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Angebote in der Coronakrise

Hilfe für Händler: Das machen die deutschen Online-Marktplätze

Veröffentlicht: 27.03.2020 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 27.03.2020
Coronakrise und Hilfe

Die Beschränkungen rund um das Coronavirus legen vor allem weite Teile des stationären Handels in Deutschland auf Eis. Doch durch die in Krisenzeiten generell sinkende Kauflust sind auch Online-Händler betroffen. Wir haben bei den großen deutschen Online-Marktplätzen nachgefragt, ob es in der Krisenzeit besondere Angebote für neue oder bestehende Händler gibt und wie sich das Coronavirus auf die Verkäufe auf dem Marktplatz auswirkt.

Ebay: Soforthilfeprogramm und Zahlungsaufschub für Händler

Ebay hat in der Coronakrise bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um bestehenden und künftigen Online-Händlern unter die Arme zu greifen. Dazu gehören unter anderem:

  • Ebay gibt seinen gewerblichen Händlern im DACH-Raum für die Verkaufsgebühren einen Zahlungsaufschub von 30 Tagen.

  • Ebay hat ein Soforthilfeprogramm gestartet: Dieses umfasst sowohl Online-Händler als auch stationäre Geschäfte, die jetzt in den E-Commerce einsteigen. Bei den Online-Händlern wird vom 20. März bis 20. Juni der Servicestatus vor einer Herabstufung geschützt. Wer neu auf dem Ebay-Marktplatz anfangen will, erhält sechs Monate einen kostenlosen Premium-Shop bei Ebay und muss drei Monate keine Verkaufsprovisionen zahlen.

Derzeit kaufen Ebay-Kunden vor allem aus den Artikelbereichen Homeoffice und „alles rund um allgemeine Beschäftigungen zuhause“ wie etwa Sportgeräte, teilt das Unternehmen mit. „Wir gehen davon aus, in den nächsten Wochen weiter ein sich veränderndes Kaufverhalten zu beobachten und werden prüfen, ob sich hieraus auch Rückschlüsse auf nachhaltige Trends ziehen lassen.“

Otto: „Lieferanten müssen sich keine Sorgen um die Zusammenarbeit machen“

Otto offeriert für Anbieter keine gesonderten Aktionen zur Coronakrise, verweist aber auf sein bestehendes Angebot für Online-Kunden: „Wir behalten unsere Strategie bei, tägliche mehrere Aktionen und Sonderangebote auf der Startseite von Otto.de zu promoten“, sagt Pressesprecher Frank Surholt. So seien auch weiterhin täglich neue Angebote geplant, allerdings „losgelöst von der derzeitigen Situation“. Auch auf dem Otto-Marktplatz werden derzeit Produkte rund ums Daheimsein und zu Hause arbeiten besonders gekauft: Notebooks, Fitnessgeräte (Hanteln), Gesellschaftsspiele, Haarschneidemaschinen, alles rund um Tiefkühlgeräte, Brotbackautomaten. Mode hingegen wird weniger bestellt.

Otto-Händler, die wegen der Krise Lieferprobleme haben, kann Surholt jedoch beruhigen. „Unsere Lieferanten müssen sich keine Sorgen um die Zusammenarbeit machen.“ Die Händler bei otto.de sollen aber Lieferengpässe direkt an ihren Category Manager melden.

Real: Neue Händler sollen innerhalb eines Tages starten

Auch auf Real.de gibt es derzeit Gewinner und Verlierer in der Coronakrise: „Wir sehen ähnliche Tendenzen wie auch in der Händlerbund-Umfrage, das heißt, es gibt Händler, die ihre Umsätze aufgrund höherer Nachfrage in einigen Kategorien massiv steigern und es gibt Händler mit Kategorien, die massiv verlieren“, erklärt Claudia Bolten, Geschäftsführerin Non-Food bei Real. Der Real-Marktplatz habe in den vergangenen zwei Wochen die internen Prioritäten im gesamten Marktplatz-Management angepasst, um auf die Krise zu reagieren. Das sind die Maßnahmen:

  • Neuen Händlern mit großen Offline-Abhängigkeiten soll innerhalb eines Werktages der Start auf dem Marktplatz ermöglicht werden.

  • Bei bestehenden Anbietern sollen neue Produktdaten noch schneller integriert werden. 

Rakuten: Neue Händler müssen keine Grund- und Einrichtungsgebühr bezahlen

Auch Rakuten kümmert sich mit verschiedenen Maßnahmen sowohl um neue Händler als auch um die bestehenden. 

  • Neue Händler, die sich bis 12. April 2020 registrieren, müssen im ersten Verkaufsjahr keine Grund- und Einrichtungsgebühr bezahlen.

  • Händler, die schon bei Rakuten verkaufen, sollen vor allem ihre Warenbestände regelmäßig abgleichen. 

  • Das Unternehmen führt außerdem Umfragen unter seinen Händlern durch, um mögliche Hilfspakete zu schnüren.

