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Kolumne

Das wenig überraschende Fazit zu AliExpress, Wish und Co.

Veröffentlicht: 18.12.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 18.12.2019
AliExpress unter der Lupe

Klar: Nicht jeder kann sich teure Qualitätsprodukte leisten. Umso verlockender ist es daher, Produkte wesentlich günstiger auf Marktplätzen wie Wish, AliExpress und Joom zu erwerben. Dabei gilt für viele die Rechtfertigung, dass die großen Marken ja „auch nur in China produzieren“ würden und diese daher nur teurer seien, da der Markenname draufstünde.

Die ZDF-Zoom-Reportage „Schöne Online-Bescherung – Schnäppchenfrust aus Fernost“ hat sich nun in der letzten Woche mal mit der Qualität der Schnäppchen beschäftigt. Die Dokumentation ist zur Zeit noch in der Mediathek verfügbar.

Akkusauger ohne Ladekabel

Den Anfang machte eine Familie: Diese bestellte bei Joom einen Akkustaubsauger für 104 Euro. Zum Vergleich: Ein Markengerät kann mal gut 500 Euro kosten; No-Name-Ware gibt es ab 150 Euro. Der Kauf in Fernost ging gründlich nach hinten los, denn das Gerät wurde ohne Ladekabel geliefert. Joom bot der Käuferin einen 20 Prozent-Gutschein an. Den lehnte sie ab und wollte stattdessen einfach das Kabel erhalten. Nachdem man ihr zusicherte, den Kaufpreis zu erstatten, passierte allerdings nichts mehr. Die Käuferin sitzt noch heute auf einem nutzlosen Gerät. An den Händler aus Fernost ist freilich nur schwer heranzukommen. Schnell wird klar, dass sich hier eine einfache Weisheit verwirklicht: Wer billig kauft, kauft zweimal. 

Was erwarten die denn?

So geht es jedenfalls in der Reportage weiter. Nach mehreren Testkäufen offenbart sich auch, dass etwa die Hälfte der Produkte von Billigmarktplätzen nicht verkehrsfähig ist. Das fängt beim fehlenden CE-Zeichen an und hört bei der Verwendung verbotener Stoffe in Parfüms auf. Am Ende gibt es lange Gesichter bei den Kunden und ich stelle mir die Frage: Was erwarten die denn eigentlich? Den gleichen Service, wie man ihn bei deutschen Händlern bekommt?

Bei den Produkten aus Fernost handelt es sich eben meistens nicht um die günstigen Zwillinge von Qualitätsprodukten. Die Produkte sind unter anderem so billig, weil die Händler sich Kosten für gesetzlich vorgeschriebene Registrierungen sparen. Dazu zählt zum Beispiel die Registrierung von Elektroprodukten. 

Dass der Kunde für sein Geld hier nicht viel erwarten kann, ist für mich jedenfalls keine Überraschung. Wer in der Erwartung, den gleichen Service zu bekommen, dort einkauft, ist vielleicht auch selber Schuld, wenn er am Ende enttäuscht ist. Natürlich ist es es nicht in Ordnung, wenn bezahlte Produkte nicht vollständig ankommen. Und 104 Euro für ein nicht-benutzbares Produkt sind genau 104 Euro zu viel. Aber: Das ist nun einmal das Risiko bei diesen Plattformen, welches man als Kunde mit einkalkulieren sollte. 

Der Staat soll es regeln!

Die Reportage vermittelt ein treffendes Bild davon, dass es keine gute Idee ist, auf die Schnäppchenangebote einzugehen. Die App von Wish ist beispielsweise so gestaltet, dass der Käufer schnell eine Entscheidung trifft. Ein Countdown erweckt den Eindruck, dass dieser spezielle Preis bald abläuft. Falsche Streichpreise verstärken den Druck auf den konsumfreudigen Käufer. So weit, so klar. Doch im gleichen Atemzug wurde auch mehr Regulierung durch den Staat eingefordert. Damit bin ich allerdings nur so semi einverstanden.

