Fragwürdige Händler tricksen mit kopiertem Amazon-Angebot

Veröffentlicht: 16.01.2019
imgAktualisierung: 23.06.2022
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
16.01.2019
img 23.06.2022
ca. 2 Min.
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Geöffnetes Amazon-Päckchen.
© Hadrian / Shutterstock.com
Ein Händler hat uns einem Trick berichtet, in denen seine Artikel eins zu eins von Amazon auf Ebay kopiert wurden. Was steckt dahinter?


Ein Online-Händler hat sich bei uns gemeldet und von einer neuen Masche berichtet. Nicht schlecht gestaunt hat er, als er das Problem zum ersten Mal entdeckt hat: Da bieten andere Verkäufer sein Produkt auf Ebay an – und bereichern sich daran.

Dass ein anderer Händler ähnliche Produkte hat, klingt erst einmal eher üblich als verdächtig. Wären da nicht die überhöhten Preise, die identischen Produktfotos und Artikelbeschreibungen und der Fakt, dass es sich bei den Ebay-Verkäufern um Personen handelt, die nicht verifiziert sind. Der Amazon-Händler ist nämlich nicht nur Verkäufer, sondern auch Hersteller seines Produktes und arbeitet nur mit wenigen von ihm verifizierten Händlern zusammen.

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Gekauft bei Ebay, verschickt durch Amazon

Doch wie läuft der Bestellvorgang ab, wenn die Ebay-Händler gar nicht verifiziert sind? Stutzig geworden ist der Hersteller, als er Ebay-Bewertungen gelesen hat: Manch ein Kunde gab verwundert an, dass seine Bestellung in einem Amazon-Päckchen ankam. Dieser Umstand legt das Geschäftsmodell der Ebay-Händler offen: Diese bieten die Waren des Amazon-Händlers zu einem teureren Preis an. Kauft ein Kunde das Produkt bei Ebay, wird eine Bestellung bei Amazon ausgelöst. Der Amazon-Händler bekommt ganz normal sein Geld und das Produkt wird direkt an den Käufer geschickt. Die Differenz streicht der Ebay-Händler als Gewinn ein.

Einen direkten finanziellen Schaden erleidet der Amazon-Händler durch diese Aktion also nicht. Dennoch stimmt ihn der mögliche Imageschaden unzufrieden: „Befremdlich ist jedoch, dass es für unsere Kunden so aussehen könnte, als würden wir versuchen, überhöhte Preise für unsere Artikel zu erzielen.”

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Stecken Bots hinter der Kopier-Aktion?

Da teilweise das ganze Sortiment samt Produktfotos und Artikelbeschreibung kopiert wird, werden Bots, also automatisch agierende Programme, hinter der Aktion vermutet. Ob weitere Händler betroffen sind, ist uns zur Zeit noch unbekannt. Neben dem Imageschaden, den eine solche Aktion verursacht, steht hier natürlich noch der Schaden durch den Diebstahl der urheberrechtlich geschützten Bilder im Raum.

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Noch mehr Händler betroffen?

Bisher ist noch unklar, ob es sich bei diesen Vorgehensweisen um Ausnahmefälle oder eine gängige Praxis handelt. Sollten auch Sie solche Aktivitäten beobachtet haben oder selbst betroffen sein, hinterlassen Sie uns einfach einen Kommentar.

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Sandra May

Sandra May

Expert/in für: IT- und Strafrecht

Veröffentlicht: 16.01.2019
img Letzte Aktualisierung: 23.06.2022
Lesezeit: ca. 2 Min.
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KOMMENTARE
10 Kommentare
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Timo Graupe
18.04.2023

Antworten

Auch das gleiche Problem
Habe bei ebay bestellt und Amazon hat geliefert. Bin ja selber schuld!
Also immer ordentlich recherchieren wer die besten Preise hat.
!
FranzMan
02.09.2022

Antworten

Habe soeben genau das erlebt: bestellt bei eBay, ein paar mehr Euro bezahlt, um eben NICHT bei Amazon zu bestellt, und dann kam ein Amazon-Paket! Schöne Scheisse!
Harald A.
29.07.2022

Antworten

Ich hab jetzt folgendes Problem das ich eine Artikel bei ebay bestellt und es wurde mit Amazon Logistics versandt. Laut Sendungsverfolg ung wurde es auch zu gestellt. Ich oder keiner meiner Nachbarn hat es entgegen genommen und Paktet ist nicht auf zufinden. Witzig ist ich hat an selben Tag eine Bestellung über Amazon Dirket und Amazon Logistgics das lag vor meiner Haustür. Amazon konnte mir mit der Sendungsnummer nicht helfen da die Sendung nicht in meinem Konto ist. Ich soll mich an Ebay und dem Verkäufer wenden.

