Ama-Zone

Amazons neuer Glas-Palast – ein Bau zwischen Genie und Wahnsinn?

Veröffentlicht: 17.02.2021 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 17.02.2021
Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Zwischen Genie und Wahnsinn

In der Reihe „Ama-Zone“ grübelt Tina Plewinski über die vielfältige Welt von Amazon: über Vor- und Nachteile des Online-Riesen, neue Entwicklungen, trendige Hypes, die unablässigen Machtbestrebungen des Konzerns und – im aktuellen Teil dieser Reihe – über das neue, außergewöhnliche Gebäude, das Amazon als zweites Hauptquartier errichten möchte.

Bescheidenheit und Zurückhaltung gehören in vielen Fällen nicht zu Amazons Stärken. Wem das noch nicht aufgefallen ist, der darf sich gern einmal die Konzepte für Amazons neues Hauptquartier anschauen. Die entsprechenden Entwürfe, die nun eingereicht wurden, geben detaillierte Einblicke, wie das Projekt aussehen soll. Und was soll man sagen: Es ist schlicht und ergreifend atemberaubend! 

Alles andere als ein steriler Bürokomplex

Der neue Amazon-Campus soll laut Aussagen des Konzerns ein Ort der Gemeinschaft werden. Ein Ort, an dem nicht nur zahlreiche Büros entstehen sollen, in denen die Mitarbeiter ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Es soll zugleich auch ein Ort werden, an dem Shop-Pavilions und Restaurants, eine Kindertagesstätte, ein Hundeauslauf oder beispielsweise ein Bereich für Food-Trucks Platz finden sollen. Selbst Raum für Gemeindetreffen oder Klassenprojekte ist dabei eingeplant. Und als wäre das nicht schon genug, wurde der eigentliche Ca­sus knack­sus noch gar nicht angesprochen: Ein riesiges, zentrales Gebäude aus Glas und Pflanzen – die sogenannte Helix.

Diese Helix ist, schon dem Namen nach ein riesiger futuristisch anmutender Wirbel. Ein Konglomerat aus Architektur und Flora. Hier werden die Gegensätze des kalten Glases mit der lebendigen, üppigen Fülle von Pflanzen, Gärten und Bäumen miteinander verwoben. Amazon verweist selbst darauf, dass die gut beleuchteten Räume darauf abzielen, „die Menschen der Natur näherzubringen“ sowie Wohlbefinden zu schaffen.

Absurd oder perfekt?

Im Netz und insbesondere beim Kurznachrichtendienst Twitter wurden die Entwürfe sehr unterschiedlich aufgenommen. Neben Erstaunen, Hochachtung und offenkundiger, fast sabbernder Bewunderung dieses architektonischen Geniestreichs fanden sich auch zahlreiche spöttische oder zumindest bissige Kommentare.

Ein User verband den Anblick beispielsweise mit einem Gefühl von einem Weihnachtsbaum. Eine andere Nutzerin bezeichnete das Gebäude als „wunderschönen goldenen Käfig“. Ein Dritter vermutete, dass die Architekten in der Vergangenheit wohl zu oft das Videospiel SimCity2000 gespielt hätten – ein Kult gewordener Simulator bei dem es darum geht, Städte zu errichten. Ist die Helix also doch eher eine Ausgeburt des Wahnsinns?

Die Frage nach dem Hochmut Amazons

Besonders faszinierend fand ich jedoch den Vergleich des neuen Amazon-Gebäudes mit dem berühmten Turm zu Babel: Der biblische Turm wurde nach christlichem Glauben von Menschenhand gebaut und sollte mit seiner Spitze den Himmel berühren. Dieses Vorhaben wird mit dem Hochmut der Menschen gleichgesetzt. Es sei ein Versuch der Menschen gewesen, gottgleich zu werden. 

Lässt man den religiösen Ansatz dabei mal bei Seite: Zeugt es wirklich vom Stolz oder der Überheblichkeit Amazons, sich mit einem solchen Bauwerk quasi ein Denkmal zu setzen? Irgendwie schon. Und natürlich verewigt sich Amazon mit dem protzigen Projekt nicht nur in der städtischen Architektur von Arlington, sondern schafft zugleich ein Bauwerk, das weltweit Bewunderung hervorrufen dürfte. Die Helix ist definitiv ein Statement, das der Macht, der Potenz und der Innovationskraft des Konzerns Ausdruck verleiht und das Ego der Amazon-Führungsriege bauchpinselt.

Aber ist es nicht gerade auch die Aufgaben eben jener führenden Konzerne der Welt, Neues und Ungeahntes zu schaffen? Wer sonst wäre in der Lage, ein solches Projekt zu kreieren und tatsächlich auch in die Tat umzusetzen? Sicher die wenigsten Unternehmen! Und wenn ein Unternehmen die Ressourcen und das Vermögen hat, die Zukunft positiv zu gestalten, eine Vorreiterrolle einzunehmen und Verblüffendes zu schaffen, dann sollte es dies meines Erachtens auch tun. Die Welt braucht Visionäre und Dinge, die uns staunen und träumen lassen!

Über die Autorin

Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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