Der frühe Vogel

Händler verklagen Amazon – Konzern soll Daten kleiner Seller missbrauchen (Update)

Veröffentlicht: 10.06.2024 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 10.06.2024
Logo des Online-Riesen Amazon: Der Konzern sieht sich erneut einer Klage von Händlern entgegen

Guten Morgen!
Das sind die wichtigsten Branchenthemen zum Ende der Woche:

  • Amazon sieht sich einer Klage eigener Seller ausgesetzt
  • Entlassungen und Standortschließungen bei Pelikan
  • Das Sterben der Apotheken geht weiter

 

Amazon hat erneut juristischen Ärger: In Großbritannien streben Seller des Online-Marktplatzes eine 1,2 Milliarden Euro schwere Sammelklage an. Diese soll bereits am Donnerstag von der britischen Organisation BIRA (British Independent Retailers Association) im Namen von insgesamt 35.000 Einzelhändlerinnen und -händlern an einem Londoner Gericht eingereicht worden sein. Bei BIRA handelt es sich um einen Dachverband, der sich für die Förderung und den Schutz seine Mitglieder aus den Sektoren Einzelhandel, Gastgewerbe und Dienstleistungen einsetzt.

Im Rahmen der Sammelklage wird Amazon der Missbrauch interner Seller-Daten vorgeworfen, um eigene Gewinne zu steigern und seine Marktanteile auszubauen. Konkret habe das Unternehmen demnach nicht-öffentliche Daten von Verkäuferinnen und Verkäufern dazu genutzt, „um billigere Konkurrenzprodukte direkt an die Verbraucher zu verkaufen“, berichtet Reuters. – Solche Vorwürfe sind grundsätzlich nicht neu und wurden in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den Konzern laut.

Laut Andrew Goodacre, Geschäftsführer von BIRA, hätten viele Online-Unternehmen gar keine andere Wahl als Amazons Marktplatz zu nutzen, weil er Branchen-Playern eine enorme Reichweite biete. Mithilfe der Klage solle nun allerdings verhindert werden, dass sie von Amazon aus dem Geschäft gedrängt würden. Auch die Zahlung einer Entschädigung werde mit der Klage forciert.

Neben dem Missbrauch interner Seller-Daten rückt BIRA auch andere Geschäftspraktiken von Amazon in den Blick: etwa die bekannte „Buy Box“, also das Warenkorbfeld auf den Produktseiten von Amazon. Diese Funktion soll Amazon den Vorwürfen zufolge „zu seinem eigenen Vorteil manipuliert“ haben, heißt es weiter. Diese Praxis werde im Zuge einer separaten Klage verhandelt, die ebenfalls eine Milliarde Euro schwer ist und sich für die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher starkmacht.

Amazon hält Klage für unbegründet (Update vom 10.06.2024)

Mittlerweile hat auch Amazon selbst auf die Klage seiner Händlerinnen und Händler reagiert. Eine Firmensprecherin kommentierte: „Wir haben diese Klage nicht gesehen, aber aufgrund der bisherigen Berichterstattung sind wir zuversichtlich, dass sie unbegründet ist und dass dies im Rahmen des Gerichtsverfahrens aufgedeckt werden wird. Mehr als 100.000 kleine und mittelständische Unternehmen in Großbritannien verkaufen über Amazon, mehr als die Hälfte aller physischen Produktverkäufe auf unserer britischen Plattform stammen von unabhängigen Vertriebspartnern, und Tatsache ist, dass wir nur erfolgreich sind, wenn die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, erfolgreich sind.“

Entlassungen und Standortschließungen bei Pelikan

Die Übernahme durch den französischen Konkurrenten Hamelin hat für den deutschen Schreibwarenhersteller Pelikan massive Folgen: Das Unternehmen wird nach Angaben der Wirtschaftswoche die Hälfte seiner Stellen streichen, betroffen seien demnach 250 Arbeitsplätze. 

Neben den personellen Einschnitten wird es auch mit Blick auf die vorhandenen Standorte Änderungen geben: Der Betrieb der Pelikan Vertriebsgesellschaft werde zum Ende des Jahres eingestellt und die beiden Standorte Hannover und Falkensee sollen schließen. Aufatmen können hingegen die 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am niedersächsischen Produktionsstandort in Peine. Das Werk solle erhalten bleiben.

Das Sterben der Apotheken geht weiter

Der stationäre Apothekenhandel kämpft mit einer fortschreitenden Zahl an Schließungen. „Pro Tag verschwindet mehr als eine Apotheke vom Markt, die genaue Zahl ist 1,36“, wird Mark Böhm, Vorstandsmitglied des Apothekendienstleisters Noventi, von der WirtschaftsWoche zitiert. „2023 gab es nur noch 17.571 Apotheken in Deutschland.“ 

Allein im vergangenen Jahr hätten laut der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (Abda) rund 500 Apotheken in Deutschland ihre Pforten geschlossen. In diesem Jahr seien bisher nochmals 142 Schließungen hinzugekommen. Als Maßnahme werden finanzielle Anreize gefordert: „Der Apothekerverband und die Apothekengewerkschaft Adexa fordern eine spürbare Anhebung des seit 2013 nicht mehr erhöhten Honorars von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Arzneimittel“, heißt es weiter.

Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag wurde nach Veröffentlichung um ein Statement von Amazon ergänzt.

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Über die Autorin

Tina Plewinski
Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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Kommentare  

#4 Michi 2024-06-11 15:10
Man hat da gegen Amazon keine Chance, ich wurde da vor ca. 10 Jahren von einem Konkurrenten abgemahnt wegen fehlenden Grundpreis. der wurde nachdem ich aus der Buy-Box flog nicht mehr angezeigt obwohl von uns hochgeladen und das wars dann... das ging wegen eines 19,90,-€ Produktes bis zum Oberlandesgeric ht. Statement des Richters: Wer Produkte einstellt ist dafür verantwortlich das der Grundpreis angezeigt wird und muss das überprüfen.

OK dacht ich, 3000 Produkte 24h am Tag permanent auf mehreren Plattfromen überprüfen- für einen OL- Richter kein Problem- für einen normalen Menschen wie mich schon - und habe alle Grundpreisprodu kte aus allen Plattformen gelöscht- die einzige rechtssichere Variante. Gekostet hat das ganze weit über 5000€ Gerichts- und Anwaltskosten.. .
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#3 Luis Umberto 2024-06-11 14:21
Mich wundert, dass es keine Klagen gegen:
die mehr als fragwürdige Buy-Box mit allen Unverständlichk eiten
Nichtzulassen bzw. Unterdrückung von Konkurrenzangeboten
etc. gibt
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#2 Michi 2024-06-07 09:09
Das ist doch nun wirklich nichts neues, bei uns hat Amazon schon vor über zehn Jahren, als wir bei denen noch verkauft haben, die gut laufenden Produkte analysiert und sich dann direkt vom Hersteller beliefern lassen, natürlich zu nicht zu unterbietenden Konditionen... Wer bei denen noch verkauft unterstützt den eigenen Totengräber.
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#1 K.I. 2024-06-07 08:56
Meinung: Amazon wird wieder das Unschuldslamm spielen und das arme Opfer!
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