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Optimierung des Online-Shops: Welche Bedeutung haben eigentlich „sprechende URLs“?

Veröffentlicht: 12.09.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 12.09.2018

SEO – drei kleine Buchstaben, die im Online-Handel über Erfolg und Misserfolg entscheiden können. In diesem Zusammenhang spielt jedoch auch die Usability eine entscheidende Rolle. Ein Element, das beide Bereiche betrifft, ist die URL der Website. Aus diesem Grund wollen wir uns heute einmal näher mit den URLs – und insbesondere mit den sogenannten „sprechenden URLs“ – beschäftigen.

www-Tasten liegen auf einem Tisch
© Miriam Doerr Martin Frommherz / Shutterstock.com

Wenn die Website das Schaufenster eines Shops ist und die Texte die tragenden Säulen darstellen, dann können die URLs quasi als Grundmauern bezeichnet werden. Die URLs dienen als Adresse im Internet – heißt gleichzeitig: Hat man eine unverständliche bzw. kryptische Adresse, können die Besucher die Website nur schlecht oder vielleicht sogar gar nicht finden.

URL, Domain, Pfad und Co. – Wo liegen die Unterschiede?

Um sich genauer mit dem Thema auseinandersetzen zu können, sollte man sich natürlich erst einmal mit den grundlegenden Begrifflichkeiten auskennen:

Die URL

… ist eine Abkürzung des englischen Begriffs „Uniform Resource Locator“ (zu Deutsch etwa einheitlicher Quellenverweiser). Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit die Internetadresse gemeint, die eine Seite besitzt. Die URL besteht wiederum aus verschiedenen Komponenten – nämlich grundsätzlich aus dem Protokoll, der Domain und dem Pfad.

Grafik: Die URL in Einzelheiten

Das Protokoll

… gibt Auskunft darüber, wie Daten online übertragen werden. Das seit einiger Zeit gängige Protokoll https verweist beispielsweise auf abgesicherte Websites. Online-Händler sollten ausschließlich auf https und nicht mehr auf den veralteten http-Standard setzen. Denn Google hat https unlängst zum offiziellen Ranking-Faktor erklärt. Websites, die nicht verschlüsselt und dementsprechend nicht abgesichert sind, werden überdies mit einer Sicherheitswarnung versehen. Viele Kunden werden im Rahmen einer solchen Warnung abspringen und sich lieber einen anderen Anbieter suchen. Der eigene Online-Shop sollte also dringend – wenn nicht schon längst geschehen – auf https umgestellt werden.

Die Domain

… lässt sich untergliedern in eine Toplevel-Domain (zum Beispiel .de, .com oder auch .info), eine Second-Level-Domain (zum Beispiel onlinehaendler-news) und eine Third-Level-Domain (meist www.).

Erklärung einer Domain: Grafik

Der Online-Marketing-Spezialist Internetmarketing.at zieht einen anschaulichen Vergleich heran, der die Eigenschaften der Komponenten noch einmal eindrücklich verdeutlicht: Wenn man die Begriffe nämlich mit einem Haus darstelle, so wäre die Domain dann die Haustür bzw. der Name, der neben der Klingel stünde. Die URL wäre eine einzelne Tür zu einem bestimmten Zimmer bzw. das Türschild zu jenem Zimmer (wie zum Beispiel „Bad“ oder „Küche“. Die Website wäre dann das gesamte Haus und eine einzelne Seite (wie etwa die Kontaktseite oder die Impressumsseite) wäre dann eines der vielen Zimmer.

Der Pfad

Anhand eines Pfades, der sich üblicherweise in einer URL befindet, kann ein Besucher im günstigsten Fall die Struktur einer Website nachvollziehen. Meist verweist ein Pfad entweder auf einen Ordner oder auch auf eine Datei.

Ein Beispiel: Auf unserer Website OnlinehändlerNews gibt es Beiträge in verschiedenen Kategorien. Ein Beitrag, der in die Oberkategorie „Recht“ und die Unterkategorie „Gesetze“ einzuordnen ist, wird hier auch in der URL – und genauer gesagt im Pfad – entsprechend gekennzeichnet:

Screenshot einer URL von OnlinehändlerNews: sprechende URL

Stumme URLs bringen viele Nachteile

Es gibt URLs, die bestehen neben der Protokollangabe und der Domain nur noch aus einer Kombination von Zahlen, Buchstaben und womöglich auch Sonderzeichen. Beispiele bietet hier unter anderem Amazon:

Screenshot einer Amazon-URL: Stumme URL

Aus der URL kann der Besucher (abgesehen von der Domain) keine Rückschlüsse auf die konkrete Webseite oder die genauen Inhalte ziehen, die er gerade besucht. Auch lässt sich die Seite innerhalb der Domain nicht logisch einordnen, denn die URL gibt keinerlei Anhaltspunkte, wie die Website aufgebaut und strukturiert ist. Obwohl sich beispielsweise auch der Tech-Fachblog Winfuture gegen eindeutige und „sprechende URLs“ entschieden hat, lässt sich hier zumindest noch die jeweilige Kategorie im Pfad erkennen: im Beispiel nämlich die „News“. Das heißt, es lässt sich zumindest ein grober Aufbau der Website erkennen, da man weiß, dass es eine News-Sparte gibt.

Screenshot einer Winfuture-URL: URL ist stumm

Wo liegen die Vorteile einer „sprechenden URL“?

