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Wie aus einem Makel eine Art Gütesiegel wurde – und wie man richtig damit wirbt

Das Prädikat „Made in Germany“

Veröffentlicht: 05.06.2019 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 05.06.2019
Deutschlandfahne

Der Begriff „Made in Germany“ hat eine lange Tradition. Viele deutsche Hersteller vermarkten ihre Produkte mit Stolz unter diesem Banner – und können damit auch im Ausland viele Kunden überzeugen. Nicht umsonst, denn kein anderer Staat auf der Welt scheint mit Produkten aus dem eigenen Land so gut bei den Verbrauchern anzukommen wie Deutschland. Dennoch sollten Unternehmen mit einer entsprechenden Bezeichnung nicht sorglos werben – denn es gibt dabei auch rechtliche Fallstricke!

Ob Waschmaschinen von Bosch, Uhren von Glashütte Original, Werkzeuge von Würth oder Backformen von Dr. Oetker: Viele Unternehmen werben für ihr Sortiment – oder zumindest einige Produkte – mit dem Label „Made in Germany“. Und das hat auch seinen Grund: Denn die Herkunftsbezeichnung gilt als Aushängeschild – nicht nur hierzulande, sondern weit über die Ländergrenzen hinaus und quasi auch am anderen Ende der Welt.

Kein anderes Land genießt einen so hohen Status

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Wie weit das Vertrauen in deutsche Produkte geht, die unter diesem Label hergestellt und vertrieben werden, zeigt auch ein Blick auf den so genannten Made-In-Country-Index. Dieser gibt Auskunft darüber, wie Produkte weltweit wahrgenommen werden, die mit einer bestimmten Herkunftsbezeichnung versehen sind: Und im Rahmen dieses Rankings nahm Deutschland im Jahr 2017 den ersten Rang ein. Heißt: In keine anderen Produkte aus einem bestimmten Herkunftsland haben Verbraucher auf der ganzen Welt mehr Vertrauen als in Waren, die das „Made in Germany“-Label tragen.

Unter den Top 5 finden sich außerdem die Schweiz, die Europäische Union, Großbritannien und Schweden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass viele EU-Staaten im Ranking gut abschneiden. Die ersten außereuropäischen Länder sind Kanada auf Platz sechs, Japan auf Rang acht und die USA auf der zehnten Position. Bangladesh, China und Iran bilden hingegen mit 29, 28 und 27 von 100 möglichen Punkten die Schlusslichter.

Qualität, Technologie und Sicherheit – Das verbinden Menschen mit dem Label „Made in Germany“

Wenn Unternehmen mit „Made in Germany“ werben, dann wollen sie den Kunden gleich auf den ersten Blick zeigen, dass sie ganz besondere Produkte im Angebot haben. Viele Verbraucher wissen dann sofort, dass es sich um Erzeugnisse handelt, denen ein hoher Qualitätsstandard nachgesagt wird: gefertigt aus hochwertigen Materialien, sauber verarbeitet und langlebig. Die Einstufung als grundsätzlich „hochwertig“ ist aber doch recht vage – daher hat sich der Made-In-Country-Index nicht nur mit der Frage beschäftigt, welche Herkunftsländer bei Verbrauchern besonders hoch im Kurs stehen, sondern auch, welche Eigenschaften sie mit „Made in Germany“ verbinden.

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Die Statistik belegt die Einordnung des Labels als eindeutiges Qualitätsmerkmal: Jeder Zweite der rund 43.000 Befragten (49 Prozent) gab demnach an, mit Produkten aus Deutschland eine hohe Qualität zu verbinden. Mit 42 Prozent scheint der Aspekt der fortschrittlichen Technologie ebenso relevant zu sein wie die hohen Sicherheitsstandards, die mit Made-in-Germany-Produkten verbunden werden (32 Prozent).

Als weitere Faktoren werden noch ein exzellentes Design (30 Prozent), ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (22 Prozent), Authentizität (21 Prozent) sowie die Eigenschaft als Statussymbol (20 Prozent) genannt. Eine eher untergeordnete Rolle scheinen allerdings der Faktor der Einzigartigkeit, die Nachhaltigkeit und eine faire Produktion zu spielen.

„Made in Germany“ war als Abschreckung geplant

Während der deutsche Ländervermerk heutzutage großes Ansehen genießt, war das bei Weitem nicht immer so – denn er blickt auf eine kuriose Entstehung und Entwicklung zurück: Den Anfang nahm „Made in Germany“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und somit in einer Zeit, in der durch die einsetzende Industrialisierung auch die Exporte zunahmen. Deutsche Waren hatten damals einen eher schlechten Ruf – sie galten als qualitativ minderwertig.

Um europäische Verbraucher vor entsprechenden Produkten (aus Deutschland) zu schützen, wurden Richtlinien auf den Weg gebracht: Ende der 1880er Jahre beschloss das englische Parlament beispielsweise den sogenannten Merchandise Marks Act, nach dem auf Produkten zwingend das Herkunftsland vermerkt werden musste. Dies sollte verhindern, dass deutsche Hersteller die britischen Verbraucher über den Ursprung importierter Waren aus Deutschland täuschten. Zu Anfang der 1890er Jahre wurde dann außerdem das „Madrider Abkommen“ vereinbart, in dem die Unterdrückung falscher Herkunftsangaben auf Waren geregelt wurde. Hierbei handelte es sich um eine internationale Übereinkunft, die die Angabe der regionalen Herkunft auf Produkten grenzüberschreitend festlegen sollte. Entsprechende Vorschriften beim Import von Waren sollen die Verbraucher auch heute noch schützen.

Obgleich der „Made in Germany“-Vermerk also als Negativkennzeichnung angedacht war, wandte sich das Blatt: Denn viele Produkte aus Deutschland wurden mit zunehmend besserer Qualität gefertigt, sodass der vermeintliche Makel schon bald als Qualitätskennzeichnung galt.

Die rechtliche Krux mit „Made in Germany“

Nun stellt sich die Frage, wann genau ein Produkt mit der Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ versehen werden darf: Müssen dazu alle Bestandteile ausnahmslos aus Deutschland kommen? Oder darf die Zusammensetzung gemischter Herkunft sein? Und wie sieht es mit der Fertigung aus? Heutzutage sind schließlich die wenigsten Produkte von den verwendeten Ressourcen bis über alle herstellerischen Prozesse in einem einzigen Land verortet – eine internationale Arbeitsteilung bringt schließlich auch Vorteile mit sich. Doch gibt es einen festgelegten Prozentsatz an Arbeitsprozessen, die in Deutschland erfüllt werden müssen?

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Dieser Text ist ein Auszug aus dem aktuellen Onlinehändler Magazin Q2/2019. Im weiteren Verlauf des Artikels lesen Sie mehr zu rechtlichen Gegebenheiten rund um „Made in Germany“. Außerdem erklären wir, wo deutsche Hersteller das „Made in Germany“-Siegel herbekommen und geben Tipps zur Nutzung.

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Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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