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Meinung: Rewe macht keinen Gewinn mit seinem Lieferdienst – ja und?

Veröffentlicht: 20.06.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 20.06.2018

Rewe gehört mit seinem Online-Lieferdienst zu den Pionieren der Lebensmittellieferung in Deutschland. Das Unternehmen hat bereits viel in den Ausbau dieses Geschäftsbereichs investiert – doch Geld verdient Rewe damit noch nicht. Warum das kein Grund zur Sorge ist.

Rewe-Lkw
© Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com

Investitionen in neue Geschäftsbereiche sind teuer. Sie können sogar so teuer werden, dass das Unternehmen seinen Gewinn einbüßen muss oder sogar in die Verlustzone rutscht. Dass die Analysten an der Börse dann nervöse Herzrhythmusstörungen erleiden, sieht man immer wieder bei der Vorstellung diverser Geschäftszahlen. Rewe steht bei dem Ausbau seines Online-Lieferdienstes vor einem ähnlichen Problem: Das Unternehmen hat viel in den Service investiert, verdient damit aber momentan noch kein Geld.

Nun kann man von Glück sagen, dass Rewe-Chef Lionel Souque mit der nötigen Ruhe an diese „Problematik“ herangeht. „Wir verdienen zurzeit noch kein Geld mit dem Online-Lebensmittelhandel“, räumt er zwar ein. Aber: „Das ist eine Investition in die Zukunft.“

Die Deutschen zögern wie immer

Und genau da liegt der Hund begraben. Ja, das Geschäft mit Lebensmitteln aus dem Netz läuft – wie so vieles aus der digitalen Zeit – recht schleppend in Deutschland an. Aber das bedeutet nicht, dass sich die Deutschen nicht doch irgendwann an diesen neuen Service heranwagen und ihn schätzen werden. „Investition in die Zukunft“ ist exakt die richtige Beschreibung, die Souque gewählt hat.

Nun muss Rewe nur noch Durchhaltevermögen beweisen und darf sich nicht entmutigen lassen, wenn es noch etwas dauert, bis der Durchbruch im Markt kommt. Gleichzeitig kann das Unternehmen den Ausbau des Geschäfts nicht vernachlässigen, um nicht doch plötzlich von einem Konkurrenten (*hust* Amazon *hust*) überholt zu werden.

Rewe darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen

Apropos Amazon: Das von Souque als „Riesenkampfmaschine“ bezeichnete Unternehmen hat anfangs auch Verluste geschrieben, um kräftig zu wachsen. Als das Unternehmen in der Anfangszeit ein profitables Quartal erlebt hatte, soll Jeff Bezos diesen Gewinn als „Versehen“ bezeichnet haben – ein Plus zu erzielen war keineswegs der Plan des Unternehmens. Stattdessen stand Wachstum um jeden Preis auf der Agenda.

Als einer der Vorreiter in Sachen Lebensmittel-Lieferung in Deutschland hat Rewe eigentlich eine gute Position – und die gilt es zu verteidigen. Nun muss man aber auch sagen, dass das Unternehmen seinen Lieferdienst seit einiger Zeit nicht weiter flächenmäßig ausbaut. Die Zahl der Städte, in denen geliefert wird, stagniert. Man konzentriere sich erst einmal darauf, die Qualität in den 75 Städten, in denen der Lieferdienst bereits verfügbar ist, zu verbessern, erklärt Souque. Ein richtiger und wichtiger Punkt, aber trotzdem sollte Rewe sich nicht zu lange mit der weiteren Expansion zurückhalten, wenn das Unternehmen seinen Vorteil nicht verlieren will.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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