Globaler Handel: „Deutsche KMU sollten sich mehr trauen!“

Veröffentlicht: 27.06.2024
imgAktualisierung: 27.06.2024
Geschrieben von: Ricarda Eichler
Lesezeit: ca. 5 Min.
27.06.2024
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ca. 5 Min.
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Alibaba.com App auf Smartphone
© sharafmaksumov / Depositphotos.com
Mit neuen Preisstrukturen möchte Alibaba.com kleine Unternehmen bestärken den Schritt in den globalen Handel zu starten. Im Interview erklärt Nik van der Beek welche Hemmungen es noch gibt.


Mit seiner Offensive für kleine und mittelständische Unternehmen will Alibaba.com den deutschen B2B-Markt auf die globale Bühne führen. Ein großes Unterfangen, vor allem als chinesischer Konzern. Wir sprachen mit Nik van der Beek, Head of Marketing bei Alibaba.com, darüber, wie wichtig Partnerschaften für diesen Prozess sind, und warum die deutschen Unternehmen mehr wagen sollten.

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Angst vor dem Unbekannten: Darum zögern KMU, global zu expandieren

Onlinehändler News: Was hält deutsche KMU davon ab, global zu agieren?

Nik van der Beek: Viele der Unternehmen haben einfach Angst. Diese Angst ist dabei auch darin begründet, dass sie die zur Verfügung stehenden Tools nicht verstehen und sich folglich auch zu wenig überhaupt mit diesen beschäftigen. Das betrifft nicht nur Plattformen wie Alibaba.com, sondern auch übergreifende KI-Tools. Diese bieten so viele Möglichkeiten, um ohne große Vorkenntnisse einfach in den globalen Handel zu starten, aber dafür muss man es zumindest erst einmal wagen.

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Wie hilft Alibaba.com dabei, diese Hemmungen abzubauen?

Mit unserem neuen Easy Start Paket senken wir die Einstiegshürde erst einmal massiv. Für 9 US-Dollar können Unternehmen unsere Plattform mitsamt sämtlichen Funktionen für drei Monate testen. Viele neue Verkaufsplattformen haben verhältnismäßig hohe Kosten. Das schreckt natürlich gerade kleine Unternehmen ab. Es kostet schließlich nicht nur Geld, sich mit einer solchen zu befassen. Wenn man dann merkt, dass die Plattform doch nicht zum Unternehmen passt, dann hat man womöglich viel Zeit und Geld in den Sand gesetzt.

Diese Negativerfahrung wollen wir minimieren und laden zum einfachen Start ein. Die Unternehmen können dabei auch von unserer KI-Suite, dem Smart Assistant, profitieren. Dieser kann die eigene Produktivität bis zu 30 Prozent steigern. Man kann frei wählen, in welchem Modus man den KI-Assistenten nutzt: Im Modus „Captain“ führt die KI eigenständig Optimierungen durch und beantwortet initiale Kundenanfragen. Im „Advisor“-Modus werden lediglich Vorschläge gemacht, welche man dann akzeptieren oder verwerfen kann. 

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Unser Fokus liegt derzeit auf dem DACH-Markt

Bietet Alibaba.com das Easy Start Paket auch in anderen europäischen Märkten an oder fokussiert ihr euch gezielt auf Deutschland?

Nik van der Beek und Ricarda Eichler

Wir haben vor rund vier Jahren in Europa zunächst mit Italien angefangen und dort erst einmal getestet, wie Europa die Plattform überhaupt annimmt. Alibaba.com existiert ja bereits seit 25 Jahren und war ursprünglich mal dazu gedacht, chinesischen Unternehmen beim globalen Export zu helfen. Für die Expansion des Dienstes nach Europa mussten wir uns also erst einmal ansehen, wie wir die Plattform verändern können, um auch andere Märkte anzusprechen.

Mittlerweile liegt unser Fokus innerhalb Europas vor allem auf den DACH-Märkten. Trotzdem haben wir auch Teams in Italien, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich.

Wir schauen aber natürlich darauf, welche Länder historisch bereits stark im Exportgeschäft waren. 

