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Kommentar: Kulleraugen für ein selbstfahrendes Auto. Um Ängste zu mindern. Ernsthaft???

Veröffentlicht: 05.09.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 05.09.2018

Schnelle Autos, viele PS, beeindruckende Technik, heiße Ausstattung – das sind die Dinge, die Auto-Fans faszinieren und mehr als nur eine Branche bewegen. Neue Entwicklungen, wie zum Beispiel selbstfahrende Autos, sorgen dabei jüngst immer wieder für Aufsehen: Einerseits tragen positive Schlagzeilen über die atemberaubenden Technologien der autonomen Fahrzeuge das Thema in die Köpfe der Menschen und somit in die Mitte der Gesellschaft. Andererseits verursachen Meldungen über Unfälle mit Sach- oder Personenschäden auch Ängste und Zweifel.

Wie merzt man die Ängste aus?

Um solchen Ängsten entgegenzuwirken und Unfälle künftig zu vermeiden, gibt es mehrere Möglichkeiten: zum Beispiel die stete Weiterentwicklung und Erprobung der Technik, um potenzielle Fehler oder Bugs auszuradieren. Oder auch Aufklärung über potenzielle Gefahren. Jaguar hat allerdings einen anderen Schritt gewählt, um Zweifel zu mindern: Die Nobelmarke hat seinem selbstfahrenden Auto nämlich große, kullerrunde Augen verpasst.

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Ja, Sie haben richtig gehört: große, kullerrunde, digitale Augen! Ein Jaguar. Mit Augen. Wer sich das nicht so richtig vorstellen kann, für den hat Jaguar ein passendes Video bereitgestellt, in dem das knuffige Automobil in Erscheinung tritt und in dem grobe Funktionen des selbstfahrenden Gefährts erläutert werden:

 

Augen für alle!

Okay: Knuffig ist er. Und – ich lehne mich mal aus dem Fenster – vielen Frauen wird das süße Auto wohl gefallen. Oder um es mal weniger pauschal zu sagen: Zumindest in unserem Büro habe ich schon die ein oder anderen verzückten „Ooohhhs“ und „Aaahhhs“ von Kolleginnen gehört, als das Video die Runde machte.

Es stellt sich jedoch die Frage: Ist es wirklich sinnvoll, hoch entwickelten Technologien, die wahrscheinlich die Zukunft bestimmen werden, Augen zu verpassen, nur damit Menschen weniger Angst vor potenziellen Gefahren haben? Spinnt man diesen Gedanken mal ins Absurde weiter, müsste jeder Hochgeschwindigkeitszug, jede Waschanlage und jedes Raketenterminal mit großen Kulleraugen ausgestattet werden – da sie alle (in mehr oder weniger großem Ausmaß) ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich tragen.

Natürlich hinkt der Vergleich, weil beispielsweise an Raketenterminals nur ausgebildetes Fachpersonal zu Werke geht und der „ängstliche Normalo“ gar keinen Zugriff auf solche potenziell gefährlichen Gerätschaften hat. Doch man weiß, wie es gemeint ist…

Es geht um Mündigkeit

Ich persönlich habe das Gefühl, dass man den Menschen eine gewisse Mündigkeit abspricht, wenn man Hightech verniedlicht, um Ängste zu mindern. Und noch schlimmer: Der beäugten Technologie wird die nötige Ernsthaftigkeit genommen. Und die Würde … In solchen Projekten stecken in der Regel Millionen Arbeitsstunden zahlreicher Fachkräfte und natürlich auch viele Millionen Euro. Und natürlich darf man Gefahren von KIs und autonomen Gerätschaften auch nicht unterschätzen.

Doch bevor man anfängt, diese hoch entwickelten Hightechwunder zu verniedlichen, sollte man vielleicht Aufklärungsarbeit leisten – und zwar in der Bevölkerung. Dies würde zur allgemeinen Bildung im technischen Bereich beitragen und quasi unwürdige Angst-Reduzierungs-Maßnahmen unnötig machen.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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