Drohende Sperrung: Amazon-Händler berichten von Chaos durch System-Fehler

Veröffentlicht: 04.07.2024
imgAktualisierung: 04.07.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 4 Min.
04.07.2024
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ca. 4 Min.
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rohende Sperrung: Amazon-Händler
© akulamatiau / Depositphotos.com
In den USA hat ein Fehler im System zu Problemen bei Amazon-Händlern geführt. Im SellerCentral machten sie ihrem Ärger Luft.


Händlerinnen und Händler auf Amazon sind stets angehalten, sich strikt an die Richtlinien des Online-Marktplatzes zu halten, andernfalls drohen Konsequenzen, schlimmstenfalls Sperrungen, die mit viel Arbeit, Ärger und Umsatzeinbrüchen einhergehen können. In den USA kam es in den vergangenen Tagen allerdings zu einem kuriosen Vorfall, durch den Händlerinnen und Händler scharfe Konsequenzen angedroht wurden – die betroffenen Seller traf dabei aber gar keine Schuld.

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Ein Sitzbezug wird zur Pflanze

Offenbar führte ein Fehler im System kürzlich dazu, dass viele Produkte plötzlich gegen Amazon-Richtlinien verstießen – weil sie fälschlicherweise der Kategorie „live plant or seed products“ (zu Deutsch: „lebende Pflanzen oder Samen“) zugeordnet wurden. 

Im SellerCentral zeigten sich Dutzende Betroffene empört und verärgert, weil diese falsche Behauptung durch das System nicht nur ein administratives Problem darstellt, sondern sogar die Geschäfte bedrohe: Sie wurden in Nachrichten ermahnt, dass die Angebote, die vermeintlich gegen die Richtlinien verstoßen, entsprechend gesperrt würden, wenn die Fehler nicht behoben werden.

„Das ist einfach lächerlich!! Heute Morgen wurden 17 meiner ASINs wegen Verstoßes gegen die Produktbeschränkungen als ,lebende Pflanzen oder Samen‘ eingestuft. Mir wurde gedroht, dass die Angebote in den nächsten Tagen entfernt würden, wenn ich nicht auf die Anfrage reagiere. Ist das euer Ernst? Ich habe in meinem Leben noch nie lebende Pflanzen oder Samen verkauft. Meine Produkte sind Wohnmobilabdeckungen, Sitzbezüge und Bootsabdeckungen. Jeder normale Mensch könnte anhand meines Angebotstitels erkennen, dass es sich nicht um Pflanzen oder Samen handelt. Ich weiß nicht, wie viele meiner ASINs in den nächsten Tagen betroffen sein werden. Unglaublich!“, schrieb ein betroffener Seller.

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Händler berichten von teils Hunderten betroffenen Produkten

Unter seinem Beitrag haben sich in den vergangenen Tagen viele Dutzende Händlerinnen und Händler zu Wort gemeldet, die von demselben Problem betroffen sind. Nach aktuellem Stand (04.07.2024, 10 Uhr) gibt es mehr als 60 Reaktionen: „Du bist nicht allein, Kumpel ... uns geht es hier allen gleich“, kommentierte ein User. „Das ist einfach verrückt. Ich bleibe die ganze Nacht wach, weil jede Stunde falsche Behauptungen über neue ASINs auftauchen. Nur um einen neuen Einspruch einzulegen. Amazon verarscht mich heute Nacht“, erzählte ein anderer.

Liest man durch die zahlreichen Berichte der Händlerinnen und Händler, so waren nicht Produkte in einer bestimmten Kategorie von der falschen Zuordnung betroffen. Vielmehr war der Fehler bei Angeboten in den unterschiedlichsten Segmenten zu finden: Die Rede ist beispielsweise von Metallwaren, Schmuck, Stoffen, Autozubehör, Kleidung, Aufkleber, Geschirr, Lebensmittel etc. 

Während manche Seller außerdem berichteten, dass bei ihnen nur einige wenige Produkte betroffen seien, sprachen andere von Hunderten betroffenen ASINs. Immer wieder wurde dabei auch Kritik am Algorithmus des Marktplatzes bzw. der genutzten künstlichen Intelligenz geübt, auf die die Fehler wohl mutmaßlich zurückgeführt werden.

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Kritik auch am Händler-Support

Wie in den Berichten anklingt, gab es Händler, die jeden betroffenen Artikel einzeln bei Amazon meldeten, um die Probleme aus dem Weg zu schaffen. Andere sahen bei der Masse betroffener Produkte darin eher keine Lösung: „Ich reiche keine 77 einzelnen Einsprüche ein, weil das ein Fehler von Amazon ist. Ich habe 1 Sammeleinspruch eingereicht, in dem alle ASINs aufgelistet sind, für die sie Verstöße gemeldet haben. Sie werden wahrscheinlich Wochen brauchen, um das zu klären und zu lösen. Komm schon, Amazon, kannst das besser!“, schrieb ein Nutzer.

Das Problem wurde offenbar nicht nur aufgrund der betroffenen Artikelzahl als komplex eingestuft, sondern auch, weil es sich zunächst offenbar nicht zeitnah beheben ließ. Einige Nutzerinnen und Nutzer berichteten direkt nach dem Auftreten der fälschlichen Verstöße von einer eher schwierigen Kommunikation mit den Amazon-Teams: „Was noch frustrierender ist: Bei Amazon scheint niemand zu helfen oder sich darum zu kümmern. Das ist ein Fehler. Keine schnellen Lösungen? Billionen-Dollar-Website und es scheint, als ob niemand auf dem Kapitänssitz sitzt“, so ein weiterer Kommentar. 

Kritik gibt es dabei auch an Amazons personellen Einsparmaßnahmen, die sich mutmaßlich auf die Qualität des Händler-Supports auswirken.

