Bilanz

Wish: Billigmarktplatz verliert massiv Kunden und Umsätze 

Veröffentlicht: 11.08.2022 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 11.08.2022
Wish-Logo auf Smartphone

Das US-amerikanische E-Commerce-Unternehmen bietet Waren zum Schnäppchenpreis – auch hierzulande. Doch das Geschäft läuft offenbar immer schlechter. Wie Wish jetzt bekannt gab, gingen die Gesamtumsätze im 2. Quartal drastisch zurück – um 80 Prozent auf 134 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum wurden noch Erlöse von 656 Millionen Dollar erzielt. Im ersten Halbjahr ergibt sich damit 77 Prozent weniger Umsatz – und dabei lief es auch schon im selben Zeitraum 2021 nicht rosig.

Unterm Strich weist das Unternehmen einen Verlust von 90 Millionen Dollar aus – dieser habe sich im Vergleich zu 2021 aber um 19 Prozent verbessert. Die laufenden Betriebskosten des Unternehmens betragen indes 133 Millionen US-Dollar – und damit kaum weniger, als an Umsatz erzielt wurde.

Günstige Waren aus Fernost? – Geschäftsmodell fraglich

Wish-CEO Vijay Talwa führt die aktuellen Ergebnisse auf Veränderungen in den eigenen Geschäftsprozessen zurück: „Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Transformation unseres Geschäfts und haben bereits einige signifikante Verbesserungen in Bezug auf das Kundenerlebnis, die Lieferzeiten und den Kundenservice vorgenommen, die zu einem Anstieg der NPS-Werte [Net Promoter Score – Kennzahl zur Kundenzufriedenheit, Anm. d. Red.] und niedrigeren Produktrückerstattungsraten geführt haben.“

Allerdings könnte auch die EU-Umsatzsteuer-Reform Auswirkungen auf die aktuelle Geschäftsentwicklung gehabt haben: Durch den Wegfall der 22-Euro-Freigrenze ging ein wesentlicher Vorteil der vermeintlich günstigen Produkte verloren. So muss seit dem 1. Juli 2021 auf sämtliche Waren, die in die EU – beispielsweise aus China – eingeführt werden, Umsatzsteuer gezahlt werden. Zuvor waren viele der auf Wish verkauften Produkte von der Steuer ausgenommen, nun wurden die günstigen Produkte aus Fernost jedoch auf einmal teurer – und stellen das Geschäftsmodell infrage, kommentiert die Internetworld zur Bilanz. Demnach soll sich auch die Anzahl der aktiven Kunden mehr als halbiert haben. Hinzu kommt außerdem, dass die Paketdienste hierzulande in der Regel pauschal Gebühren für die Zollabwicklung berechnen – was die Ware nochmals verteuert.

Wish bleibt zuversichtlich

Für das dritte Quartal erwartet Wish einen Verlust von 110 bis 130 Millionen US-Dollar – und hält an der Wachstumsstrategie fest: „Wir sind zwar nicht immun gegen Veränderungen im Konsumverhalten der Verbraucher aufgrund makroökonomischer Faktoren, die unsere beschleunigten Wachstumspläne für die zweite Jahreshälfte 2022 behindern könnten, aber wir sind zuversichtlich, dass wir mit unseren spannenden neuen Initiativen wie dem Rebranding von Wish und dem Relaunch von Women's Fashion vorankommen“, so Unternehmenschef Talwa.

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Über die Autorin

Hanna Behn
Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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