Tipps für Händler

Amazon macht sich bereit für den Start in Polen

Veröffentlicht: 29.01.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 30.01.2021
Amazon-Lager in Polen

Amazon nimmt sich den nächsten Markt vor und wird bald auch in Polen einen eigenen länderspezifischen Online-Marktplatz starten, wie tamebay berichtet. Bisher konnten polnische Kunden bereits über den deutschen Marktplatz einkaufen. 

Die Amazon-Händler wurden im Seller Central bereits informiert: „Wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass die Vorbereitungen für den neuen polnischen Amazon.pl-Shop laufen. Wir wollen die Kunden vor Ort begeistern und Verkaufspartnern die Möglichkeit geben, ihr Geschäft in Europa noch weiter auszubauen. Seller Central Polen steht Ihnen jetzt als neue Landesoption in Ihrem EU-Verkäuferkonto zur Verfügung.“ Neue Amazon-Händler können sich auch über diese Seite registrieren. 

Darum launcht Amazon einen eigenen Marktplatz in Polen

Amazon-Experte Gerrit Heinemann hat diesen Schritt in einer Analyse von Amazons internationaler Strategie bereits prognostiziert. „Im Grunde ist dieser Start ja gar keiner, denn es gibt ja jetzt schon nennenswerte Cross-border-Umsätze“, erklärt er. „Das war ja auch der Grund für Amazon, mit einer eigenen Webseite in eigener Sprache an den Start zu gehen. Und eine eigene Gesellschaft für Polen wird auch bald folgen, das is so sicher wie das Amen in der Kirche.“ In Sachen Logistik ist der E-Commerce-Riese schon längst präsent: Amazon betreibt in Polen bereits neun Fulfillment-Standorte mit rund 18.000 festangestellten Mitarbeitern – mehr als in Deutschland. „Sicherlich wird der Prime-Standard für Bestellungen mit den direkt verfügbaren Amazon-Warenlagern schneller zu halten sein, als beim Markteintritt in den Niederlanden und Schweden“, erklärt André Schell, Experte für europäische Marktplätze von Marketsupply.

Der polnische E-Commerce-Markt konnte in den vergangenen Jahren ein relativ gutes Wachstum verzeichnen, hinzu kommt eine im Schnitt junge rund 40 Millionen große Bevölkerung – also gute Bedingungen für große Umsätze im Online-Handel. Doch mit Allegro gibt es in Polen bereits einen Online-Marktplatz, der den E-Commerce dominiert – noch. Marktführer Allegro hat nach eigenen Angaben rund 100.000 kleine Händler und rund zwölf Millionen aktive Kunden. „Allegro ist derzeit für rund 40 Pozent des polnischen E-Commerce-Umsatzes verantwortlich. Wie sehr der Platzhirsch sein Klientel versteht, wird im Erfolg des Food-Geschäfts ersichtlich. Hier erwirtschaftet Allegro bereits Gewinne, während der vielversprechende Sektor für andere Anbieter noch immer ein Verlustgeschäft ist“, weiß Schell. Nach Amazons Ankündigung sank die seit Oktober an der polnischen Börse gehandelte Allegro-Aktie allerdings um sieben Prozent.

Darauf sollten Online-Händler beim Start von Amazon Polen achten

Auch für deutsche Anbieter bieten sich durch den Start des Polen-Marktplatzes einige Chancen: Deutsche Online-Händler könnten ihre Cross-border-Umsätze deutlich steigern, schätzt Heinemann. Insgesamt sei der Verkauf rechtlich unbedenklich. Möglicherweise sei die EU-Gesetzgebung aber noch nicht an allen Stellen zu 100 Prozent harmonisiert, vor allem bei Kundenbeschwerden bzw. Verbraucherrechten wie Retouren könne es Risiken geben. „Marktplatzhändler sollten ihre AGB prüfen und eventuell anpassen“, rät Heinemann. „Für alle aktiven Amazon-Händler, die durch das Pan-EU-Programm eventuell schon in Polen registriert sind, ist die Erweiterung sicherlich der perfekte Schritt in das vergleichsweise sprunghaft wachsende E-Commerce-Geschäft Osteuropas“, erklärt André Schell.

Wann Amazons neuer Marktplatz in Polen genau startet, ist noch nicht offiziell. Allerdings sollte sich der E-Commerce-Riese dabei besser anstellen als zuletzt beim eher missglückten Start in Schweden.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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