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Fehler sollen mittlerweile schnell behoben werden

Untätig blieb Amazon trotz der Kritik nicht: In einem Kommentar bedankte sich eine Moderatorin aus dem Team für die zahlreichen Hinweise. „Bitte beachten Sie, dass wir an diesem Problem arbeiten und Sie informieren, sobald wir weitere Informationen haben“, hieß es dabei. 

Mittlerweile scheinen die Probleme zumindest so weit im Griff zu sein, dass gemeldete Fälle zeitnah entfernt werden. Einem Händler wurde demnach auch mitgeteilt, dass die Probleme auf einen technischen Fehler zurückzuführen seien.

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Expert/in für: Amazon

Veröffentlicht: 04.07.2024
img Letzte Aktualisierung: 04.07.2024
Lesezeit: ca. 4 Min.
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KOMMENTARE
6 Kommentare
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COCO
08.07.2024

Antworten

Bei uns wurde zwar nicht die Kategorie geändert, aber einfach Handy-Bilder angezeigt durch Amazon anstatt unsere hochgeladenen Bilder. Wohl gemerkt handelt es sich nicht um Handys, sondern um beispielsweise Taschen, Tassen und anderen Wohnaccessoires . Das passiert immer wieder mal und betrifft meistens eigens gekaufte EANS für die Artikel, weil die betroffenen Modelle keine eigenen hatten im Vorfeld. Einspruch eingereicht und wir sollten beweisen, dass die Bilder falsch sind, obwohl das Produkt mit Titel, Beschreibung und Kategorie ja offensichtlich kein Telefon ist. Hier liegt ganz klar ein Fehler bei Amazon vor. Also trotzdem alles Mögliche hingeschickt als 'Nachweise' und doch dauert es etliche Male bis man überhaupt mal keine Textbausteine als Antwort bekommt. Der Telefonservice wie gewohnt keine Hilfe dabei. Nach vielen Malen des Hin- un Herschreibens sind jetzt wieder die korrekten Bilder drin. Mal sehen wie lange dieses Mal - die Hoffnung stirbt zuletzt. Es nervt einfach, wenn Amazon nicht bei sich die Fehler sucht und behebt, sondern erst einmal pauschal den einzelnen Seller beschuldigt bar jeder Logik, vor allem wenn es offensichtlich ein wiederkehrendes Problem ist und / oder es viele andere auch betrifft.
Andreas Schlagenhauf
05.07.2024

Antworten

Ich habe nun schon mehrfach Produkte bei Amazon eingestellt, die immer wieder innerhalb von 10-12 Stunden von Amazon entfernt wurden. Immer mit derselben Begründung. Komisch ist nur, dass exakt dieselben Produkte von unzähligen anderen Händlern schon seit Jahren erfolgreich angeboten und verkauft werden und sogar immer wieder neue Angebote dazu kommen. Aber unser Produkt wollen die nicht. Einen Einspuch einzulegen bringt nichts, anrufen auch nicht. Es gibt niemanden, der in der Lage ist das Problem real zu bearbeiten. Stattdessen heißt es: „Wir haben eine Kombination automatisierter Mittel genutzt, um dieses Problem zu identifizieren und diese Entscheidung zu treffen.“ Ganz genau: „Kombination automatisierter Mittel“. Viele KI Köche verderben den Brei.
M.F.
05.07.2024

Antworten

Hallo,
das Problem mit der Umkategorisieru ng von Produkten gibt es auch in Deutschland.
Obwohl wir unsere Produkte durchgängig korrekt kategorisieren, wird aus einer Nussmischung plötzlich "Bar-Utensilien ". Im dritten Versuch beim Support das wieder korrekt einzustufen, hat es auch geklappt. Die beiden Mitarbeiter davor haben nichtmal verstanden was das Problem ist. Das ist auch nur ein aktuelles Beispiel, gab es schon öfters. Randnotiz zur Erheitung: wir (und sicher auch alle anderen Lebensmittelhän dler) müssen angeben, dass das Lebensmittel keine Batterien benötigt.

Gruß und schönes Wochenende.
Luis Umberto
05.07.2024

Antworten

Der Wahnsinn bei A. ist das Hinweise auf:
falsche Kategorie, damit zu hohe Prov. und damit zu teuer
schwer auffindbar
falsche Beschreibungen
KONSEQUENT ignoriert wird.
K.I.
05.07.2024

Antworten

Zitat: Jeder normale Mensch könnte anhand meines Angebotstitels erkennen...
Unsere Meinung: Diese Art von Menschen gibt es bei Amazon nicht mehr! Menschen kosten Geld - das ist bei Amazon der entscheidende Punkt. Nur kein Geld ausgeben - nur abgreifen. So übernimmt immer mehr die KI ( keine Intelligenz) das Unternehmen. Und dann passieren die oben genannten Pannen. Die Leidtragenden sind nach unseren Erfahrungen immer und ausschließlich die Händler! Traurig aber Wahr!
Andree
05.07.2024

Antworten

Nun vor einigen Monaten wollte ich bei Amazon starten, nachdem die MICH gefragt hatten, um ich mit meinen Produkten nicht auf den Marktplatz kommen möchten, also getan.
Sehr viele Probleme, so gut wie keine Unterstützung.
U.a. hatten andere meine EAN Nummern für Ihre Produkte verwendet, so das ich meine nicht listen konnte.
Ich musste Amazon mit einer Klage drohen das zu entfernen, aber auch dann ging das nur sehr schwer und träge.

Zum Glück war das ganz am Anfang, so dass wir die Reißleine gezogen haben.
Amazon ist ein Saft*****, die wieder mit denen.