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Antwort der Redaktion

Hallo Harald,

das ist auch korrekt. Selbst wenn der Ebay-Händler das Produkt bei Amazon bestellt und den direkten Versand zu dir veranlasst ist, ist er für die Zustellung zuständig.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
Mao
18.04.2022

Antworten

Als chinesische Verkäufer(arbei te in DE) kann ich euch Mal die Sachen erklären.
Als Verkäufer werden wir den Artikel nie nur in einem Marktplatz einstellen, sondern gleichzeitig auf Amazon,eBay, real usw... Dazu nutzen wir immer ein ERP System, z.B Plentymarkets. Als Versandort haben wir einige Möglichkeiten: 1. wir schicken alle unsere Waren zu einem Lieferdienstanb ieter in Deutschland,da werden die Waren sortiert, wir exportieren täglich die Aufträge aus ERP System und schicken sie zu dem Lieferdienstanb ieter. 2. Falls ein Artikel wird meistens auf Amazon verkauft und nur selten auf eBay verkauft, senden wir die Waren einfach zu Amazon, da werden die Aufträge automatisch durch Amazon verschickt. Wenn wir Aufträge von Ebay bekommen, exportieren wir den Aufträge als Excel Form und auf Amazon Logistik hochladen,deswe gen werden machmal ebay Kunden Pakete aus Amazon bekommen. Die Versandkosten von Amazon ist manchmal sogar billger als DHL. Aber das bedeutet nicht, dass wir einfach Ihre Adresse in Amazon eintragen und eine Bestellung auf Amazon abgeben, da fallen noch Amazon Verkaufsgebühre n an und lohnt sich überhaupt nicht. Amazon hat in diesen Fall nur als Lieferdienst gearbeitet und nur die Liefergebühren bei uns kassiert.
Lux
13.04.2022

Antworten

@Martin: Die chinesichen Händler die als Standort Frankfurt stehen haben, haben Ihre Ware nach meiner Erfahrung in einem Fulfilment Center von orangeconnex im Umland von Frankfurt am Main eingelagert. Der Versand erfolgt entsprechend von dort und ist in aller Regel recht schnell. Natürlich stellen diese Händler ihre dort eingelagerte Ware sowohl bei Ebay, Amazon, Kaufland, Aliexpress usw. ein. Und natürlich sind die Preise immer an das auf dem jeweiligen Marktplatz sinnvolle Preisniveau angepasst.

Hier wird also weder ein "System umgangen", noch sind das Anbieter die "mit kopierten Angeboten" tricksen. Es sind einfach chinesische Händler, die Ihre Ware überall verkaufen und die Lieferung von einem lokalen Logistiker vornehmen lassen. Man muß also auch nicht "leider genau hinschauen leider." Es sei denn man hat etwas gegen chinesische Händler.

Weitere solche typischen Standorte mit China Fulfillern sind übrigens: "Bremen, Hamburg, Karlsruhe, Neumark, Jenec, Prag. Die letzten 3 stehen alle für einen Versand aus dem Umland von Prag. Neumark ist das DHL Depot in Sachsen, in das die Brücken mit den fertigen Paketen eingeliefert werden. Diese Quelle ist nach meiner Erfahrung meist die schnellste. Spät Abend bestelltes, wird wird oft schon in der selben Nacht in Prag gepackt und hat dann am frühen Nachmittag im DHL Depot Neumark den ersten Scan. Und ist am nächsten Morgen in der Zustellung...

Bei Unzufriedenheit en sind China Händler in aller Regel äußerst offen für Preisnachlässe, als Alternativangeb ot zur Rückgabe.

Ich kaufe da immer wieder gerne ein. Wenn man bei Ebay (unter 150€) kauft, und zwar mit einem Ebay Account in dem KEINE VAT ID hinterlegt ist, bekommt man von Ebay auch die entsprechende Rechnung mit 19% dt. MwSt. ausgestellt. Nur mit einem Business Account mit VAT ID sollte man tunlichst nicht dort einkaufen. Dann zahlt man nämlich den gleichen Betrag, erhält aber keine MwSt. ausgewiesen, zahlt also effektiv mehr, zumindest dann wenn man Vorsteuerabzugs berechtigt ist.
Martin
13.04.2022

Antworten

Hallo

Ja das hatte ich jetzt auch schon 2x scheint also kein Einzelfall zu sein.
Viele Händler stellen auch mittlerweile Waren rein mit dem Artikelstandort > Frankfurt. Der eigentliche Händler sitzt aber in China und Versende auch von dort. Um das system zu umgehen wenn man nach > Artikelstandort Deutschland sucht. Man muss leider genau hinschauen leider.


