Teilen Teilen Kommentare Drucken
Hohe Investitionen

Steuerzahlung: Amazon nennt erstmals Zahlen für Deutschland

Veröffentlicht: 03.07.2020 | Autor: Melvin Louis Dreyer | Letzte Aktualisierung: 03.07.2020
Amazon Schriftzug

Gibt ein Unternehmen Unternehmenszahlen bekannt, lässt sich daraus teilweise eine Menge ableiten. Das gilt auch für Steuerzahlungen. Marktplatz und Online-Händler Amazon hat sich mit Angaben zu seinen in Deutschland gezahlten Steuern bislang stets zurückgehalten. Nun wurde auf dem Unternehmensblog jedoch bekannt gegeben, welche Summe geflossen ist – für das Jahr 2019. 

Amazon nennt Höhe von Steuern und Sozialabgaben

In dem Jahr, so das Unternehmen, habe man Umsätze in Höhe von 19,9 Milliarden Euro, umgerechnet 22,323 Milliarden US-Dollar, erzielt. Die direkt anfallenden Steuern sollen sich dabei auf insgesamt 261 Millionen Euro belaufen haben. Zu diesen direkten Steuern, die das Unternehmen selbst zahlt, gehören etwa die Körperschaftsteuer, die Gewerbesteuer, der Solidaritätszuschlag und Einfuhrzölle. Allerdings: Amazon weist darauf hin, dass auch Beiträge zur Sozialversicherung in diesem Betrag enthalten seien, diese Arbeitgeberbeträge hätten zudem den größten Anteil an der Summe. 

Wie viele Steuern Amazon hier also konkret in Deutschland gezahlt hat, lässt sich so nicht einfach herausfinden. Dazu hätte wohl der Anteil der Sozialbeiträge genannt werden müssen. Auch muss berücksichtigt werden, dass Amazon viel investiert, womit die Gewinne und auch die Steuerlast sinken. Selbst wenn das Unternehmen wachse und hohe Umsätze erziele, seien die operativen Gewinne relativ gering, teilt Amazon mit. „Das liegt am Preisdruck in einem wettbewerbsintensiven Markt, permanenten Investitionen und steigenden Betriebskosten, die auch auf eine wachsende Belegschaft zurückzuführen sind“, schreibt Amazon. 

Daneben macht das Unternehmen auch Angaben zu indirekten Steuern – also jenen, die das Unternehmen lediglich von Dritten an den Fiskus weiterreicht. Das sind beispielsweise die Mehrwertsteuer, aber auch Steuerzahlungen von Mitarbeitern, also die Lohnsteuer. Diese würden sich auf weitere 1,4 Milliarden Euro belaufen, die anlässlich der Tätigkeit in Deutschland abgeführt wurden. 

Über den Autor

Melvin Louis Dreyer Experte für IT- und Verbraucherrecht

Melvin ist seit Mitte 2018 Teil des juristischen Redaktionsteams. Er hat schon während seines Rechtswissenschaft-Studiums leidenschaftlich gerne Beiträge verfasst und Fachwissen vermittelt. Jetzt berichtet er als Redakteur regelmäßig zu rechtlichen Neuigkeiten und Fragestellungen in der Welt des E-Commerce und verwirklicht damit nebenbei auch noch seine Interessen an Gesellschaft und Wirtschaft. 

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Melvin Louis Dreyer

Kommentare  

#5 Markus 2020-07-08 13:52
Ich bin verwundert, dass im Forum des Händlerbundes Personen posten, die offenbar keinerlei kaufmännische Kenntnis haben.
Also ich habe vergangenes Jahr bei 140.000 Umsatz 11.000 Verlust erwirtschaftet, weil die Marge sehr gering war, die Personalkosten stiegen und ich einen hohen Betrag in ein neues Shopsystem und Werbung gesteckt habe. Bin ich jetzt ein Steuerhinterzie her oder ein unfähiger Geschäftsmann?
Wenn Amazon 261 Mio im Jahr an den Staat abführt ist das völlig ok. Und die Infrastruktur wird zu einem großen Teil über KfZ Steuern finanziert, diese zahlen all die Transportuntern ehmen und Kuriere doch mit, oder hat Merzweil da andere Informationen?
Zitieren
#4 Laura Hernfeld 2020-07-03 14:58
Mich hat die Zahl positiv überrascht. Nach weitverbreitete r Polemik zahlt Amazon ja bekanntlich "Null" Steuern. Nur zur Info: Steuern werden auf den Gewinn gezahlt, nicht auf dem Umsatz. Der zu erwartende Aufschrei mit den 1% geht daher an der Sache vorbei. Und was soll illegitim daran sein, auch auf Sozialabgaben hinzuweisen? Auch das sind Zahlungen, die direkt an den Staat gehen und an die Arbeitnehmer (und nicht nur die von Amazon) zurückfließen. Aber es ist halt befriedigend, auf ein altes Feindbild immer wieder draufzuhauen, da muss man sich von ein paar lästigen Fakten nicht irritieren lassen. Und ja, ich geb's zu: Ich bin Prime-Kundin. Finde auch nicht alles toll, was dieses Unternehmen so fabriziert, aber man darf sich mit seiner Kritik schon etwas Mühe geben, wenn man sich denn bemüßigt fühlt, sie öffentlich zu äußern.
Zitieren
#3 Denis 2020-07-03 10:14
Also zahlt Amazon in Deutschland etwas mehr als 1% Steuern für Körperschaftste uer,Gewerbesteu er, Solidaritätszus chlag, Einfuhrzölle und Sozialbeiträge? Ich fühle mich als kleiner Händler in diesem Land zunehmend verarscht!
Zitieren
#2 Merzweil 2020-07-03 09:31
Interessant, wenn man bedenkt das dies incl.Arbeitgebe rbeiträge zu SV mit enthalten sind schätze ich die realen Steuern die Amazon zahlt unter 1% am Umsatz in D,einfach beschäment das hier die Politik nicht eingreift. Amazon nutzt unsere Infrastuktur die wiederum vom deutschem Steuerzahler finanziert wird.Das ist Raubtierkapitra lismus in reinster Form und hat nichts mit sozialer Marktwirtschaft zu tun und liefert den "Vergesellschaf tern" vor Steilvorlagen.
Zitieren
#1 Mark Heinrich 2020-07-03 08:56
Schön zu sehen wie die Manager bei Amazon hier die Arbeitgeber-Ant eile zur Sozialversicher ung bzw. LSt-Abgaben der Arbeitnehmer in "Steuern" reinpacken . Die tatsächlich bezahlten Steuern dürften minimal sein. Mich würde interessieren wie solche Traum-Zahlen bei deutschen AGs aussehen würden - wohlmöglich zahlen Mercedes&Co 30-50% Steuern ...
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.