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Studie zur Zukunft des E-Commerce

Darauf müssen Online-Händler für die Zeit nach Corona achten

Veröffentlicht: 08.05.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 08.05.2020
Mann blickt in Zukunft

Das zu Bertelsmann gehörende Unternehmen Arvato hat versucht, die Auswirkungen der Coronakrise auf den Online-Handel zu analysieren und daraus neun Thesen abgeleitet, wie sich der E-Commerce (inkl. Marktplätze, Lieferketten...) nach der Pandemie gestalten könnte und wie Unternehmen darauf reagieren sollten. Dafür wurden unter anderem auch einzelne Marktsegmente und Warengruppen untersucht.

E-Commerce nach Corona: So könnte es weitergehen

Das sind die neun Thesen im Einzelnen:

  •  Manche Branchen erreichen ein neues Online-Niveau

Zwar verlieren durch die Schließungen von stationären Filialen bestimmte Branchen besonders an Umsatz – etwa Mode und Schmuck –, doch langfristig könnten diese Bereiche wieder ihr Ursprungsniveau erreichen und sogar leicht höhere Umsätze als vor der Krise erzielen, weil sich die Nutzer dann zwangsweise mehr an den Online-Handel gewöhnt haben. Derzeit profitiert vor allem der Online-Handel mit Lebensmitteln, Medikamenten und Drogerieartikeln – diese Bereiche würden auch nach Corona noch zulegen.

  • Einige Branchen erholen sich schneller als andere

Durch die jüngsten Änderungen der Bundesregierung bezüglich der Coronamaßnahmen wird es vermutlich zu einem „proaktiven Szenario“ kommen. Heißt: Bereiche wie Sportbekleidung und Beauty/Wellness kommen schneller wieder in Fahrt, Bereiche wie Auslandsreisen werden die Auswirkungen noch bis mindestens ins erste Quartal 2021 spüren. Generell gelte: Je höher der Warenwert im Verhältnis zum Haushaltsnettoeinkommen und je geringer der akute
Bedarf, desto größer die Verschiebung der Stabilisierung der Warengruppe. Das betrifft dann vor allem Luxusartikel und Co. 

Amazon dominiert weiter – neue Marktplätze kommen hinzu

  • Die Marktplatz-Landschaft ordnet sich neu

Die bestehenden Marktplätze – allen voran Amazon – werden von dem Auftrieb in der Coronaphase profitieren. Doch die Experten warnen auch davor, sich nur von Marktplätzen bzw. sogar nur dem Platzhirsch abhängig zu machen – ein altbekanntes Problem. Außerdem könnten auch Online-Offline-Kooperationen wie Zalando Connected Retail durch die Krise bei Händlern und Kunden beliebter werden. Ebenfalls möglicher Krisengewinner: Neu geschaffene Portale, die regionale Einzelhändler unterstützen, wie der Marktplatz Einzelheld. Auch ausländische Marktplätze wie der französische Anbieter ManoMano könnten auf dem deutschen Markt stärker werden.

  • Neue Internationalisierungsmuster treten auf

Weil die bisherigen Haupt-Zielmärkte deutscher Online-Händler (Frankreich, Vereinigtes Königreich,...) stärker unter den Folgen der Coronakrise leiden, könnte sich der E-Commerce-Fokus auf weniger betroffene osteuropäische Länder wie Polen und Rumänien oder auch Russland verschieben. Polen ist ein bislang unterschätzer Absatzmarkt, eine Übersicht zu internationalen Marktplätzen und deren Chancen für Online-Händler zeigt dieser Artikel.

Händler müssen sich mit Omnichannel auseinandersetzen

  • Regionale Geschäftsmodelle entstehen und bleiben

Viele Unternehmen oder Initiativen haben in der Coronakrise eigene regionale Marktplätze oder Gutschein-bzw. Kooperations-Lösungen entwickelt. Einige werden sich auch nach der Krise halten, viele werden nicht mehr relevant sein. In jedem Fall hat die Coronakrise aber so dazu beigetragen, dass sich viele stationäre Händler mit neuen Vertriebswegen und E-Commerce auseinandersetzen mussten.

  • Omnichannel erfährt wieder Aufwind

Omnichannel-Konzepte wie Click&Collect und Ship from Store wurden in der Vergangenheit von vielen Händlern wegen der vermeintlichen Komplexität „eher stiefmütterlich“ behandelt, heißt es. Durch Corona und die Folgen müssen sich Händler wieder mehr mit dem Thema beschäftigen.

Coronakrise treibt Digitalisierung voran

  • Die Digitalisierung beschleunigt sich

Wie bereits an anderen Thesen gezeigt, mussten und müssen sich Händler weiter digitalisieren. Auch andere Bereiche wie Messen und Kultur haben mit kreativen Ausweichlösungen reagiert: Die Reisemesse ITB wurde virtuell durchgeführt, Museen riefen Online-Ausstellungen ins Leben, Theater fand via Web statt. Derartige Konzepte könnten auch in Zukunft neue Zielgruppen erschließen.  

  • Die Krise zwingt zum Mentalitätswandel

Manche deutsche Unternehmen und Branchen gelten als recht behäbig, was Innovation angeht. Durch die Coronakrise würden diese nun zu „Geschwindigkeit, Wandel und Kreativität“ getrieben. Auch im OHN-Podcast wird dieser Impuls für die Digitalisierung im E-Commerce analysiert.     

Auswirkungen von Corona auf den Modehandel                                   

  • Die textilen Lieferketten verändern sich

Corona hat auch die Supply Chain in der Mode durcheinandergewirbelt. Zunächst stockte die Produktion in den asiatischen Ländern, dann sank die Nachfrage in den Zielmärkten. Die Produktion wird mittelfristig dennoch weiter in Asien stattfinden, langfristig könnten Unternehmen möglicherweise auch wieder in Europa sourcen. Hinzu kommt, dass auch Konsumenten beim Modekauf immer mehr auf Nachhaltigkeit achten. 

 Die Ergebnisse der Studie „Die neue Realität des Onlinehandels. 9 Thesen – Wie Unternehmen Lieferketten, Internationalisierung und ihr Marktplatzgeschäft jetzt aufstellen sollten“ kann man kostenfrei runterladen. 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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