Gastbeitrag von Frank Schneider

Gründung eines Online-Shops: Das Startkapital

Veröffentlicht: 19.02.2021 | Geschrieben von: Gastautor | Letzte Aktualisierung: 19.02.2021
Online-Shop

Viele Jungunternehmer träumen davon, mit dem eigenen Online-Shop Geld zu verdienen. Zwischen der vielversprechenden Idee und den ersten Umsätzen steht jedoch eine nicht zu unterschätzende Hürde: die Finanzierung. Die Unternehmensgründung ist nämlich nicht nur mit einer Menge formalem und rechtlichem Aufwand verbunden. Bei der Realisierung der Geschäftsidee fallen auch erhebliche Kosten an, die in der Summe auch das ambitionierteste Projekt schnell zum Scheitern bringen können. Eine möglichst detaillierte und realistische Berechnung der zu erwartenden Ausgaben ist deshalb das A und O, bevor Sie sich an die Umsetzung machen. Je genauer die Kalkulation ausfällt, desto besser lässt sich am Ende abschätzen, wie hoch das Startkapital sein muss.

Kosten senken

Da i. d. R. Geld bei der Geschäftsgründung sehr wohl eine Rolle spielt, sollte von Anfang an geprüft werden, an welchen Stellen es Einsparpotential gibt. Dazu finden sich online etliche wertvolle Hinweise und konkrete Spartipps, die sich speziell an Gründer richten. Viele Themenbereiche gelten hier für die Geschäftsgründung im Allgemeinen, so z. B.:

  • die Wahl des Arbeitsplatzes
  • das Eröffnen eines Geschäftskontos
  • die Wahl der geeigneten Rechtsform
  • Personal und Outsourcing
  • Tipps für die Buchhaltung

Selbst gemacht

Ein wesentlicher Kostenfaktor beim Aufbau des Online-Shops ist die technische Umsetzung. Das gilt zumindest dann, wenn damit ein externes Unternehmen beauftragt werden muss. 4- bis 5-stellige Beträge fallen schnell an, wenn Sie das Kernstück Ihres Projektes in die Hände eines Profis geben. Das sind Kosten, die man sich sparen kann, sofern Sie über die notwendigen Fähigkeiten verfügen. Ist das nicht der Fall, kann es sich lohnen, zunächst etwas Zeit zu investieren. In entsprechenden Kursen oder mit Hilfe von Lektüre und Online Tutorials zum Thema, kann jeder den Aufbau eines Online-Shops erlernen. Das spart nicht nur viel Geld ein. Obendrein versetzen Sie sich in die Lage, auch später selbst die Kontrolle darüber zu behalten, wann welche Änderungen vorgenommen werden.

Nutzen Sie Shopsysteme

Besonders vereinfacht wird die Umsetzung eines Webshops durch fertige Shopsysteme. Davon stehen inzwischen mehrere ausgereifte und gut zu handhabende Varianten zur Verfügung. Welches Shopsystem speziell für Ihr Projekt am besten geeignet ist, gilt es durch einen gewissenhaften Vergleich herauszufinden. Werden keine allzu komplexen Funktionen benötigt, kann u. U. sogar eine kostenlose Version ausreichen. In dem Fall sollten Sie jedoch die technischen Grundlagen gut beherrschen, um das Shopsystem selbst nutzen und pflegen zu können. Denn ein Support ist dabei nicht inkludiert.

Im Falle von Problemen ergibt sich daraus allerdings ein hohes Risiko. Denn funktioniert das Einkaufen einmal nicht, fallen auch sämtliche Umsätze weg. Hinzu kommt, dass sich Ihre Kunden womöglich eine Alternative im Netz suchen und Sie sie dadurch auf Dauer an einen Konkurrenten verlieren. Darunter wird auch das Image Ihres Shops langfristig leiden. Sparen Sie hier deshalb lieber nicht am falschen Ende, um es gar nicht erst zum wirtschaftlichen Super-GAU kommen zu lassen. Einfache Shopsysteme, die aber bereits für den professionellen Einsatz geeignet sind, kosten einmalig ca. 300 bis 1.000 EUR. Es werden auch Versionen angeboten, die 10.000 EUR und mehr kosten.

Solche Systeme sind für den Beginn aber nicht notwendig. Erst wenn sehr viele Kunden regelmäßig Ihr Angebot nutzen und dementsprechend auch die Verwaltung und die Logistik Ihrer Waren entsprechend komplex wird, lohnt sich ein Umstieg. In dem Fall dürften dann aber auch die Umsätze so hoch sein, dass die Kosten für Ihr Unternehmen nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fallen.