Sicherlich: Viele der Produkte könnten schon im Zoll hängen bleiben, wenn dieser genug Kapazitäten für die täglich 450.000 Sendungen aus dem nicht europäischen Ausland hätte, die allein am Flughafen Frankfurt ankommen. Allerdings vermisse ich ein wenig den Appell an die Vernunft der Käufer: Ein Produkt, welches teilweise nur noch 10 Prozent dessen kostet, was man hierzulande für das Original zahlt, kann nicht genauso gut sein. Hinzu kommt noch, dass im Falle eines Schadens kein Ansprechpartner vorhanden ist. An wen will der Verbraucher denn herantreten, wenn das Kind bei der Verwendung des E-Scooters einen Stromschlag bekommen hat? Das Beispiel der Familie mit ihrem Akkustaubsauger zeigt, dass bereits einfache Gewährleistungsansprüche nicht erfüllt werden. Ja, man kann hier die Schuld auf die bösen Händler schieben; allerdings gibt es die auch nur, weil ihre Produkte einen Absatzmarkt finden. 

Sicherlich ist mehr Kontrolle ein Schritt in die richtige Richtung; über kurz oder lang hilft aber auch: „App deinstallieren”.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#5 Ces 2020-01-07 12:21
Für Aliexpress als auch für alle anderen Anbieter und Marktplätze gilt, wer billig kauft, kauft zwei Mal. Irgendwann ist die Untergrenze halt erreicht und mehr Qualität für das Geld, was man ausgeben möchte geht nicht.

Wer auf diesen Marketplaces tatsächlich immer nur das günstigste Angebot wahrnimmt, muss sich nicht wundern, nur Schrott zu erhalten. Klappt so nicht immer, aber fast immer. Und selbst wenn es dann mal nicht klappt, habe ich z.B. über Aliexpress problemlos ein Fall aufgemacht und mein Geld zurück erhalten, wenn der Verkäufer meine Einwände und Reklamationen nicht widerlegen oder gerade biegen konnte. Also nicht anders, als überall sonst auch. Das einzige was nicht zu verhindern sein wird, und worauf man sich einstellen sollte sind 3-4 Wochen Lieferzeit, aber ansonsten habe ich mit Aliexpress zumindest und bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht.
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#4 Manfred 2019-12-20 06:34
Ich habe diese Sendung gesehen und muss dem wie mein Vorredner auch wieder sprechen.

Bisher habe ich von ca. 50 Artikel nur einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Tablet auf Wish würde mit manipulierten Software geliefert die eine bessere Hardware vorgaukelt. Der Kaufpreis wurde umgehend zurückerstattet.

Man muss sich bei den Preisen eben bewusst sein das Mal etwas nicht passt. Etwar so wie wenn man gebraucht Artikel im Internet bestellt.
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#3 Helmut Lehner 2019-12-19 15:23
Hallo stimme Karl mit 100%tiger Sicherheit zu.
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#2 Olli 2019-12-19 14:15
Experte für IT- und Strafrecht müssen ja keine Experten für Käufe in Fernost sein. Anders lässt sich für mich dieser einseitige und. Tendenziöse Artikel keinen Sinn. Ich würde soweit gehen, dass hier vieles als Fakt dargestellt wird, was einer Überprüfung standhalten würde und teilweise reißerisch wirkt. Lange nicht mehr so einen schlechten Artikel gelesen.
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#1 Karl 2019-12-18 19:55
Also ich widerspreche dem Artikel und rede durchaus von falschen Aussagen,ich habe ca.100 Artikel bei joom gekauft,manchma l war die Qualität, leicht schlechter als bei uns,aber was dem dem Preis entsprechend weiss,allerding s habe ich Unsummen gespart und joom erstattet sofort das Geld bei Problemen innerhalb eines Tages und bitteschön Ladekabel gibt es hier an jeder Ecke für kleines Geld,400.- Euro sparen und heulen wegen eines 5.- Euro Kabels,ich hätte hier ca. 500.- Euro für ein neues Handy ausgeben müssen was etwas besseres ist,bei joom habe ich 100.- bezahlt und es funktioniert wunderbar,hat das was ich wollte und sieht super aus,wenn es nach einem Jahr defekt ist kann ich ein neues kaufen mit neuester Software,mein letztes Qualitätshandy hier für 900.- Euro gekauft hielt 3Jahre,deutsche r teurer Schrott.
Also bisher hunderte Euro gespart,auf den vielleicht etwas geringeren Standard sch....SSE ich,solange hier auch Geräte mit festgelegter Haltbarkeit hergestellt werden und dort bekomme ich Sachen die es hier nicht mal ansatzweise gibt.
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