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Kolumne

Plagiate kann man nicht allein bekämpfen

Veröffentlicht: 12.07.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 12.07.2019
Menschen setzen ein Puzzle zusammen

Es soll „der effektivste Weg“ sein, um Produktfälschungen über die gesamte Lieferkette hinweg zu bekämpfen: Der Transparency-Code, den Amazon nun auch unter anderem in Deutschland einführt. Dabei handelt es sich um einen Code ähnlich einem QR-Code, der individuell für jede Produkteinheit erstellt und auf die Verpackung gedruckt wird. Der Transparency-Code kann dann von Lieferanten, Amazon, Händlern und schließlich auch von den Kunden gescannt werden, um die Echtheit der Ware zu bestätigen. 

Ein Mehr-als-4-Augen-Prinzip

Damit wird die Kontrollmöglichkeit quasi in die Hände aller Beteiligten gegeben. Dass selbst die Kunden den Transparency-Code überprüfen können, ist wohl die größte Errungenschaft dieses Kontroll-Codes. Gleichzeitig zeigt der Transparency-Code, dass der Kampf gegen Plagiate eben nicht alleine möglich ist. Die Hersteller können gar nicht jedes Plagiat frühzeitig aus dem Markt ziehen, Marktplätze wie Amazon können eben nicht jedes einzelne Produkt auf seine Echtheit überprüfen. Und die Kunden bekommen im Zweifelsfall auch nicht mit, ob es sich bei der gekauften Ware unbedingt um ein Originalartikel handelt.

Hat aber jeder Beteiligte Zugriff auf alle Informationen, so lässt sich das Problem schnell aus der Welt schaffen. Denn dann können der Marktplatz und die Kunden eben verifizieren, ob es sich bei der eingelagerten Ware um echte Artikel handelt. Es ist ein Mehr-als-4-Augen-Prinzip, das mit dem Transparency-Code greift und der Kunde ist die letzte Kontrollinstanz. Das System hat offenbar Erfolg: In den USA beteiligen sich 4.000 Marken an dem Transparency-Programm, 300 Millionen individuelle Codes sind erstellt und 250.000 Produktfälschungen aus dem Verkehr gezogen worden, bevor sie den Kunden erreicht haben.

Nicht nur auf ein System vertrauen

Der Wunder-Code kann und darf aber nicht das einzige Kontrollsystem bleiben, um Produktfälschungen zu bekämpfen. Amazon hat mehrere Programme, um Plagiate endgültig von seinem Marktplatz zu tilgen, andere Anbieter vertrauen auf ihre eigenen Systeme. Das ist gut und richtig so – man stelle sich nur vor, die Fälscher würden eben auch die Transparency-Codes fälschen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Geschäft mit Produktfälschungen bis 2022 einen Umsatz von 931 Milliarden Dollar erreichen soll, wie Zeit Online vor zwei Jahren berichtete, kein unwahrscheinliches Szenario. 

Die Fälscher treiben ihre Machenschaften mit großem Eifer voran und werden immer gewiefter. Damit seriöse Händler, Anbieter und die Kunden dem etwas entgegensetzen können, müssen sie Hand in Hand agieren und ebenfalls große Anstrengungen unternehmen. Und auch wenn der Transparency-Code ein großer Schritt in diese Richtung ist – das Ende der Produktfälschungen wird er wohl leider nicht besiegeln können.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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