Falsche Steuersätze: So gefährdet Amazon seine Marktplatz-Händler

Veröffentlicht: 22.06.2021
imgAktualisierung: 22.06.2021
Geschrieben von: Markus Gärtner
Lesezeit: ca. 3 Min.
22.06.2021
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Hand zeigt auf Prozente und Steuern
© Funtap / Shutterstock.com
Durch Fehler in Amazons Umsatzsteuer-Software könnten Händler mehr Steuern zahlen als nötig. Das Tool bringe sogar das Geschäftsmodell in Gefahr, so ein Experte.


In der EU hat jedes Land seinen eigenen Mehrwertsteuer- bzw. Umsatzsteuersatz, hinzu kommen noch ermäßigte Sätze etc. Wer als Online-Händler also europaweit verkaufen will, muss auf Einiges achten. Amazon bietet seinen Marktplatz-Händlern einen eigenen Berechnungsservice für die jeweiligen Umsatzsteuersätze. Statt den Amazon-Händlern aber den Verkauf zu vereinfachen, schafft das Tool aber auch immer wieder Probleme, wie Business Insider berichtet. Das Portal hat dafür mit verschiedenen betroffenen Händlern und Experten gesprochen.

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Fehler in Amazons Umsatzsteuer-Service: „Der Händler hat eine falsche Sicherheit“

Der Umsatzsteuer-Service von Amazon rechnet teils falsche Steuersätze ab – Händler können so Verluste machen. Immer wieder gibt es Kritik von Marktplatz-Händlern. Das weiß auch Tomasz Krzywicki, General Counsel von SellerX, einem Unternehmen, das Amazon-Händler aufkauft und diese vorher unter die Lupe nimmt – über dieses neue Geschäftsmodell haben wir bereits ausführlich berichtet. „Der Händler hat eine falsche Sicherheit, wenn er sich komplett auf den Umsatzsteuer-Berechnungsservice von Amazon verlässt. Bei kleineren Händlern könnten die falschen Steuersätze das ganze Geschäftsmodell infrage stellen“, warnt der Jurist. Denn haftbar für die Angaben in der Steuererklärung sei nicht Amazon – sondern der Händler. Außerdem hätten die Händler „große operative Schwierigkeiten“, wenn diese alle beanstandeten Rechnungen korrigieren müssen.

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Falsche Steuersätze: Amazon-Händler muss mehr Steuern zahlen als nötig

Ein Beispiel: Für bestimmte Produktgruppen wie etwa Babyprodukte und Spielzeug gelten in verschiedenen Ländern ermäßigte Steuersätze – diese werden aber von der Software nicht immer übernommen. Die mögliche Folge: Der Händler verkauft den Artikel etwa um 15 Prozent teurer als seine Konkurrenz – und zahlt mehr Steuern, als er eigentlich müsste. Berechnet das Tool fälschlicherweise den billigeren Steuersatz, könnte es aber ebenfalls teuer werden: Der Händler muss die Differenz später an das Finanzamt zurückzahlen, wenn der Fehler aufgedeckt wird.

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Das sagt Amazon zu der Kritik

Amazon hat sich zu der Kritik am Umsatzsteuer-Service geäußert. Die Methodik des Umsatzsteuer-Berechnungsservice sei für Händler einsehbar, teilte ein Sprecher mit. „Rechnungen, die der Amazon Umsatzsteuer-Berechnungsservice erstellt, basieren auf den Einstellungen, die Verkaufspartnerinnen vorgenommen haben. Unsere zuständigen Teams wurden für die Produkte des Amazon Umsatzsteuer-Berechnungsservice geschult.“ Händler könnten sich jederzeit an den Seller Support wenden.

Zum 1. Juli tritt die Umsatzsteuerreform in der EU in Kraft. Wir erklären, worauf Händler jetzt bei den neuen Lieferschwellen und bei der Nutzung von Amazon Fulfillment achten müssen. 

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Markus Gärtner

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Veröffentlicht: 22.06.2021
img Letzte Aktualisierung: 22.06.2021
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