Temu als „gefährliche Schadsoftware“ – Klage eingereicht, Temu widerspricht (Update)

Veröffentlicht: 01.07.2024
imgAktualisierung: 01.07.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 4 Min.
01.07.2024
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ca. 4 Min.
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Logo der Shopping-App Temu auf einem Mobiltelefon
© wavemoviesmw / Depositphotos.com
Eine Klage in den USA erhebt schwere Vorwürfe gegen die Shopping-App Temu. Sie soll agieren wie eine Schadsoftware.


Erneut sieht sich Temu mit einer rechtlichen Auseinandersetzung konfrontiert: In einer Klage, die der Generalstaatsanwalt des US-amerikanischen Bundesstaates Arkansas, Tim Griffin, gegen das Unternehmen eingereicht hat, wird Temu beschuldigt, auf betrügerische Handelspraktiken zurückzugreifen und damit gegen das Landesgesetz zu verstoßen. Solche Anschuldigungen kennt man auch aus dem europäischen Raum, wo der E-Commerce-Anbieter in den vergangenen Monaten ebenfalls mit Kritik, Abmahnungen und Klagen überzogen wurde.

Aufhorchen lässt allerdings ein weiterer, scharf formulierter Vorwurf: „Temu gibt vor, eine Online-Einkaufsplattform zu sein, ist aber eine gefährliche Schadsoftware, die sich heimlich Zugang zu praktisch allen Daten auf dem Mobiltelefon eines Nutzers verschafft“, wird Griffin von The Verge zitiert.

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Auch Schwestern-App Pinduoduo steht unter Verdacht

Die Anschuldigungen, die gegen Temu vorgebracht werden, ähneln jenen Vorwürfen, die auch schon gegen die App Pinduoduo vorgetragen wurden. Dabei handelt es sich um eine Schwesterfirma von Temu: Beide Apps gehören der PDD Holdings. 

In einem umfangreichen Bericht von CNN aus dem Jahr 2023 wurde das Vorgehen der Pinduoduo-App beleuchtet: Sicherheitsforscher kamen in diesem Rahmen zu dem Schluss, dass die Shopping-App in der Lage sei, Sicherheitssysteme von Smartphones zu umgehen, private Nachrichten zu lesen und auch Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer in anderen Apps zu überwachen. Selbst Einstellungen könne sie ändern, so die Experten. Enthaltene Malware, also Schadprogramme, ermöglichen es der Pinduoduo-App beispielsweise, Schwachstellen im Betriebssystem von Android ausnutzen, heißt es weiter. 

„Wir haben noch nie erlebt, dass eine Mainstream-App wie diese versucht, ihre Privilegien zu erweitern, um Zugriff auf Dinge zu erhalten, auf die sie keinen Zugriff haben soll“, wurde damals Mikko Hyppönen zitiert, Forschungsleiter beim finnischen Sicherheitsunternehmen WithSecure.

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Temu noch gefährlicher als Pinduoduo?

Die Shopping-App Temu sei, der Klage aus Arkansas zufolge, von der Schwestern-App Pinduoduo abgeleitet worden. Pinduoduo selbst war in der Vergangenheit bereits aus Googles Play Store verbannt worden, weil sie Malware enthalten habe, die „es der App nicht nur ermöglichte, unerkannt auf praktisch alle auf den Telefonen gespeicherten Daten zuzugreifen, sondern auch, sich selbst neu zu kompilieren und möglicherweise ihre Eigenschaften zu ändern, sobald sie einmal installiert war“, zitiert Verge aus der Klage. Diese Vorgehensweise der App ziele darauf ab, möglichst unerkannt zu bleiben.

Temu könnte laut den Vorwürfen der nun eingereichten Klage wohl noch gefährlicher sein als Pinduoduo, da sie mutmaßlich in der Lage sei, Mobiltelefone zu hacken und vorhandene Einstellungen rund um Datenschutz außer Kraft zu setzen. Diese Vorwürfe beziehen sich auf Erkenntnisse eines Berichts der Firma Grizzly Research.

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Temu bestreitet Vorwürfe (Update vom 01.07.2024)

Die Anschuldigungen, die im Rahmen der jüngsten US-Klage gegen Temu erhoben werden, will das Unternehmen nicht stehenlassen. Gegenüber OnlinehändlerNews widersprach der Marktplatz den Kritikpunkten und kommentierte, dass diese auf Fehlinformationen beruhen würden.

„Wir sind überrascht und enttäuscht von der Generalstaatsanwaltschaft von Arkansas, dass sie die Klage ohne eine unabhängige Tatsachenfeststellung eingereicht hat. Die Anschuldigungen in der Klage beruhen auf Fehlinformationen, die im Internet vor allem von einem Leerverkäufer verbreitet wurden, und entbehren jeder Grundlage. Wir weisen die Anschuldigungen kategorisch zurück und werden uns energisch verteidigen“, so ein Sprecher.

Als „neues Unternehmen mit einem innovativen Lieferkettenmodell“ sieht sich Temu dem Statement zufolge einer Reihe von Hürden gegenüber. So werde man von einigen Branchenteilnehmern demnach „missverstanden und nicht willkommen geheißen“. Aufgeben wolle der Anbieter dennoch nicht: „Wir sind langfristig orientiert und glauben, dass eine genaue Prüfung letztlich unserer Entwicklung zugutekommt. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Handlungen und Beiträge zur Gemeinschaft im Laufe der Zeit für sich selbst sprechen werden“, so das Unternehmen weiter.

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Expert/in für: Amazon

Veröffentlicht: 01.07.2024
img Letzte Aktualisierung: 01.07.2024
Lesezeit: ca. 4 Min.
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KOMMENTARE
1 Kommentare
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Moira
28.06.2024

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Naja, wer die AGB´s durchliest, die man als Voraussetzung zur Installation der APP auch bestätigen muss, bekommt das schwarz auf weiß so gesagt......des wegen habe ich auch gleich kehrt gemacht....