Autonome Fahrzeuge: Alphabet-Tochter Waymo verklagt Uber

Veröffentlicht: 24.02.2017 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 24.02.2017

Bedient sich Uber gestohlener Technologie, wenn es um autonome Fahrzeuge geht? Das wirft die Alphabet-Tochter Waymo dem Unternehmen vor und hat Klage eingereicht. Ein ranghoher Entwickler soll die Technologie entwendet haben.

Selbstfahrender Minivan von Waymo

© Waymo

Waymo erhebt schwere Vorwürfe gegen den Fahrdienst-Vermittler Uber: Das Unternehmen soll sich Technologie bedienen, die ein ranghoher Entwickler von Waymo gestohlen haben soll. Im Zentrum des Konflikts steht laut Spiegel Online deshalb Anthony Levandowski, der an Googles Projekt zum Thema gearbeitet hatte. Levandowski gründete dann im vergangenen Jahr das StartUp Otto, das von Uber übernommen wurde.

So soll die Technologie zu Uber gekommen sein. Es geht dabei um keine unbedeutende Technologie, sondern unter anderem um die Laser-Radare, die man als rotierende Aufsätze auf den Dächern autonomer Fahrzeuge kennt. Das ist eine Schlüssel-Technik für die neuen Fahrzeuge. Die Google-Tochter Waymo, die für die Entwicklung der autonomen Fahrzeuge zuständig ist, hat deshalb Uber verklagt.

Mehrere Mitarbeiter sollen Daten gestohlen haben

Levandowski soll insgesamt 14.000 Dateien mit dem Design verschiedener Systeme vor seinem Abschied von Waymo gespeichert haben. Hier scheinen die Probleme für Waymo aber erst zu beginnen: „Auch mehrere andere Mitarbeiter, die zu Otto wechselten, hätten zuvor vertrauliche Dokumente gespeichert“, berichtete Spiegel Online weiter. Die Klage gegen Uber spricht aus diesem Grund von einem „kalkuliertem Diebstahl“ und wirft Uber und Levandowski Bruch des Geschäftsgeheimnisses, Patentverletzungen und unfairen Wettbewerb vor.

Die Aufdeckung des vermeintlichen Technologie-Diebstahls war für Waymo dabei eher ein glücklicher Zufall. Eine möglicherweise versehentlich verschickte E-Mail von einem Zulieferer machte das Unternehmen offenbar darauf aufmerksam, dass Uber Laser-Radare einsetze, deren Schaltkreise denen von Waymo äußerst ähnlich seien.

Technologie-Diebstahl an der Tagesordnung?

Dass Levandowski sechs Wochen vor seinem Rückzug von Waymo diese große Menge an Daten gesichert habe, deute laut der Alphabet-Tochter auf vorsätzliches Handeln hin. Der Entwickler habe sich mit Uber zusammengetan, um Unternehmensgeheimnisse zu stehlen, wirft Waymo ihm vor. Levandowski soll sogar Kollegen „Monate“ zuvor erzählt haben, dass er die Technologie bei einem Mitbewerber nachbilden werde.

Interessant ist die Klage auch, weil Alphabet über seinen Investment-Arm Google Ventures an Uber beteiligt ist. Rund 260 Millionen Dollar investierte der Konzern im Jahr 2013 in den Fahrdienst-Vermittler. Durch die eigenen Vorstöße von Waymo und die Entwicklung autonomer Fahrzeuge von Uber wurden die Unternehmen aber verstärkt zu Konkurrenten. Dass ranghohe Entwickler sich mit StartUps selbstständig machen und auf eine teure Übernahme durch einen Konkurrenten hoffen, scheint dabei inzwischen zum Tagesgeschäft zu gehören. Ford hatte kürzlich Argo AI übernommen – ein StartUp, hinter dem Brian Salesky, der ehemalige Hardware-Chef der Google-Autos, und ein führender Entwickler von Software für autonome Fahrzeuge bei Uber stecken.

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