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Meinung: Unterricht im Online-Shopping? Ja, bitte!

Veröffentlicht: 22.08.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 22.08.2018

Deutschland ist eines der E-Commerce-Schwergewichte in Europa. Nach Großbritannien und Frankreich ist das Land der drittgrößte E-Commerce-Markt. 60,8 Millionen Deutsche kaufen im Netz ein – das sagt zumindest die Studie „PayPal Cross-Border Consumer Research 2018“. Anders als in vielen Bereichen der Digitalisierung läuft es also zumindest im Online-Handel.

Ältere Menschen beim Computer-Kurs
© SpeedKingz – Shutterstock.com

Doch wie bei so vielen Dingen ist das auch eine Frage der Perspektive und der persönlichen Erfahrung. Ich selbst bin 1988 geboren und saß schon als Kind hin und wieder an einer Tastatur – nämlich der von dem C64 meines Vaters. Irgendwann kam das Internet in unser beschauliches Dorf, später dann die unfassbaren Geschwindigkeiten von ISDN und DSL. Den Begriff Breitbandausbau kannte ich damals noch nicht – ich bin nicht einmal sicher, ob es ihn schon gab – aber dass unser Dorf als einer der letzten Orte in unserer Region mit DSL versorgt wurde, nervte mich schon im Jahr 2005.

Inzwischen ist das natürlich alles anders: Schnelle Rechner, schnelles Internet. Online kaufe ich schon fast mein halbes Leben ein – und mit meinem beruflichen Werdegang bin ich näher am Online-Handel dran als viele meiner Freunde und Bekannten. Von denen einige noch immer bestaunen, dass sie nach der Suche nach einem Produkt ganz viele Werbebanner eben dieses Produkts im Netz sehen.

Ein Kurs, um zum Online-Shopper zu werden?

Doch hin und wieder merkt man, dass man die Perspektive etwas verloren hat. Letztes Wochenende, zum Beispiel: Ein Kollege schickt mir einen Link. Die Volkshochschule Zwickau bietet einen Kurs an, der den Titel „Online-Shopping: Sicher und bequem im Internet einkaufen“ trägt. Die Inhalte des Kurses? Vor- und Nachteile des Online-Shoppings, Beachten von Sicherheitsregeln, Rechte der Kunden gegenüber dem Händler, Möglichkeiten der Produktrecherche, Bestellablauf und Reklamation und die Auswertung des Online-Einkaufs.

„Der Kurs richtet sich an Teilnehmer, die schon Internet und E-Mail nutzen, aber wegen verschiedenster Bedenken und offener Fragen noch nicht online eingekauft haben“, heißt es in der Beschreibung des Kurses. In viermal 1,5-Stunden-Einheiten wird den Teilnehmern erklärt, wie sie sicher im Netz einkaufen.

Das Internet ist für viele eben doch Neuland

Die erste Reaktion auf diesen Kurs: Unglaube, Belustigung und ein wenig Hohn. Bekommt man am Ende etwa ein Zertifikat? Wird man als „Sicherer Online-Shopper“ ausgezeichnet? Aber wenn man einmal länger darüber nachdenkt, hat das Programm seine Daseinsberechtigung. Es gibt eben Menschen, die nicht im Netz einkaufen, weil sie unsicher sind. Weil der Online-Handel eben anonym ist, man sein echtes Geld an jemand anderen schickt (und das mit nur einem Klick!) und nicht weiß, ob das bestellte Produkte auch wirklich ankommt. Und weil in den Medien immer wieder über Betrüger, Produktfälschungen und Angriffe berichtet wird. Man muss lernen, Fake-Shops zu erkennen. Wer mit dem Internet aufgewachsen ist und sich seit Jahren im Netz bewegt, hat das quasi automatisch gelernt. Wer aber erst vor kurzer Zeit den Schritt in die digitale Welt gewagt hat, hat diese Intuition eben nicht.

Und das sollte man sich eben auch immer wieder in Erinnerung rufen. Das Internet, vor allem im privaten Bereich, ist noch nicht sonderlich alt. Dass wir in Deutschland im Jahr 2018 über den Breitbandausbau diskutieren müssen, ist traurig. Aber damit gibt es eben viele Menschen, die sich noch nicht im Netz bewegen und gerade erst ihren ersten Zugang dazu erhalten haben. Und sie haben jede Hilfe verdient, die sie kriegen können – sei es auch über einen Kurs an einer Volkshochschule, der ihnen den sicheren Einkauf im Netz vermitteln soll.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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