PayPal-Konkurrent Wero: Leute, so wird das nichts

Veröffentlicht: 05.07.2024
imgAktualisierung: 05.07.2024
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
05.07.2024
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Facepalm
© DimaBaranow / Depositphotos.com
Wero soll Europas großer Angriff auf PayPal werden. Doch mit einem holprigen Start und fehlenden Funktionen droht das neue Bezahlsystem bereits jetzt zu scheitern.


PayPal ist eine der beliebtesten Zahlungsarten der Welt. Die Einstiegsschwelle ist niedrig, die Benutzung ist einfach und man kann überall damit bezahlen. Auch wenn man amerikanischen Großkonzernen kritisch gegenübersteht, muss man anerkennen: PayPal funktioniert ziemlich gut. Seit Jahren versuchen deutsche und europäische Finanzinstitute und -dienstleister, dem Platzhirsch etwas entgegenzusetzen – und seit Jahren funktioniert das eher schlecht als recht.

Paydirekt wurde jahrelang von deutschen Banken und Sparkassen vorangetrieben und hat es nie geschafft, auch nur annähernd die Marktanteile des großen Konkurrenten anzugreifen. Die Verbindung mit Giropay war vor längerer Zeit das letzte Hurra, mittlerweile ist klar, dass Paydirekt demnächst komplett eingestellt wird. Und jetzt kommt die European Payments Initiative (EPI) – ein Verbund mehrerer europäischer Banken – mit Wero um die Ecke, um den nächsten Versuch zu starten. Die Erfolgsaussichten? Mangelhaft!

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Launch mit angezogener Handbremse verfehlt die Zielgruppe

Die Idee von Wero ist gut. Eine Bezahloption, die unabhängig von einem US-Konzern funktioniert und große Banken im Rücken hat, denen Europäer:innen vertrauen, müsste eigentlich auf Gegenliebe stoßen. Aber schon mit dem Start schaufelt sich Wero sein eigenes Grab. Vorerst ist es ausschließlich möglich, mobile Zahlungen von einem Smartphone auf ein anderes zu tätigen. Ich frage mal unverblümt: Wer macht so etwas überhaupt, abseits von Kleinstbeträgen zwischen Freunden? Online-Payment und die Bezahlung in stationären Geschäften werden erst 2025 bzw. 2026 integriert – bis dahin hat sich Wero als Insellösung positioniert, die kaum ein Mensch im täglichen Gebrauch benötigt.

Die Frage, die sich Nutzer:innen immer stellen, wenn sie etwas Neues ausprobieren: Warum sollte ich das tun? Was wird für mich im täglichen Leben dadurch besser? Zum Start von Wero ist die Antwort erstmal: Gar nichts. Und wenn die wirklich sinnvollen Funktionen dann doch irgendwann kommen, ist Wero als Marke längst verbrannt. Wieso also schon jetzt der Launch, wenn der Großteil des Funktionsumfangs noch fehlt? Wieso ist nicht wenigstens die Bezahlung in Online-Shops direkt integriert? Wieso hat man nicht einfach gewartet, bis alles fertig ist und macht stattdessen diesen Early Access?

Wero soll die „europäische Souveränität im Zahlungsverkehr stärken“, sagt Joachim Schmalzl, Vorstand im Sparkassenverband DSGV. Langfristig wolle man die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern beenden. Das ist ein hehres Ziel, allein: Es wird nicht funktionieren. In einigen Jahren, wenn Wero alles kann, was es soll und mit Millionen subventioniert wurde, aber trotzdem nur Marktanteile im Promillebereich vorweist, dann wird es heißen: Wir stellen Wero ein, weil die Akzeptanz bei den Kund:innen nicht wie erwartet ausgefallen ist. Aber immerhin wird dann der nächste halbgare PayPal-Konkurrent aus Europa längst in den Startlöchern stehen.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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Christoph Pech

Christoph Pech

Expert/in für: Digital Tech

Veröffentlicht: 05.07.2024
img Letzte Aktualisierung: 05.07.2024
Lesezeit: ca. 2 Min.
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KOMMENTARE
2 Kommentare
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Ilias
08.07.2024

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Firmen in Europa möchten nur Geld verdienen ohne zu arbeiten.
Paypal ist nicht nur eine Zahlungsdienstl eistung oder eine Bank.
Gleichzeitig ist Paypal eine Art Versicherung und Kontrolle.
Die Zahlung ist direkt aber dahinter steht Paypal als Versicherer, dass der Kunde sein Geld nicht verliert.
Paypal kontrolliert auch die Sendung.
Ein Produkt kann mehr Umsatz machen wenn das Produkt billiger, besser oder beides ist.
Mathias Wegener
05.07.2024

Antworten

Ein sehr gut zusammengefasst er Bericht, der die Problematik von Wero auf den Punkt bringt.

Es ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Vielleicht noch, dass Wero auch mit einem Mindestbetrag startet. Der Mindestbetrag für Transaktionen beträgt 50 Cent. Folglich fallen Mikrotransaktio nen sofort aus der Zielgruppe von Wero hinaus.

Kreditkarten, Apple Pay oder Google Pay und natürlich einfach PayPal haben alle einen entscheidenden Unterschied zu Wero. All diese Dinge sind entstanden, weil sich clevere Leute mit einem Gespür dafür, was Menschen wollen, hingesetzt haben und versucht haben ein Angebot zu entwickeln, was genau diesen Bedürfnissen entspricht. Entsprechend erfolgreich waren all diese Dinge.

Wero dagegen wurde auf dem Reißbrett entwickelt. Entsprechend politischer Druck kam wohl mutmaßlich dazu und dann taten sich einige wenige größere Banken zusammen, um einfach mal was zu machen. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Bedürfnisse von Kunden und damit die eigentliche Nachfrage am Markt keinerlei Rolle bei der Entwicklung dieses Produktes spielten. Schließlich gibt es bereits etablierte Lösungen auf dem Markt. Sie sind bekannt und werden zahlreich genutzt.

Wero müsste nun eine gewisse Marktlücke erkannt haben beziehungsweise ein Angebot machen, das was die Leute eh schon tun, deutlich besser zu tun. Aber absolut gar nichts davon bietet Wero. Es ist wie gesagt auf dem Reißbrett entstanden, man könnte es auch planwirtschaftl iche Entstehung nennen, und ist in keiner Weise an den Bedürfnissen der Kunden ausgelegt.

Nun gelten Banken nicht gerade als Vorreiter der Kreativität und des technologischen Fortschritts. Ähnliches sagt man ja auch Versicherungsun ternehmen nach. Und das an diesem Vorurteil vielleicht tatsächlich etwas dran ist, zeigt Wero nun nur zu deutlich.

Warum sich etliche Banken für so etwas hergeben, dafür habe ich persönlich nur zwei mögliche Erklärungen. Entsprechend hoher politischer Druck aus Brüssel oder aber komplette Unkenntnis des Marktes und der Bedürfnisse der Kunden. Die einzig verbleibende dritte mögliche Ursache ist die Kombination aus beiden zuvor genannten Gründen.

Leider zeigt Wero erneut, warum Banken, insbesondere größere, einen so schlechten Ruf haben. Man hat auch hier mit Wero wieder alles getan, um diesem Ruf gerecht zu werden.