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Parkaffe: Wie eine einzige Erwähnung für einen massiven Kundenansturm sorgte

Veröffentlicht: 24.10.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 24.10.2018 | Gelesen: 3512 mal

Wie kann man die eigenen Verkäufe zeitnah ordentlich ankurbeln? – Eine Frage, die sich alle Unternehmer stellen dürften. Im Fall der „Parkaffe“-Aufkleber sorgte beispielsweise die kurze Nennung in einem redaktionellen Beitrag für Hunderte Verkäufe. Zwar hat hier das Quäntchen Glück eine große Rolle gespielt, doch das Beispiel verdeutlicht auch, wie wichtig Aktivitäten in sozialen Netzwerken, gute Backlinks oder eine engagierte Pressearbeit sein können.

Aufkleber von Parkaffe
Aufkleber von © Parkaffe

Das Projekt „Parkaffe“ war eigentlich nur als eine Art Nebenprojekt gestartet. Der Unternehmer Ronny Marx, der unter anderem auch die Amazon-Marketing-Agentur intomarkets gegründet hat, wollte mit seinen „Parkaffe“-Aufklebern eine Möglichkeit schaffen, Falschparkern einen Denkzettel zu verpassen: Er kreierte einen Aufkleber mit dem Spruch: „Ich bin ein Parkaffe – denn ich parke einfach dämlich“ und startete den Verkauf der Sticker über Amazon.

Aufkleber von Parkaffe.de
Aufkleber von Parkaffe und Aufkleber „in Aktion“ © Parkaffe

Mit rund 30 Besuchern auf seiner Website und durchschnittlich zehn Verkäufen am Tag war Parkaffe Ende 2017 kein Projekt, mit dem man ein ganzes Team hätte finanzieren können. Doch kurz vor Weihnachten nahmen die Verkäufe ungewöhnliche Ausmaße an.

Parkaffe: Besucherzahlen sind um 1.900 Prozent gestiegen

„Am 20.12. haben wir bemerkt, dass gegen Nachmittag alle 2 Minuten eine Bestellung getätigt wurde. Zuerst habe ich sämtliche Rankings auf Amazon und die PPC-Performance geprüft, aber hier war nichts Auffälliges zu sehen. Ein Blick in die Live-Traffic-Daten von Google Analytics von parkaffe.de hat aber dann schnell gezeigt, dass hier plötzlich einige hundert Besucher unterwegs waren“, erinnert sich Ronny Marx an den Dezembertag.

Ein Blick auf die Entwicklung bei Google Analytics verdeutlicht das enorme Wachstum der Besucherzahlen: Von bisher 30 Besuchern pro Tag verzeichnete die Website Parkaffe.de plötzlich 600 Besucher, was einem Plus von 1.900 Prozent entspricht.

Screenshot von Google Analytics, auf der man die Entwicklung der Besucherzahlen von Parkaffe.de sieht
Screenshot Google Analytics: Entwicklung der Besucherzahlen von Parkaffe.de | © piotr_pabijan / Shutterstock.com

Bestellansturm als organisatorische Herausforderung

Neben der Freude am plötzlichen Kundenansturm mussten jedoch auch die unerwarteten Bestellungen abgewickelt werden: „Da sich für uns speziell mit den Aufklebern FBA nicht lohnt, verschicken wir alles aus dem eigenen Lager. Hier hatten wir noch einige Tausend Aufkleber gelagert, welche allerdings binnen 2 Tagen ausverkauft waren. Als der Bestellansturm losging, habe ich sofort bei unserer Druckerei eine größere Menge an Aufklebern nachgeordert“, erklärt Ronny Marx im Interview weiter.

