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Kommentar: Nach mir die Paketflut...

Veröffentlicht: 06.12.2017 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 06.12.2017

In den vergangenen Jahren sind so viele Logistik-Services angekündigt worden, wie selten zuvor. Das Bedürfnis der Kunden nach einer schnellen und zuverlässigen Lieferung sollte so gestillt werden – doch augenscheinlich erleidet die Logistik plötzlich einen Schock und sieht sich mit der Paketflut heillos überfordert.

Voller Wagen eines Paketboten
© elbud / Shutterstock.com 

Es werden keine leichten Wochen für den Online-Handel werden: Die Logistik zeigt sich kurz vor dem Weihnachtsfest – mitten im so wichtigen Weihnachtsgeschäft – mit den Paketmengen überfordert. Plötzlich werden Meldungen herausgegeben, dass Versandmengen für so manche Händler begrenzt werden sollen, weil man einfach nicht mehr hinterher kommt. Zudem drohen steigende Preise, Hermes hat beispielsweise schon höhere Versandkosten für das Weihnachtsgeschäft 2018 angekündigt, obwohl das diesjährige Geschäft noch nicht einmal vorbei ist. Ganz im Gegenteil: Der wirkliche Kraftakt dürfte kurz vor den Feiertagen noch auf die Händler und Logistiker warten.

Die Logistik ist aufgrund der weiter steigenden Paketzahlen durch den Online-Handel an ihre Grenze gelangt. Das geht nicht nur Hermes so, sondern der Branche insgesamt. An verschiedenen Stellen wurde in den letzten Wochen davor gewarnt, dass das System zusammenbrechen und Sendungen es nicht mehr rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum schaffen könnten. Diese Entwicklung hat auch hochgradig negative Auswirkungen auf den Online-Handel, denn die Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass ihre bestellte Ware bis zum Weihnachtsfest ankommt. Sobald hier Unsicherheit vorherrscht, sind die Kunden weg und kaufen eben nicht im Netz.

Der Logistik-Schock deutete sich an

Dass der Logistik-Schock früher oder später kommen muss, deutete sich aber an. Kaum jemand will noch Lkw-Fahrer werden, die Branche leidet unter einem eklatanten Fachkräftemangel. Bereits in den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Verzögerungen in der Lieferkette gekommen, die im Weihnachtsgeschäft natürlich schwerer wiegen und noch genauer unter die Lupe genommen werden. Bereits im letzten Jahr kam es bei der DHL in Bayern kurz vor Weihnachten zu Zustellproblemen und mögliche Streiks wurden angedroht (wir berichteten).

Gleichzeitig verkündeten die Zusteller Jahr für Jahr neue Rekorde im Weihnachtsgeschäft. Dass das System irgendwann an seine Grenzen stoßen könnte, blendeten die Dienstleister offenbar aus. Dass man seine Kunden aber nicht mit derartigen Prognosen verunsichern will, ist auf der anderen Seite auch verständlich. Trotzdem kann man sich angesichts der Situation heute fragen, wie die Logistik in den vergangenen Jahren so viele neue Services ankündigen konnten, wenn ihnen doch so viele Mitarbeiter fehlen. Inzwischen wird sogar davon gesprochen, dass die Lieferung an die Haustür als Extra-Service bezahlt werden soll. Anstatt der versprochenen Abendzustellung haben wir jetzt einen Logistik-Schock, der auch den Online-Handel in den kommenden Wochen und Monaten in Atem halten könnte.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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Kommentare  

#1 Thoralf 2017-12-07 08:23
"Kaum jemand will noch Lkw-Fahrer werden, die Branche leidet unter einem eklatanten Fachkräftemange l."

Blabla, Fachkräftemange l. Zahl' einem LKW Fahrer/Postbote n/usw. 100.000 brutto und schlagartig gibt's keinen Fachkräftemange l mehr.

"Hermes hat beispielsweise schon höhere Versandkosten für das Weihnachtsgesch äft 2018 angekündigt, obwohl das diesjährige Geschäft noch nicht einmal vorbei ist."

Da, soweit ich weiß, laut einem älteren Bericht hier auf OHN, Hermes/DHL bereits im Sommer (!) 2017 das Volumen des Vorjahresweihna chtsgeschäftes erreicht haben.
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