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Kolumne: Werbung? Vergesst das Fernsehen und das Radio nicht

Veröffentlicht: 24.08.2018 | Autor: Julia Ptock | Letzte Aktualisierung: 24.08.2018

Wahrscheinlich kennt dieses Phänomen jeder: Man sitzt im Auto oder früh am Frühstückstisch. Das Radio läuft und zwischen den Songs, der Moderation und den Nachrichten findet sich immer wieder Werbung. Und die bleibt gern im Kopf stecken. Jeder hat so einen Jingle oder Spot, der sich auf ewig ins Gehirn gebrannt hat. Bei mir ist es tatsächlich in puncto Radio die Seitenbacher Müsli Werbung. Für alle, die sie nicht kennen:

So, nach dem sich jetzt jeder die Haare gerauft hat und sich selbst gefragt hat, was das eigentlich gerade war, was er gehört hat, dem sei gesagt: Dieser Werbespot ist ein Erfolg. Denn die Leute reden darüber. Sie reden darüber, dass man kaum ein Wort versteht und fragen sich, wie oft man einen Markennamen in 15 Sekunden nennen kann. Das funktioniert übrigens auch perfekt bei Fernsehwerbung. Der Jingle von Zott Sahne Joghurt „Weekend Feeling“ hat es bei uns zum „Hoch-die-Hände-Wochenende“-Standard-Song geschafft. Und das unter anderem auch, weil ihn einfach jeder kennt.

Dabei ist die Werbung nicht mal unbedingt professionell gestaltet – allen voran die von Seitenbacher. Doch die Markennamen sind fest in den Köpfen verankert. Und wer es einmal soweit geschafft hat, der kann sich auch gleich einmal ein bisschen weniger Gedanken darum machen, wie er Besucher in seinen digitalen Laden holt.

Investieren, um Umsätze zu steigern

Als Beispiel aus der Digital-Branche fällt mir auch der Werbespot von Momox aus dem Jahr 2009 ein. Damals war das Unternehmen fünf Jahre alt und machte einen Umsatz von 10 Millionen Euro. Das Unternehmen ist darauf angewiesen, dass die Leute den Markennamen kennen, denn ohne die gebrauchten Artikel kann der Re-Commerce-Händler sein Geschäftsmodell an den Nagel hängen. Also hat man 2009 einen Spot fürs Fernsehen produziert. Schön ist er nicht unbedingt, aber offenbar hat er gut funktioniert, denn Momox verzeichnete 2010 bereits einen Umsatz von 22 Millionen Euro. In 15 Sekunden war alles gesagt, was die Verbraucher wissen müssen. In der Produktion wird dieser Spot nicht so viel gekostet haben.

Wer sich jetzt fragt, warum ich so sehr auf eher mäßigen Spots rumreite, dem sei frei nach dem Sprichwort „Bad publicity is better than no publicity!“ gesagt: Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung. Klar, kann jetzt auch jeder sagen: Dafür muss ich nicht ins Fernsehen oder ins Radio. Aber: Noch immer sind TV und Radio nicht tot. Laut einer Erhebung der AGF Videoforschung und dem Marktforschungsinstitut GfK schauen die Deutschen an einem Tag durchschnittlich über drei Stunden Fernsehen. Das ist echt viel. Beim Radio ist ähnlich. 2017 wurden täglich im Durchschnitt 181 Minuten gehört. In über 20 Jahren hat sich das kaum geändert. Der Durchschnitt für die Hördauer zwischen 1995 und 2017 liegt bei 193 Minuten. Die Chance, dass man von den Hörern gehört wird, ist also tatsächlich ziemlich hoch.

Radio geht überraschend günstig

Und was soll das kosten? Nun ja, einen Fernseh-Spot zu produzieren kostet Geld. So wie alles. Man muss sich überlegen, ob man einen Hochglanz-Spot wie Mercedes und Co. machen will, oder ob es auch was Einfacheres tut. Natürlich kommen dann noch die Kosten für die Ausstrahlung dazu. Diese variieren je nach Werbeprodukt und (Sparten-)Sender. Allerdings kann das Video ja auch mehrfach verwendet werden. Unzählige Marken präsentieren sich auch auf YouTube und finden da köstengünstiger Zuschauer. Wem das aber immer noch zu teuer ist, der sollte sich mal mit dem Radio beschäftigen. Nach Angaben von Crossvertise, eine Buchungsplattform für alle Arten von Werbung, ist Radiowerbung ist bereits ab 0,50 Euro pro Sekunde verfügbar. Die Produktionskosten für einen Spot liegen zwischen 450 und 900 Euro und damit im absolut bezahlbaren Bereich.

In diesem Sinne: Wenn es euch nicht gleich ins Fernsehen verschlägt, ist das vollkommen okay. Aber vielleicht denkt der ein oder andere Mal über Radio-Werbung nach. Ich würde mich drüber freuen. Vor allem weil ich dann vielleicht nicht mehr ständig „Seitenbacher Müsli“ hören muss.

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