Da die Druckerei aufgrund der Vorweihnachtszeit jedoch selbst mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hatte, war das Lager von Parkaffe schnell „out-of-stock“. Zunächst habe Marx darüber nachgedacht, das Angebot bei Amazon zu pausieren – entschied sich allerdings dagegen und stockte stattdessen den Lagerbestand künstlich auf: „Das ist nur möglich, wenn man via FBM verkauft. Bei jeder Bestellung, die wir nicht sofort bedienen konnten, haben wir sofort den Käufer kontaktiert und ihn über die Verzögerung informiert und ihm als Entschädigung zusätzliche, kostenlose Aufkleber angeboten. Fast alle haben das akzeptiert. So konnten wir trotz leerem Lager weiterverkaufen und Amazon als auch die Käufer zufriedenstellen.“

Und wo kamen die ganzen Besucher nun her?

Um herauszufinden, woher die ganzen Besucher und Käufer kamen, hat Ronny Marx über Google News nach aktuellen Beiträgen gesucht, die sich um das Thema Falschparker drehten: Auf diesem Weg stieß er auf einen Artikel des Nachrichtenportals „Welt“, der über Aktivisten berichtete, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Falschparker zu belehren: In diesem Artikel fanden eben auch die Aufkleber von Parkaffe Erwähnung.

Screenshot: Weltartikel über Falschparker
Screenshot: Welt-Artikel über Falschparker: „So belehren Aktivisten die Falschparker“, vom 20.12.2017

Wohlgemerkt haben viele Hunderte Besucher allein durch die Nennung in einem thematisch relevanten Beitrag den Weg auf Parkaffe.de gefunden und Aufkleber bestellt – und das ohne eine Verlinkung auf die Website. Es lässt sich nur mutmaßen, wie hoch das Wachstum eventuell gewesen wäre, wenn eine Verlinkung vorhanden gewesen wäre.

Und das Fazit? SEO ist wichtig!

Manchmal braucht es etwas Glück, um Verkäufe kräftig anzukurbeln. Doch auf Glück allein sollte man sich als Unternehmen nicht verlassen, resümiert auch Ronny Marx: „Wenn man gute Kontakte hat, kann man sicherlich einige Backlinks aufbauen. Von einer Seite wie der Welt.de ist dies allerdings kaum möglich – da hatten wir schlicht Glück, dass die Redakteure auf uns aufmerksam geworden sind. Dies geschah allerdings nur, weil wir neben unseren Amazon-Produkten auch eine bei Google sehr sichtbare Website aufgebaut haben“, weiß der Experte.

Und auch hier zeigt sich wieder: Gutes SEO ist für erfolgreiche Online-Geschäfte schier unerlässlich. Hinzu kommen natürlich noch weitere Faktoren wie zum Beispiel eine ausgewogene Mischung aus guter Pressearbeit, einem gewissen Maß an Interviewbereitschaft und einem aktiven Auftreten in den sozialen Medien, um die eigene Präsenz im Netz deutlich zu erhöhen. Und manchmal entstehen aus einer solchen Kombination eben jene Momente, die dem eigenen Unternehmen deutlichen Rückenwind verleihen.

In eigener Sache: Übrigens beleuchten wir in unserem aktuellen Onlinehändler Magazin (Q4 2018) auch das Thema Backlinks. Im Artikel „Gute Links und schlechte Links – Worauf Händler beim Backlink-Aufbau achten müssen“ haben wir Tipps und Tricks zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen!

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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Kommentare  

#1 thorsten2punkt0 01.11.2018, 12:52 Uhr
"Das ist nur möglich, wenn man via FBM verkauft. Bei jeder Bestellung, die wir nicht sofort bedienen konnten, haben wir sofort den Käufer kontaktiert und ihn über die Verzögerung informiert und ihm als Entschädigung zusätzliche, kostenlose Aufkleber angeboten. Fast alle haben das akzeptiert. So konnten wir trotz leerem Lager weiterverkaufen und Amazon als auch die Käufer zufriedenstellen.“
-> Funktioniert dann aber nur wenn manuell ein Versand bestätigt wird (bei AZ) der nicht statt gefunden hat - denn Absprachen interessiert ja nicht das System und schon gar nicht AZ. Wenn auch nicht "OK" wäre der bessere Weg wohl gewesen die Zeit bis zum Versand zu verlängern (im Angebot bei AZ).
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