Im Gegensatz zu den gerade herangezogenen Beispielen beinhaltet eine sprechende URL – wie der Name schon vermuten lässt – auch Wörter, die der Besucher versteht und die ihm Anhaltspunkte geben, mit welchen Inhalten die besuchte Webseite bestückt ist. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Usability und kann sich positiv auf das Surf-Erlebnis der Besucher auswirken. Denn je besser sich die Nutzer orientieren können, desto größer ist die Zufriedenheit – und das fängt eben nicht erst bei der Navigation, sondern auch schon in der URL an.

Neben dem positiven Nutzen für die Besucher können die „sprechenden URLs“ auch einen indirekten Einfluss auf das Ranking von Webseiten oder einer ganzen Domain haben. Denn Suchmaschinen wie Google registrieren natürlich nicht nur Webseiten-Inhalte, sondern auch die entsprechende URL. Das heißt: Passgenaue Keywords, die das Thema einer Seite erfassen, bilden quasi einen zusätzlichen Mehrwert für die Suchmaschinen und signalisieren unter Umständen relevanten Content. Die Schlagwörter haben dementsprechend sowohl für die Nutzer als auch für Google und Co. eine gewisse Aussagekraft.

An dieser Stelle sollten Online-Händler auch bedenken, dass die URL von Google in den Suchergebnissen angezeigt wird. Können die Suchenden hier eine aussagekräftige URL ablesen und sich bereits auf einer Seite orientieren, ohne diese überhaupt besucht zu haben, kann der potenzielle Käufer womöglich sogleich darauf schließen, ob ein Shop interessant für ihn ist oder eben nicht. Darüber hinaus verweisen die Experten der SEO-Küche noch darauf, dass eine aussagekräftige URL auch einen hohen Wiedererkennungswert aufweist. Auf diese Weise kann sich ein Unternehmen in den Köpfen der Kunden noch stärker festigen.

Ein Beispiel: Gibt man in die Google-Suche „wintersocken“ als Suchbegriff ein, wird als Ergebnis auf Seite 1 unter anderem dies vorgeschlagen:

Google listet Ergebnisse auf: Suchbegriff ist Wintersocken

In beiden Fällen weiß der Suchende nun also – bevor er die gewählte Website überhaupt betreten hat – dass es je eine eigene Kategorie gibt, in der er auf der Suche nach Wintersocken wohl passende Produkte finden wird. Einmal heißt die Kategorie direkt „Wintersocken“ und einmal „warme Socken“, was ihm ebenfalls weiterhelfen dürfte.

Worauf sollte man zusammenfassend also achten?

  • Grundsätzlich gilt auch bei Thema URL: „In der Kürze liegt die Würze”. Das heißt, die URL sollte inklusive aussagekräftiger Orientierungsbegriffe so kurz wie möglich gehalten werden. Auf unnötige Füllwörter sollte also verzichtet werden. Ein aussagekräftiger Inhalt der Internetadresse sollte wiederum aber auch nicht an der Kürze scheitern. Also gilt: So kurz wie möglich und so lang wie nötig.
  • Verwenden Sie relevante Keywords: Nutzen Sie (genau wie bei Überschriften, Produkttexten und sonstigen Inhalten) aussagekräftige, passgenaue Schlagwörter ihres Sektors.
  • Auf der Suche nach wichtigen, aussagekräftigen Keywords können Keyword-Tools helfen. Auch ein Blick auf konkurrierende Angebote gibt manchmal die nötige Inspiration, um Strukturen zu verbessern und Produkte entsprechend anzupassen.
  • Die Keywords sollten stets auch zu den Seiteninhalten passen.
  • Obwohl grundsätzlich auch eine Großschreibung möglich ist, beschränken sich viele SEO-Profis im Rahmen der URL auf Kleinbuchstaben. Der Grund dafür ist, dass bestimmte Webserver eine Unterscheidung nach Groß- und Kleinschreibung vornehmen. Im ersten Schritt klingt das nicht weiter bedenklich, doch dadurch kommt es schon mit dem ersten externen Link in abweichender Schreibweise zu einem doppelten Inhalt im Index. Dies soll vermieden werden.

Warum sollte man sich die Mühe machen, wenn Google die URL abschaffen will?

In den vergangenen Tagen machten Meldungen die Runde, dass Google die URLs abschaffen möchte. Warum, so könnten sich Online-Händler nun fragen, sollte man Zeit und Ressourcen in URLs investieren, wenn diese sowieso irgendwann verschwinden könnten? – Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Bereits vor vier Jahren, nämlich 2014, hatte Google einen Versuch unternommen, die URLs abzuschaffen. Hätten einige Unternehmen ab diesem Zeitpunkt aufgehört, ihre URLs zu optimieren, so hätte mittlerweile auch die User Experience (also das Nutzererlebnis) darunter gelitten.

Manche Veränderungen kommen, andere nicht. Aktuell sind die URLs noch fundamentaler Bestandteil des Internets und nicht wegzudenken. Ob das tatsächlich immer so bleiben wird, sei dahin gestellt. Doch schon der letzte Versuch, URLs abzuschaffen, ist gescheitert. Und selbst, wenn die Pläne von Google irgendwann reifen und tatsächlich eine Alternative zu den bisherigen Internetadressen gefunden wird, so ist anzunehmen, dass dies noch ein ganzes Stück dauern wird. Um bis dahin nicht den Anschluss zu verlieren, sollten Unternehmen die Macht von URLs nicht unterschätzen – und zwar sowohl auf Google als auch auf die Surfer selbst.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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