Deutsche beim Elektro-Recycling überfragt

Veröffentlicht: 11.07.2023
imgAktualisierung: 12.07.2023
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 3 Min.
11.07.2023
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Waschmaschinen am Strand
© Roger costa morera / Shutterstock.com
Einer Studie nach haben deutsche Verbraucher viel Nachholbedarf bei recyclen von Elektro Müll. Aufklärung ist gefragt.


Deutschland als Recycling Weltmeister? Nicht wenn es um Elektroartikel geht, so eine Studie der gfu Consumer & Home Electronics und der Strategieberatung Oliver Wyman. Denn die zeigt, dass in Deutschland ein beträchtliches Informationsdefizit bezüglich des Elektro-Recyclings besteht. So wissen 40 Prozent nicht, dass sie ihre Altgeräte bei Fachhändlern abgeben können. 70 Prozent haben noch nicht von Rückgabemöglichkeiten bei Supermärkten und den Herstellern gehört und 75 Prozent kennen ihr Recht auf Rückgabe im Online-Handel nicht.  Dies habe zur Folge, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Geräte nicht recycelt wird und wertvolle Rohstoffe ungenutzt bleiben.

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Es mangelt an Information

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass bei jüngeren Menschen ein erheblicher Mangel an Wissen über das Elektro-Recycling festgestellt wurde. Nur etwa die Hälfte der Befragten unter 35 Jahren weiß, wie man größere Küchengeräte dem Recycling zuführt. Dennoch zeigen gerade diese jüngeren Menschen den größten Willen zur Veränderung und fordern kostenlose Rückgabemöglichkeiten und eine bessere Aufklärung, denn die entstehenden Probleme können vielfältig sein.

Ohne funktionierende Rücknahme- und Aufbereitungssysteme bleiben wertvolle Rohstoffe ungenutzt und es besteht das Risiko, dass Altgeräte umweltschädigend illegal entsorgt werden. Laut der Studie lagern allein in deutschen Haushalten etwa zwölf Tonnen Gold in Form von ausgemusterten Smartphones. Um diese Problematik anzugehen, bedarf es den Studienautoren zufolge, eines verstärkten Engagements von Herstellern, Händlern und der Politik.

„Wenn es ernst sein soll mit dem European Green Deal, müssen Hersteller schon beim Produktdesign umdenken. Weniger kleben, mehr schrauben – das sollte das Motto sein.“  so der Oliver Wyman Experte Dr. Martin Schulte.

Zudem sollten Händler kostenlose Rückgabemöglichkeiten anbieten, ohne Bedingungen wie den Kauf eines neuen Geräts zu stellen. Die Politik könne den Druck erhöhen, indem sie weitere Regulierungen einführt, um die Rückgabe zum Recyceln einfacher und kostenfrei zu gestalten, so die Autoren. 

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Frankreich als Vorreiter

Ein Blick nach Frankreich zeigt, dass dort bereits Fortschritte gemacht wurden. Als EU-Pilotmarkt für den „Green Deal“ zur Klimaneutralität werden dort beispielsweise Waschmaschinen mit einem „Reparierbarkeits-Index“ versehen. Es gibt auch eine Kampagne für eine Fünf-Jahres-Garantie auf reparierte Elektrogeräte, um die Reparaturquote zu steigern. Dadurch ist die Reparaturquote für Elektrogeräte in Frankreich  mit 32 Prozent bereits höher als in England mit 24 Prozent und Deutschland mit 22 Prozent.

Die Autoren kommen abschließend zu dem Schluss, dass Aufklärung, effiziente Rücknahmesysteme und Anreize vorhanden sein müssen, um den Umgang mit elektronischen Geräten umweltfreundlicher zu gestalten und wertvolle Rohstoffe effizienter zu nutzen. Nur durch das Zusammenwirken von Herstellern, Händlern, Politik und Verbrauchern kann eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft in Bezug auf elektronische Geräte erreicht werden.


Über den Autor

Martin Nebelung absolviert eine Ausbildung zum Kaufmann für E-Commerce und sammelt seit Ende 2022 seine Praxiserfahrungen beim Händlerbund. Eine seiner Stationen im Unternehmen ist dabei die Redaktion von OnlinehändlerNews.

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Veröffentlicht: 11.07.2023
img Letzte Aktualisierung: 12.07.2023
Lesezeit: ca. 3 Min.
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KOMMENTARE
2 Kommentare
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H.S
12.07.2023

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"Dies habe zur Folge, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Geräte nicht recycelt wird und wertvolle Rohstoffe ungenutzt bleiben"

Erhalten die Hersteller / Händler denn auch die bereits bezahlten Beträge aus der Stiftung ear zurück da keine nachweisbare Leistungen erbracht wurden? Wenn jemand nicht registriert ist gibt es Strafen bis zum abwinken - dann sollte aber auch fair abgerechnet und zurück erstattet werden!!!
SIEVERT, Kerstin
12.07.2023

Antworten

Wie wäre es denn, wenn man verstärkt auch die Abfallentsorger mit ins Boot holen würde und aus der gelben Tonne endlich eine allgemeine Wertstofftonne machen würde? Dann könnten gerade kleine Elektrogeräte, wie Fön, Kaffeemaschine, Handrührer und Co., bequem entsorgt werden, ohne dass sie noch mal aufwendig (und die Umwelt belastend) zum Händler transportiert werden müssten und von dort in einen Zerlegebetrieb.