Mit freundlichen Grüßen
Tom
23.01.2022

Antworten

Ich bestelle bewusst nicht bei Amazon. Aus diesem Grund habe ich bei einem EBay Händler bestellt (das Produkt hat 11 Euro mehr als auf Amazon gekostet - aber das war es mir Wert, dass ich nicht Amazon nutze). Die Ware kam dann jedoch eindeutig von Amazon und der Ebay Händler hat sich die 11 Euro eingesteckt. Jetzt schicke ich das Paket auf eigene Kosten zum Händler zurück, der das höchstwahrschei nlich wieder an Amazon sendet. Ökobilanz von -1000%. Ich habe dafür kein Verständnis und möchte rechtlich gehen den Händler vorgehen. Was kann ich machen. Gibt es noch andere, die bei eBay auf neromaximus-sho p eingekauft haben?

__________________________________________________________________________

Antwort der Redaktion

Lieber Tom,

leider werden Sie hier nicht viel machen können. Das Vorgehen nennt sich Dropshipping und ist eine gängige Handelspraxis.
Wir berichteten u. A. hier darüber:
onlinehaendler-news.de/.../...

Natürlich ist es ärgerlich, wenn Sie als Kunde Amazon gezielt vermeiden wollten. Letztlich hat der Händler, über den Sie kaufen, ja aber immer einen weiteren Lieferanten am anderen Ende stehen - ob dies nun direkt die herstellende Fabrik ist oder wiederum über ein weiterer Unterhändler ist nicht rechtlich verankert.

Beste Grüße
die Redaktion
lux
18.10.2021

Antworten

@hobby-eisenhammer

Nein, aus rechtlicher Sicht funktioniert das nicht so.
Der Vertrag kommt zustande zwischen dem Ebay Käufer und dem Ebay Verkäufer (Aussenverhältn is). Es gelten somit die Bedingungen, die der Käufer akzeptiert hat. Das Innnenverhältni s, also das Vertragsverhält nis des Ebay Verkäufers zum Amazon Verkäufer braucht den Ebay Käufer nicht zu interessieren. Sein Ansprechpartner ist und bleibt der Ebay Verkäufer. Das gilt auch für Rücksendung und Gewährleistung. Dabei ist es auch ok, wenn der Verkäufer eine Rücksendung an die Rücksendeanschr ift des Amazon Verkäufers haben möchte (sofern kein erhöhter Aufwand für den Käufer entsteht). Bei Problemen bleibt aber immer der Ebay Verkäufer der zuständige Ansprechpartner des Ebay Käufers.
hobby-eisenhammer
15.10.2021

Antworten

Sehe ich nicht so. Der Endkunde erhält nur die Adresse und liefert zu Bedingungen die er nicht vereinbart hat. Da der Endkunde ja wo anders gekauft hat. Auch bei Rücksendungen kann es Probleme geben.
lux
14.10.2021

Antworten

@Thomas Widenka: Was ist daran verwerflich? So funktioniert Handel: Günstiger einkaufen als verkaufen. Das Verfahren bei dem man selbst die verkaufte Ware nicht hält, sondern einen Lieferanten direkt den Versand an den Kunden machen läßt nennt man Dropshipping. Und 60€ Marge bei 228€ Verkaufspreis sind alles andere als sonderlich viel. Davon muß der Verkäufer dann noch die Einstell- und Verkaufsgebühre n / Paypalgebühr auf 228€ bezahlen, er hat des Rückgabe und Gewährleistungs risiko. Tatsächlich lohnt sich das kaum. Droppshipping ist ein ganz normales und legales Geschäftsprinzi p. Dass Artikel an einem Ort teurer sind als an einem Anderen ist auch nichts ungewöhnliches. Preisrecherchen sollte man machen, bevor man bestellt, nicht danach. Und durch welche Hände ein Artikel schon geflossen ist, bzw. wer an einem Verkauf alles verdient, kann man für gewöhnlich auch nicht nachvollziehen ...