„Während aller durchgeführten Maßnahmen wird der Händler stets mit größtmöglicher Flexibilität und Toleranz unterstützt“, erklärt Managing Director Guido Schulz. Auch bei Rakuten zeigt sich die Tendenz zu Produkten, die direkt oder indirekt mit dem Coronavirus zu tun haben. Dazu gehören unter anderem Toilettenpapier, Konserven, Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel, PC-Zubehör, Tablets, Schreibtische, Spielzeug, Trampoline, Gerüste, Unterhaltungselektronik, aber auch Haushaltsprodukte, wie Milana Kogan erläutert.

Für die Zukunft könnte ein womöglich steigender E-Commerce nach der Coronakrise ein Stresstest werden: „Ein plötzlich gesteigerter, prozentualer Anteil der E-Commerce-Umsätze am Gesamthandel wird eine große Herausforderung für die gesamte Branche und aller dazugehörigen Prozesse darstellen, wobei die Logistik und der (internationale) Einkauf der Händler die fragilsten Bindeglieder sein können. Rakuten setzt auf transparente Kommunikation und lösungsorientierte Ansätze mit Händlern und den langjährigen Partnerschaften mit E-Commerce-Dienstleistern“, sagt Kogan.

Hood: Sofortrabatt für Händlerbund-Mitglieder 

Auch bei Hood hat man sich auf die Coronakrise und die Folgen eingestellt. 

  • Der Händlersupport wurde personell aufgestockt.

  • Für bestehende Händler, die aufgrund der Coronakrise ihren Verkauf unterbrechen müssen oder Zahlungsschwierigkeiten haben, werden individuelle Lösungen erarbeitet.

  • Händlerbund-Mitglieder, die neu auf Hood.de starten wollen, erhalten mit dem Gutscheincode „Soforthilfe2020” bei der Buchung eines Hood-Platinshops bis zum 19. April einen Sofortrabatt in Höhe von 120 Euro im ersten Vertragsjahr.

Hood stellt durch das Coronavirus derzeit ein „deutlich erhöhtes Bestellaufkommen von fast 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr fest“, sagt Sonja Hood. Die Coronokrise beschleunige das ohnehin schon kräftige Wachstum im E-Commerce. „Unsere IT-Systeme sind bereits auf starkes und dynamisches Wachstum ausgelegt, sodass wir für das aktuell erhebliche Mehraufkommen gut gerüstet sind. Darüber hinaus verstärken wir bereits seit Beginn des Jahres unsere Teams in allen Bereichen, um dem auch schon vor Corona starken Wachstum unseres Marktplatzes zu begegnen“, erklärt Hood.

Amazon: Verzicht auf Langzeitgebühren für Lagerbestand 

Amazon hat auf unsere Anfrage nicht reagiert. Im Seller Central war jedoch schon vor einigen Wochen zu lesen, dass sich Amazon eventuell in der Coronakrise kulant zeigen könnte. So heißt es dort: „Wir werden dieses unvorhergesehene Ereignis berücksichtigen, wenn wir die aktuelle Verkäuferleistung Ihres Kontos beurteilen.“

Zuletzt gab Amazon im Seller Central bekannt, auf die am 15. April 2020 fälligen Langzeitlagergebühren für Lagerbestand zu verzichten. Das gilt für die Lagerbestände in den USA, im Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und der Tschechischen Republik. Der Hintergrund: Viele Drittanbieter werden ihre Produkte derzeit nicht los, weil Amazon im Rahmen der Coronakrise in einigen Ländern bestimmte Produkte wie Grundnahrungs- und Sanitätsartikel bevorzugt behandelt, wie Amazon Watchblog berichtet. 

Eine Zusammenfassung über die Vor- und Nachteile kleinerer Marktplätze wie Otto, Real und Hood kann man hier nachlesen.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Markus Gärtner

Kommentare  

#3 Thorsten 2020-04-01 23:56
Bei uns hat Amazon nur zusätzliche Hürden aufgestellt, wie z.B. die Verlängerung der Widerrufsfrist.
Eine ernsthafte Hilfe als Schutzmaßnahme wäre z.B. Händler und Kunden zu informieren, dass Retouren mindestens 3 Tage (Inkubationszei t) unberührt liegen bleiben, bis diese bearbeitet werden können.
Einstiegsrabatte kann man als Kundenfang bezeichnen. Diese sind schäbig, weil man hier von der Krise profitieren will. Das als Hilfe zur Corona-Krise zu bezeichnen empfinde ich als Frechheit.
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#2 Harry 2020-04-01 17:00
Es gibt bei eBay auch Händler, die einen starken Einbruch der Verkaufszahlen zu verzeichnen haben. Es wäre doch eine nette Geste von eBay, wenn man diesen Händlern einen Teil der Shop-Gebühren erlassen würde.
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#1 Alex 2020-04-01 14:19
Amazon und Händlern helfen ??? Ok, war vermutlich als Aprilscherz gedacht, anders kann ich mir die Erwähnung von Amazon im Zusammenhang mit Hilfe für Händler nicht erklären. Man hat diesen Verein viel zu gewähren lassen. Wird höchste Zeit das zu ändern !
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