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Kolumne: Der WhatsApp-Gründer und die späte Reue

Veröffentlicht: 28.09.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 28.09.2018

Brian Acton hat ein gutes Herz. Nach allem, was ich bisher über den WhatsApp-Gründer gelesen habe, bin ich mir dessen zumindest sicher. Er war es schließlich, der die End-to-End-Verschlüsselung für Nachrichten in den Messenger integriert hat. Er und Jan Koum waren seit jeher ausgesprochene Gegner gezielter Werbung. Werbeanzeigen im Messenger erklärten sie von Anfang an als No-Go – „Keine Werbung, keine Spiele, keine Gimmicks“, war das Motto von Acton und Koum. Doch genau darüber haben sie sich schließlich mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zerstritten und dem Unternehmen, das WhatsApp im Jahr 2014 für 19 Milliarden US-Dollar aufkaufte.

Brian Acton bereut den Verkauf an Facebook. „Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen größeren Gewinn verkauft“, sagt er gegenüber Forbes. „Und damit lebe ich jeden Tag.“ Den letzten Teil seiner Auszahlung – in Form eines Aktienpakets, dass ihn heute 850 Millionen Dollar eingebracht hätte – ließ er liegen. Darauf hätte er erst ein Jahr später zugreifen können. Sein Mitgründer Jan Koum hat diesen Bonus noch mitgenommen, bevor er Facebook den Rücken kehrte.

„Ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten“

Der Moment, als Mark Zuckerberg 22 Millionen Dollar für WhatsApp geboten hatte, ist wohl der tragischste Moment für Brian Acton. „Er kam mit einer riesigen Menge Geld und hat uns ein Angebot gemacht, das wir nicht ablehnen konnten“, erinnert er sich. Zuckerberg habe die beiden WhatsApp-Gründer regelrecht bezirzt, Koum einen Platz im Verwaltungsrat angeboten, beide mit Anerkennung überschüttet und ihnen – zumindest einem an den Gesprächen beteiligten Dritten zufolge – zugesichert, dass sie für fünf Jahre „keinen Druck“ bei der Klärung der Monetarisierungsfrage hätten.

In diesem Moment hätten Acton und Koum nochmal ihre Motivationen hinterfragen müssen. Dass Facebook zweifelhaft mit Nutzerdaten umgeht, war im Jahr 2014 kein Geheimnis. Wieso beide Gründer sich für den Verkauf ihres Unternehmens entschieden haben, bleibt ein Rätsel – zumal WhatsApp zu diesem Zeitpunkt bereits 450 Millionen Nutzer hatte.

Als der Skandal um Cambridge Analytica bekannt wurde, war Brian Acton der erste, der recht aggressiv gegen das soziale Netzwerk vorging. „Es ist Zeit“, twitterte der WhatsApp-Gründer zügig und versah seinen Tweet mit dem Hashtag #deletefacebook. Heute ist er weder auf Facebook, noch auf Twitter vertreten. Er hat seit seinem Ausstieg bei Facebook und WhatsApp in die Messenger-App Signal investiert. Hinter ihr steht der Sicherheitsforscher, der unter dem Pseudonym Moxie Marlinspike agiert. Die App soll die Nutzer über den Profit stellen. Acton führt ihn noch immer – den Kampf für die Privatsphäre.

Nun muss er aber auch die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass er aus seinem Fehler gelernt hat.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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