Teststädte u. a. Chemnitz, Nürnberg, Potsdam

Ebay startet Lokal-Marktplatz-Initiative „Deine Stadt“

Veröffentlicht: 14.04.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 14.04.2021
Ebay Deine Stadt

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Was schon Goethe forderte, will jetzt auch Ebay in Deutschland umsetzen. Das Unternehmen startet zusammen mit dem Handelsverband HDE „Deine Stadt“ – ein Programm zur Errichtung lokaler Online-Marktplätze in verschiedenen Städten, wie Ebay in einem Pressegespräch und auch online miteilte. Die Initiative richtet sich dabei sowohl an bestehende Online-Händler als auch Händler, die in den E-Commerce einsteigen wollen.

Ebay-Lokalmarktplätze in Chemnitz, Lübeck, Mönchengladbach, Nürnberg, Potsdam

Zum Start sind diese zehn Städte bzw. Kommunen dabei: Chemnitz, Lübeck, Mönchengladbach, Nürnberg, Potsdam, Gummersbach, Diepholz, Bad Kreuznach, Moers und Ortenau. Mit rund hundert weiteren Städten befinde man sich im Gespräch, so Ebay-Deutschlandchef Oliver Klinck. 

Die Städte können eigene Online-Marktplätze mit lokalen Händlern erstellen, in diesen finden sich unter anderem „beliebte Angebote“, eine Google-Maps-Funktion zeigt die Händler im jeweiligen Gebiet, außerdem werden einzelne Shops in Schaufenstern vorgestellt. Das jeweilige Sortiment ist außerdem auch auf dem „normalen“ Ebay-Marktplatz zu finden.

Klinck nennt das Projekt eine „Win-Win-Win-Situation“ für Städte, Händler und natürlich auch Ebay. Städte können ihren ansässigen Händlern einen einfachen Start in den E-Commerce und neue Kundengruppen bieten, Händler sollen mehr Online-Reichweite und so auch Sichtbarkeit für ihre stationären Läden erhalten. Rund 50 Prozent der Ebay-Händler haben auch ein Ladengeschäft, betont Klinck. Ebay könne mit „Deine Stadt“ das Warenangebot auf der Plattform erweitern und werde für lokale Händler attraktiver.

Sorgenkind Lokal-Marktplatz: Ebay-Deutschlandchef Klinck hofft auf junge Kunden und Heimatgefühl

Ebay investiert laut Klinck eine „hohe sechsstellige Summe“ in die Lokal-Marktplatz-Initiative und will außerdem eine umfassende PR-Kampagne unter dem Motto „Die große Heimat kleiner Händler“ starten. Das dürfte auch nötig sein – denn lokale Marktplätze gelten in der E-Commerce-Branche aus vielerlei Gründen noch als Sorgenkinder, wie wir in einem eigenen Beitrag beschreiben. So fehle dort oft etwa die gewohnt große Auswahl wie bei Amazon und Co.

Ebay-Deutschlandchef Klinck kennt das Problem und verweist zum Start auf immerhin rund 5.000 gewerbliche Händler und über 2,5 Millionen Angebote in den zehn Teststädten. Außerdem hofft er vor allem auf junge Shopper, bei denen der Aspekt Lokalpatriotismus – wie teils auch Umfragen bestätigen – hoch im Kurs steht. „Handel ist ein Kulturgut und für viele Menschen sind ihre regionalen Händlerinnen und Händler ein Stück Heimat“, sagt Klinck. Konkrete Zielvorgaben für „Deine Stadt“ gebe es nicht, sagt Oliver Klinck auf Nachfrage. 

So können Städte und Händler bei Ebay „Deine Stadt“ teilnehmen

Städte, die teilnehmen wollen, zahlen eine Startgebühr von 5000 Euro, dann jeweils 500 Euro pro Monat. Kommunen, die im ersten Halbjahr in das Ebay-Projekt einsteigen, müssen diese Gebühren nicht zahlen. Außerdem will Ebay die drei engagiertesten Städte mit dem Preis „Lokaler Handel Award 2021“ auszeichnen. 

Händler, die bei Ebays „Deine Stadt“ mitmachen wollen, brauchen ein gewerbliches Ebay-Konto und ein Listing ihrer Produkte. Sie nehmen über die Initiative automatisch auch am Ebay-Durchstarter-Programm teil, zahlen für dieses drei Monate keine Verkaufsprovision und erhalten so für ein halbes Jahr kostenlosen Ebay-Premium-Kundenservice, die Option Premium-Shop und individuelle Beratung.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#1 Peter St. 2021-04-15 09:48
Klingt für mich danach, dass Ebay jetzt das Geld aus den kleinen Händlern rausziehen und ein wenig vom Glanz der "shop local"-Mentalit ät abhaben will.
Weil sie als großer E-Commercehändl er immer unattraktiver werden, weil sie den deutschen Markt mit mangehafter Chinaware geflutet haben.
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