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Zielgruppe Erwachsene im Fokus

Lego kauft Ersatzteile-Marktplatz BrickLink

Veröffentlicht: 13.01.2020 | Autor: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 13.01.2020
Lego kauft BrickLink - Lego-Logo

Auf dem Marktplatz BrickLink können Lego-Fans Einzelsteine, Ersatzteile, gebrauchte bzw. ältere Bausteine und Sets des beliebten dänischen Bausteineherstellers erwerben. Ende November kaufte Lego den Marktplatz. Die Community zeigte sich nicht besonders begeistert von Legos Schritt. Händler dürfen hier zudem nur noch originale Lego-Produkte verkaufen.

BrickLink und Lego heben Kooperation auf die nächste Stufe 

BrickLink richtet sich vor allem an erwachsene Lego-Fans, sogenannte AFOLs (Adult Fans of Lego). Im Jahr 2000 gründete der Tscheche Dan Jezek die Plattform, um Gleichgesinnte zu finden, die seine Leidenschaft teilten, selbst Lego-Kreationen zu erschaffen. Nach Jezeks plötzlichem Tod führte seine Mutter die Geschäfte, bis die Plattform 2013 an den koreanischen Unternehmer Jung-Ju 'Jay' Kim bzw. die Firma NXMH verkauft wurde. Die Anzahl der Mitglieder hat sich seitdem vervierfacht und stieg von 300.000 auf 1,2 Millionen. 

BrickLink besteht zudem aus einem Netzwerk von ca. 10.000 Händlern aus 70 Ländern, die hier einzelne bzw. rare Bausteine, aber auch viel kompatible Ausrüstung und Komponenten oder eigene Kreationen als Sets anbieten. So sind auf BrickLink rund 20.000 Eigenkreationen gelistet, im Community-Jargon als MOC (My own Creation) bezeichnet.  

Im Rahmen des AFOL Designer Programms (2018-2019) hatten BrickLink und Lego erstmals zusammengearbeitet – und seitdem, so zumindest schreiben es die Marktplatzbetreiber, „keinen Zweifel daran, dass wir bereit waren, die Zusammenarbeit auf die nächste Stufe zu heben. Die Übernahme von BrickLink durch die LEGO Gruppe war für uns die bestmögliche Wahl, um zukünftige Kooperationsmöglichkeiten für die AFOL-Gemeinschaften zu sichern“, heißt es im Unternehmensblog.   

Community reagierte überwiegend negativ 

Lego selbst erhofft sich, die Beziehung zu seinen erwachsenen Fans zu verbessern. „Unsere erwachsenen Fans sind für uns extrem wichtig. Sie sind leidenschaftlich, engagiert und unendlich kreativ“, so CEO der Lego Group Niels B. Christiansen. „Wir planen, BrickLinks aktiven Marktplatz weiterhin zu unterstützen und BrickLinks digitales Studio weiterzuentwickeln, da es unseren talentierten Fans ermöglicht, ihre Kreativität auf die nächste Ebene zu bringen.“

Die BrickLinks-Community hingegen reagierte überrascht und auch negativ. Legos Vorstoß wurde unter anderem als Eingriff in den bisher eher unabhängigen Markt gewertet. Laut Adam White, Redakteur der Webseite Brickfanz läge dies daran, „dass BrickLink eine unabhängige Plattform ist. Lego hat einen eigenen Ersatzteilbestellservice, aber legt die Preise fest und das Angebot ist nicht so groß. Die Leute fragen: Werden die Preise steigen? Ich glaube nicht, dass Lego ein großes, schlechtes Unternehmen ist, aber jeder denkt, dass es hier darum geht, im Secondhand-Markt aufzuräumen“, erklärt er im Guardian. So bestimmt sich der Preis derzeit nach Angebot und Nachfrage und liegt meist deutlich unter dem, was man für mögliche Ersatzteile auf Ebay oder Amazon zahle, erklärte Lego-Influencer Thomas Panke, besser bekannt als „Held der Steine“, der dem Thema einen Beitrag auf seinem YouTube-Channel widmete

Laut Panke könnten all die tausenden kleinen BrickLink-Shops einpacken, wenn Lego daraus einen eigenen Shop macht und Ersatzteile verkauft und warnt den Spielzeughersteller davor, eigene Prozesse über die Community zu stülpen. Gleichzeitig hat er die Hoffnung, dass sich dadurch auch finanzielle Stabilität sowie die Infrastruktur verbessern. Wichtig sei laut Panke: „Lasst die Fanbase ihr Zeug weitermachen.“

Änderungen für BrickLink-Händler: Nur noch Lego-Produkte im Angebot 

Das klappt jedoch nur bedingt. Denn auf dem Marktplatz werden auch zahlreiche kompatible Klemmbausteine und ergänzende Ausrüstungsgegenstände angeboten. Damit ist jedoch Schluss. Wie Julia Goldin, Chief Marketing Officer bei der LEGO Group, bereits in einem Interview mit Brothers Brick sagte, sollen in Zukunft lediglich LEGO-Produkte verkauft und entsprechend nur Verkäufer supportet werden, die diese anbieten. 

Entsprechend hat BrickLink auch kurz darauf Änderungen in seinen Nutzungsbedingungen vorgenommen. „Das ist leider eine klare Absage an Fan-Produkte, die versuchen LEGO zu ergänzen statt zu ersetzen“, so ein Fazit von zusammengebaut.com. Auch eigene Designs, die eine Lizenz oder ein Copyright verletzen, beispielsweise Star-Wars-MOCs, würden damit wegfallen, kommentiert hier ein User. 

In seinem Video-Thread äußerte der „Held der Steine“ auch die Hoffnung, dass Händler möglicherweise wieder an Rechtssicherheit gewinnen können. Er selbst hatte seinen Shop auf BrickLink 2018 geschlossen, da seitens Betreiber die Bedingungen nicht für genügend Rechtssicherheit sorgten, hier gab es laut dem Händlerbund einige BrickLink-Abmahnungen, etwa durch den IDO-Verband. 

Die Transaktion von BrickLink zu Lego sollte bis Ende 2019 vollzogen sein. Auf aktuelle Nachfrage, ob dies bereits geschehen ist und weitere Änderungen seitens Lego an den Produkten und für Händler geplant seien, gab das Unternehmen keine weiteren Details bekannt.

Über den Autor

Hanna Behn Experte für Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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