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Alibaba.com: Klimaneutral bis 2030

Unternehmen aus China stehen hierzulande oft in der Kritik, wenig nachhaltig und für den hiesigen Markt eher eine Bedrohung als eine Bereicherung zu sein. Wie geht Alibaba.com mit derartiger Kritik um? Und wie nehmt ihr hiesigen Unternehmen eventuelle Bedenken vor einer Zusammenarbeit?

Die Alibaba-Gruppe besteht aus mehreren Teilunternehmen, eines davon ist auch der B2C-Bereich, den ein Großteil dieser Kritikpunkte betreffen. Unser Kerngeschäft ist dagegen das B2B-Geschäft. Wir unterstützen Unternehmen, also auch KMU, dabei, ihr eigenes Exportgeschäft aufzubauen.

All die Punkte wie günstige Waren, die gezielt Zollfreigrenzen nutzen oder mit Tausenden Paketen die Frachtflugzeuge befüllen, betreffen unseren Bereich nicht. Wir handeln vor allem mit Containerware und auf diese wird natürlich regulär Zoll gezahlt.

Was das Thema Nachhaltigkeit angeht, so hat sich Alibaba.com auf die Fahne geschrieben, bis 2030 klimaneutral zu agieren. Zudem bietet unsere Plattform eine Möglichkeit, den globalen Handel ohne zusätzliches Reiseaufkommen zu bewerkstelligen. Das, wofür früher Menschen zu Messen umherreisten, geht über Alibaba.com alles digital. Damit reduzieren wir einen gewissen Anteil an Flugreisen. 

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Den deutschen Markt erkunden: Marktforschung und Partnerschaften

Wie stellt Alibaba.com sicher, dass auf die spezifischen Wünsche und Anforderungen deutscher KMUs eingegangen wird? Stellt ihr eigene Marktforschung an?

Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Studien in Auftrag gegeben. Anfangs schauten diese vor allem darauf, wie bekannt die Marke Alibaba.com hierzulande ist und wie die allgemeine Stimmung gegenüber dieser ist. Als Head of Marketing ist genau das und die dahingehende Aufklärung natürlich meine Hauptaufgabe.

Vor zwei Monaten haben wir erst eine Studie unter europäischen KMU beauftragt, in welcher gefragt wurde, wie die Unternehmen aktuell in die Zukunft blicken. Auch um den Status der Digitalisierung und der Befähigung im Umgang mit digitalen Tools, wie KI, ging es. Die meisten der befragten Unternehmen äußerten sich dabei durchaus positiv, was die Erwartungen an den digitalen Handel betrifft. 

Trotzdem fehlte bei vielen ein konkretes Verständnis für die Anwendung digitaler Tools. Zum Beispiel sagten über 90 Prozent der KMU, dass sie durchaus daran glauben, dass KI den digitalen Handel verändern wird, sich selbst aber überhaupt nicht hinreichend befähigt fühlen, diese Möglichkeiten auch selbst zu nutzen.

Mit welchen Partnerschaften stellt ihr sicher, im Sinne der deutschen Unternehmen zu agieren?

Als chinesischer Tech-Konzern nach Europa zu kommen und zu erwarten, mit den gleichen Geschäftspraktiken wie in China agieren zu können, wäre ein großer Fehler. Damit wir genau diesen nicht machen, arbeiten wir viel mit lokalen Partnerschaften. Der Vorteil davon ist nicht nur, dass man Vertrauen schafft, sondern auch, dass man viel schneller miteinander ins Gespräch kommen kann.

Daher arbeiten wir mit führenden Digital- und Handelsverbänden wie dem Händlerbund, dem BEVH oder dem ECC Köln zusammen. Aber auch übergreifende Vereinigungen, wie der TÜV Rheinland, zählen zu unseren Partnern. Durch deren Zertifizierungen von Händlern, Herstellern sowie Käufern möchten wir letztlich auch Vertrauen in unsere Prozesse schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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Ricarda Eichler

Ricarda Eichler

Expert/in für: Nachhaltigkeit

Veröffentlicht: 27.06.2024
img Letzte Aktualisierung: 27.06.2024
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