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Marktplatz-Vergleich von Otto, Real, Hood und Tmall

Das sind die Vor- und Nachteile kleiner Online-Marktplätze

Veröffentlicht: 14.08.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 15.08.2019
Marktplatz

Neben Amazon und Ebay gibt es auch bei kleineren Anbietern viele Chancen auf große Umsätze. Wir erklären in unserer Übersicht die Vor- und Nachteile und zeigen die wichtigsten Gebühren einiger relevanter deutscher und internationaler Online-Marktplätze.

REAL – Stationäre Märkte als Abholstation

Als einzigem traditionellen Offline-Player und stationären Händler ergeben sich für Reals Online-Marktplatz einige besondere Vorteile für den Omnichannel-Verkauf: So können Kunden ihre Pakete auch in einem der rund 280 Real-Märkte abholen – und auch ihre Retouren dort abgeben. Außerdem können Kunden vor Ort online bestellen und anschließend an der Kasse im Laden bezahlen. Online-Kunden profitieren überdies auch vom Payback-Bonussystem. In einer aktuellen Händlerbund-Umfrage unter 1.077 Online-Händlern wurde real.de außerdem als fairster Marktplatz eingestuft. „Der Real-Marktplatz hat eine starke Community und für diese auch eine schön klare Benutzeroberfläche. Die Retouren sind dort für den Kunden generell kostenfrei. Für den Händler kann das natürlich auch ein Nachteil sein. Es gibt aber auch Konzepte, bei denen die Kosten zwischen Real und dem Händler geteilt werden“, fasst der Marktplatz-Experte André Schell von Marketsupply zusammen.

Händler zahlen auf dem Real-Marktplatz eine Grundgebühr von 39,95 Euro pro Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Für monatlich 9,95 Euro mehr können die Händler aber auch auf ihren eigenen Webshop verlinken. Die jeweiligen Provisionen sind je nach Produktgruppe unterschiedlich und reichen von 6,5 bis 12,5 Prozent:

OTTO – Vom Online-Shop zum eigenen Marktplatz

Der Otto-Marktplatz scheint bisher auf Kurs zu sein: Im Geschäftsjahr 2018/2019 sind dessen Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro gewachsen und die Zahl der Kunden um 5 Prozent auf 7 Millionen gestiegen. 2019 will das Hamburger Unternehmen rund 300 neue Partner anbinden. Im folgenden Jahr sollen automatisierte Anbindungen möglich sein, interessierte Unternehmen können diese dann selbst durchführen. So will Otto im Jahr 2020 rund 3.000 weitere Partnern auf die Plattform holen. Derzeit sind es rund 6.800 Marken und 400 Partner.

„Otto ist exklusiv gestartet und hatte anfangs nur eine kleine Anzahl Händler im Boot. Da mussten Händler zu Beginn recht viele Produkte mitbringen, das ist mittlerweile gesenkt worden“, erklärt Schell. Die Gebühren für die Einrichtung variieren je nach Größe, Artikelanzahl, Anbindungsart, IT- und Logistik-Knowhow sowie Sortiment des Partners, erklärt Nick Marten von Otto. Auch Grundgebühr und Provision werden individuell auf jeden potenziellen Partner zugeschnitten.

HOOD – Der Kampf um Reichweite

Seit 2017 gehört hood.de zum Karstadt-Mutterkonzern Signa Retail. Der Marktplatz hat nach eigener Angabe mehr als 10.000 gewerblich aktive Händler und erreicht rund 9 Millionen Kunden. Im Angebot finden sich über 10 Millionen Produkte in über 10.000 unterschiedlichen Kategorien. Die Marktplatz-Umsätze seien zuletzt von Jahr zu Jahr um über 100 Prozent gewachsen, sagt Gründer Ryan Hood. Hood.de sei „Deutschlands einziger Marktplatz, der wirtschaftlich deutlich profitabel arbeitet.“

Jeder Händler zahlt eine monatliche Grundgebühr ab 21 Euro – abhängig von dem gewählten Shop-Paket und der Zahlungsweise (monatlich oder jährlich). Es gibt keine Einrichtungs- oder Einstell-Gebühr. Die Provisionen für gewerbliche Händler richten sich nach der Produktkategorie und dem jeweiligen Shop-Paket:

  • 3 - 7 Prozent mit Platin-Shop
  • 5 - 8 Prozent mit Gold-Shop

CHINA: TMALL GLOBAL – Das Tor zur Mittelschicht

Laut einer KPMG-Umfrage aus dem Jahr 2018 war Tmall die beliebteste E-Commerce-Plattform in China. Tmall Global bietet chinesischen Kunden Produkte von über 20.000 Marken aus 77 Ländern und Regionen, darunter bereits viele deutsche Unternehmen wie Bosch, Aldi, DM, Adidas, aber auch Mittelständler wie Biomenta und die Confiserie Lauenstein. Alibaba will bis 2023 rund 200 Milliarden US-Dollar an Warenwert aus der ganzen Welt nach China bringen. Davon soll „ein möglichst großer Teil“ aus Deutschland kommen, plant der hiesige Alibaba-Chef Karl Wehner. 

Die Firmen betreiben auf Tmall Global ihre eigenen Flagship Stores und bestimmen Gestaltung und Preise selbst. Alibaba bietet außerdem eine Reihe von Marketing-Tools aus seinen Kanälen, um die Markenbekanntheit in China zu steigern – zum Beispiel mit Video-Livestreaming oder personalisierten Empfehlungen. Die beim chinesischen Konsumenten beliebtesten importierten Artikel sind Baby- bzw. Kinder-Produkte, Kosmetik und Körperpflege sowie Nahrungsergänzungsmittel. Händler müssen für bestimmte Produktkategorien eine Kaution von mindestens 150.000 Renminbi (rund 20.000 Euro) hinterlegen. 

Die Gebühren für Tmall Global

  • Jahresgebühr: 30.000 RMB (rund 4.000 Euro) oder 60.000 RMB (rund 8.000 Euro), je nach Produktkategorie
  • Bearbeitungsgebühr: 0,5 bis 5 Prozent des Warenwertes, je nach Produktkategorie

 


OHM 2019 Q3 eb

Der vorliegende Text ist ein Auszug aus unserem aktuellen Onlinehändler Magazin Q3/2019. Im weiteren Verlauf des Beitrags werden unter anderem zehn wichtige deutsche und internationale Online-Marktplätze mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Zusätzlich finden Sie im Magazin einen ganzen Themenkomplex rund um den Verkauf auf Ebay, mit vielen weiteren hilfreichen Tipps und einem Interview mit dem Management von Ebay Deutschland. Außerdem haben wir uns mit Black Hat SEO, häufigen Rechtsfehlern, dem chinesischen Online-Giganten Alibaba oder auch dem Online-Handel mit Cannabis beschäftigt. Auf insgesamt 146 Seiten finden Online-Händler nicht nur nützliche Tipps für die Praxis, sondern auch alles, um auf dem Laufenden zu bleiben. 

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Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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