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Testplattform für Produktinnovationen

Weekend-Supermarkt in Wien bietet Einkaufen zum Abo-Preis

Veröffentlicht: 09.08.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 09.08.2019
Supermarkt

Wer im Weekend-Supermarkt in der Liniengasse in Wien einkaufen möchte, muss nicht besonders tief in die Tasche greifen. Für 12,90 Euro pro Monat darf man sich aus dem Sortiment bedienen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um den nächsten Ein-Euro-Ramschladen, sondern um ein stationäres Abonnement-Konzept, um Produkte zu testen und StartUps und Online-Händlern eine Verkaufsfläche zu bieten. Die Initiative des österreichischen Weekend-Verlags wird von der EU gefördert. Im Sortiment finden sich namhafte Marken wie McCain, Procter & Gamble oder Dr. Oetker. Einen Haken gibt es allerdings: Zwar kann der Kunde zum monatlichen Abo-Preis so oft einkaufen, wie er möchte – pro Monat dürfen aber nur maximal 20 Artikel gekauft werden.

Beim Weekend-Supermarkt geht es letztlich um Datenanalysen. Die Testkäufer stellen dem Supermarkt ihre persönlichen Daten und Informationen zum Kaufverhalten zur Verfügung, sodass Marken, StartUps oder Online-Händler im realen Marktumfeld prüfen können, wie gut ihre Produkte ankommen. Hersteller bieten ihre Produkte für einen Testzeitraum von maximal drei Monaten an. Dort findet man die üblichen Supermarktprodukte: Getränke, Lebensmittel, Süßwaren, Reinigungsmittel etc. Insgesamt wurden seit dem Start im Oktober 2017 1.200 Artikel getestet, so Stores + Shops. Monatlich finden sich aktuell im Schnitt etwa 150 Artikel im Sortiment, der Ausbau auf 1.000 sei geplant.

Echter Wettbewerb, kein Bargeld

In einer eigenen Marktforschungsabteilung werden die Daten ausgewertet und den Partnern zur Verfügung gestellt. Diese können darüber die Markttauglichkeit neuer Produkte prüfen. Stores + Shops nennt ein Beispiel: Um zu prüfen, ob eine neue Tafelschokolade beim Kunden Anklang findet, wird sie für den Test im Weekend-Supermarkt zusammen mit Schokoladen von drei Marktführern auf einer sogenannten Verkaufsgondel angeboten. Über einen längeren Zeitraum lässt sich so testen, ob die Schokolade gegen die Konkurrenz bestehen kann. Die Mitbewerber können ebenfalls vom Test profitieren.

Bargeld-Zahlung gibt es im Supermarkt nicht. Da die Bezahlung über einen Einmal- bzw. Abo-Preis läuft, werden die Waren lediglich gescannt. Die Bonsumme beträgt „Null“. Testkäufer kämen im Schnitt etwa zweimal pro Monat und blieben 26 Minuten im Markt, der durchschnittliche Warenkorb betrage 68 Euro. Die 20 Artikel, die man frei einkaufen kann, entsprechen demnach einem Warenwert von etwa 110 bis 120 Euro. Für 12,90 Euro bekommt man also durchaus einiges zurück.

Kunde unter Beobachtung

Entsprechend groß sei die Nachfrage unter den Testkunden. Bis dato zähle der Weekend-Supermarkt 1.100 Mitglieder. 6.300 stehen auf einer Warteliste, 600 weitere sollen in Kürze aktive Mitglieder werden. Wer es ausprobieren möchte, muss sich online registrieren und bekommt nach der Freigabe einen Code, mit dem man dann im Markt identifiziert wird. Allerdings wird das Panel nach soziodemographischen Merkmalen der österreichischen Gesellschaft zusammengestellt. Eine Mitgliedschaft ist also – je nach aktueller Zusammenstellung des „Testfeldes“ – nicht garantiert.

Umfangreiche Instore-Analytics-Technologien haben die Marktanalyse-Möglichkeiten zuletzt enorm erweitert. Kamerasysteme, Blickaufzeichnungsverfahren und Anwendungen zum Messen der Werbewirkung von Regalplatzierungen erfassen Alter, Geschlecht, Mimik und sogar, wie lange man bestimmte Produkte betrachtet. Wer im Weekend-Supermarkt einkauft, muss also in Kauf nehmen, intensiv beobachtet zu werden. Geschäftsführer Thomas Pertoldt zufolge halte man die europäischen Datenschutzbestimmungen ein.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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