hat sich diese Entscheidung als richtig erwiesen.

In Leipzig kann man ein CleverShuttle bisher zwischen 15 und 24 Uhr buchen. Wieso haben Sie gerade diesen Zeitraum als Buchungszeitraum gewählt?

Mit den aktuellen Betriebszeiten von 15-24 Uhr decken wir in Leipzig den am stärksten nachgefragten Buchungszeitraum ab. Die Betriebszeiten werden aber schrittweise und der Nachfrage entsprechend ausgeweitet. Ab Juli werden wir beispielsweise Freitag- und Samstagnacht bis 3 Uhr verfügbar sein.

Wie viele Fahrer sind derzeit für CleverShuttle tätig?

In Leipzig beschäftigen wir aktuell 6 CleverShuttle-Fahrer in Festanstellung. Vier von Ihnen fahren in Vollzeit und zwei fahren neben ihrem Studium in Teilzeit. Mit steigender Nachfrage wollen wir aber noch weitere Fahrer einstellen. Wir suchen daher stets nach netten Fahrern, die in Besitz eines Personenbeförderungsscheins sowie der Ortskunde für Leipzig sind.

Neben Leipzig testen Sie den Dienst derzeit in München. Berlin soll in den kommenden Monaten bedient werden. Gibt es schon Pläne, weitere Städte mit dem Dienst zu erschließen?

Ja, aktuell haben wir Genehmigungen für 5 deutsche Städte, die wir nach und nach erschließen wollen. Nach dem Start in Berlin, der für September 2016 geplant ist, wollen wir unseren Dienst als nächstes in Hamburg anbieten.

 

Bruno GinnuthÜber Bruno Ginnuth

Der gebürtige Berliner hat BWL in Berlin, New York, London und Paris studiert. Anschließend sammelte er unter anderem bei Merrill Lynch, Nissan, Sony und Coca-Cola berufliche Erfahrungen, bevor er 2014 gemeinsam mit seinen Schulfreunden Jan Hofmann und Slava Tschurilin CleverShuttle gründete.

Kommentare  

#2 Redaktion 2016-06-29 15:03
Hallo Axy4711,

Wir haben Ihre Rückfrage an CleverShuttle weitergereicht und folgende Antwort erhalten:
"CleverShuttle wurden alle erforderlichen Genehmigungen, insbesondere diejenigen zur Ausübung der gewerblichen Personenbeförde rung erteilt. Gesetzesgrundla ge hierfür waren insbesondere §2 Abs. 6, §2 Abs. 7 und §49 Abs. 4 PBefG. Somit gibt es bei CleverShuttle große Parallelen zu Mietwagen, so kehren unsere Fahrzeuge nach Ausführung eines Beförderungsauf trags stets zum Betriebssitz und unseren ausgewiesenen Stellplätzen zurück, es sei denn, wir erhalten einen neuen Beförderungsauf trag. In Leipzig ist unser Betriebssitz am Hauptbahnhof, bzw. in der Richard-Wagner- Straße. Alle Genehmigungen wurden uns lokal in Abstimmung mit den Landesregierung en und/oder ermächtigten Behörden erteilt."

Viele Grüße
Die Redaktion
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#1 Axy4711 2016-06-22 10:58
Eine gute Idee, aus reiner Neugier würde mich interessieren, wie die Rückkehrpflicht zum Betriebssitz ausgehebelt wurde. Ist es tatsächlich so, dass diese Genehmigung das Personenbeförde rungsgesetz außer Kraft setzt? Dann wird es nicht lange andauern, bis andere nachziehen, denn die Konkurrenz schläft sicher nicht.
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