Der frühe Vogel

Betrug im Vendoren-Programm: Vier Brüder bringen Amazon um 19 Millionen Dollar

Veröffentlicht: 24.08.2020 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 25.08.2020
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Amazon arbeitet seit Jahren daran, Produktfälschungen und anderen Arten von Kriminalität auf seinem Online-Marktplatz Einhalt zu gebieten. Doch auch der Riese selbst ist nicht vor Betrug gefeit: In den USA wurden beispielsweise in der vergangenen Woche vier Brüder festgenommen, denen Rechnungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen wird. Konkret sollen sie Amazon über einen Zeitraum von zwei Jahren und mithilfe eines ausgefeilten Systems um insgesamt 19 Millionen Dollar betrogen haben. 

„Overshipping“ nennt sich die dabei zur Anwendung gekommene Betrugsart, die durch das Vendoren-Programm möglich geworden sei, bei dem die Händler also ihre Waren direkt an Amazon verkaufen, schreibt t3n mit Verweis auf Wired. Der Grundgedanke dabei war: Die Brüder stellten Amazon mehr Produkte in Rechnung als sie tatsächlich lieferten bzw. als Amazon überhaupt bestellt hatte.

„Im Falle der Brüder bestellte Amazon etwa zwölf Kanister Desinfektionsspray zum Preis von 94,03 Dollar. Die Betrüger schickten Amazon stattdessen 7.000 Zahnbürsten, für die sie jeweils 94,03 Dollar verlangten. Dabei verwendeten sie die Asin für das Spray – später stellten sie Amazon 650.000 Dollar in Rechnung“, wird die Vorgehensweise beschrieben. Immer wieder hätten die Beschuldigten etwa bei einer Bestellmenge von 100 Produkten durch Amazon etwa 10.000 Produkte geschickt und dann in Rechnung gestellt. Alles in allem sei Amazon durch diese Betrugsmasche um 19 Millionen Dollar gebracht worden. Selbst als Amazon den Betrug später aufdeckte, hätten die Brüder unter neuen Angaben und mithilfe von VPN neue Vendor-Konten erstellt, um weitermachen zu können.

Maßgeblich beteiligt an dieser Verhaftung sei nach Angaben von t3n auch die sogenannte Counterfeit-Crimes-Unit, eine spezielle Einheit, die Amazon kürzlich gegründet hatte und in deren Rahmen Bundesanwälte und Ex-Ermittler Betrug auf dem Marktplatz aufspüren sollen.

TikTok will US-Präsident Donald Trump verklagen

Die Macher hinter der chinesischen Video-App TikTok haben angekündigt, in Kürze Klage gegen die US-Regierung einzureichen. Hintergrund dieser Ankündigung ist ein aktueller Erlass, den der US-Präsident Donald Trump aus der Taufe gehoben hatte. Der Erlass soll ein baldiges Verbot von TikTok – schon ab Mitte September – erwirken, zumindest unter der Voraussetzung, dass „der chinesische Mutterkonzern Bytedance die Plattform bis dahin nicht verkauft“, berichtet Spiegel Online. Darüber hinaus will die Regierung unter Zuhilfenahme eines weiteren Dekrets sicherstellen, dass US-Bürgern in einer Frist von 45 Tagen all ihre geschäftlichen Beziehungen zu Bytedance beenden.

Die Klage richtet sich also gegen dieses Vorgehen von Trump. Wie weiter berichtet wird, soll im Zuge der rechtlichen Schritte sichergestellt werden, dass „das Recht nicht weggeworfen wird und unsere Firma und Nutzer fair behandelt werden“, wird TikTok zitiert. Kritisiert wird vor allem auch, dass sich die Regierung nicht auf Fakten stütze und sich in Verhandlungen privater Unternehmen einmische.

Wirecard: Es gibt erste Käufer für Unternehmensteile

Das Schicksal des einst so gehypten Zahlungsdienstes Wirecard scheint besiegelt: Die Zerlegung des Unternehmens habe begonnen, da sich bereits erste Käufer für einige Konzernteile gefunden hätten, informiert das Manager Magazin. So soll unter anderem die britische Tochter Wirecard Card Solutions (WCS) an das Fintech-StartUp Railsbank verkauft werden. Die beiden Parteien seien grundsätzlich zu einer Einigung über den Verkauf gekommen, habe der zuständige Insolvenzverwalter Michael Jaffé am vergangenen Freitag bestätigt. Weitere Einzelheiten seien nicht bekannt. Darüber hinaus sei auch die brasilianische Wirecard-Tochter fündig geworden: Käufer ist der E-Commerce-Dienst PagSeguro. Für das US-Geschäft werden demnach bereits in Kürze „bindenden Gebote“ erwartet.

Über die Autorin

Tina Plewinski
Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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Kommentare  

#4 Redaktion 2020-08-25 08:32
Liebe Leser,

vielen Dank für Ihr Feedback. Wir freuen uns immer über konstruktive Kommentare!

Im vorliegenden Fall des vermeintlichen Amazon-Betrugs gilt Wired als Originalquelle. Das Portal bezieht sich im Rahmen der Berichterstattu ng direkt auf die Klageschrift, in der die beschriebenen Vendor-Prozesse noch einmal näher beleuchtet werden.

Einen Einblick in die Dokumente des Gerichts können Sie an dieser Stelle vornehmen:
https://www.justice.gov/usao-sdny/press-release/file/1306376/download

Wir hoffen, das klärt Ihre Fragen.

Herzliche Grüße
Die Redaktion
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#3 Mandy Kirmse 2020-08-24 15:01
Den Artikel "Betrug am Vendor Programm" stelle ich absolut in Frage. Die Informationen sind falsch.
1. Erkennt Amazon Fehlmengen sofort und zieht diese vom Betrag ab.
2. Man kann als Vendor keine Rechnung in diesem Sinne an Amazon senden und die Bezahlung anfordern. Denn Amazon erstellt selbst den Auszahlungsbetr ag abzgl. Konditionen.

Das war auch vor Jahren nicht anders.

Viele Grüße
Mandy Kirmse,
TEAM Individuell,
Amazon Vendor Betreuerin seit 2010
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#2 Hotte 2020-08-24 09:23
Moin. Sicher, dass der Amazon-Betrug im Vendor-Programm stattfand? Was Amazon nicht bestellt, bezahlt Amazon dort auch nicht. Und selbst ein Vendor-Konto eröffnen ist nicht möglich, man wird eingeladen. Das wird im Seller-Modell gelaufen sein, auch da lassen sich ASINs nachträglich verändern und Mehrmengen ganz einfach melden - die erstattet Amazon dann normalerweise umgehend.
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#1 Horst Toeffels 2020-08-24 08:06
da sollte Amazon den 4 Brüdern noch was zahlen, denn es zeigt deutlich, was passiert, wenn man nur Unwissende beschäftigt, die rein nach dem Scan gehen und nicht erkennen, dass es Zahnbürsten sind, wenn es Kühlschränke sein sollen - und der zuständige Einkäufer sollte irgendwas Esoterisches machen ...
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