Mieten statt kaufen:
Viele Hosting-Dienste bieten Pakete an, die neben der Domain, dem Support und dem Server-Speicher auch gleich ein fertiges Shopsystem enthalten. Dafür fallen monatliche Kosten von etwa 10 bis 50 EUR an, je nachdem, welches Gesamtpaket Sie bei welchem Anbieter buchen. Der Vorteil bei geringem Startkapital: Sie sparen sich die Anschaffung der Software und verteilen die Kosten über einen längeren Zeitraum. Dafür fallen Sie langfristig jedoch höher aus.

Extra-Wünsche = Extra-Kosten

Ein großer Nachteil von fertigen Shopsystemen ist das eher nüchterne Layout. Zwar können das eigene Logo und allerlei Inhalte problemlos eingefügt werden. Ein individueller Look, der idealerweise auf die Zielgruppe zugeschnitten ist, lässt sich damit jedoch kaum realisieren. Auch sind nicht immer sämtliche Funktionen bereits enthalten, die Sie für Ihren Webshop benötigen. Stellen Sie sich deshalb darauf ein, dass weitere Kosten anfallen. Zusätzliche Module schlagen u. U. mit mehreren hundert Euro zu Buche. Wer bspw. ein Plugin benötigt, mit dem sich Kunden ihr Produkt konfigurieren können, sind auch schon mal mehr als 1.000 EUR fällig.

Um das Aussehen Ihren Vorstellungen anzupassen, ist ein Eingriff in die CSS (Cascading Style Sheets) und den HTML-Code Ihrer Webseite notwendig. Wer dazu selbst in der Lage ist, muss lediglich Zeit und Arbeit investieren, ohne die Finanzen zu belasten. Alternativ können Sie auch einen Profi dafür beauftragen, was jedoch zu Lasten des Budgets geht. Eine Zwischenlösung bietet nicht ganz so viel Individualität, kostet dafür aber deutlich weniger. Vorgefertigte Templates bietet praktisch jeder Anbieter von Shopsystemen an, die Sie für etwa 50 bis 200 EUR hinzukaufen können. Wer Glück hat, findet womöglich sogar unter den kostenfreien Templates das passende.

Produktbilder und Logo

Absolut essentiell für jeden Online-Shop sind hochwertige Fotos der angebotenen Ware. Schließlich will der Kunde gerne vorher sehen, was er kauft. Ansprechende Bilder unterstützen ihn erheblich bei seiner Kaufentscheidung. Für die Dienstleistung eines professionellen Fotografen können schnell 25 bis 60 EUR je Produktbild anfallen. Haben Sie ein breit gefächertes Sortiment im Angebot, kommen da also ebenfalls beträchtliche Kosten auf Sie zu. Bevor Sie nun allerdings zum Smartphone mit integrierter Kamerafunktion greifen, bedenken Sie, dass Kunden den Unterschied zwischen gut gemachten und gut gemeinten Produktfotos sofort sehen.

Wer sich entscheidet, das Shooting selbst in die Hand zu nehmen, sollte sich also unbedingt vorher in das Thema einarbeiten und sich eine entsprechende Ausrüstung zulegen bzw. mieten. Ähnliches gilt für die Erstellung Ihres Firmenlogos. Etwa 200 bis 1.000 EUR verlangt der Profi für die Gestaltung. Dafür ist nicht nur die Bedienung der entsprechenden Software Voraussetzung, sondern auch ein Gespür für Ästhetik und Design.

Um einen Online-Shop hochzuziehen, sind viele Punkte zu beachten, die Kosten verursachen. Zumindest einen Teil davon können Sie senken oder ganz vermeiden, wenn Sie einige Dinge selbst in die Hand nehmen. Schonen Sie Ihr Startkapital aber nicht zu sehr. Denn Professionalität ist die Voraussetzung dafür, dass Ihr Projekt am Ende auch Erfolg hat.


Über den Autor:

Der studierte Diplom-Betriebswirt (FH) Frank Schneider hat sich auf die betriebswirtschaftlichen Funktionsbereiche Marketing, Personal und Controlling sowie Rechnungswesen spezialisiert und ist als selbständiger Betriebswirt (Unternehmensberater) tätig. Daneben schreibt der freischaffende Autor als Experte für bekannte Onlineportale und Fachverlage zum Thema Unternehmensführung und der Existenzgründung.

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