Implantierte Mikrochips: Wenn Mitarbeiter optimiert werden

Veröffentlicht: 05.04.2017 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 06.05.2021

Cyborgs – also Mischformen zwischen Menschen und Maschinen – sind Gegenstand zahlreicher Filme, Bücher und Comics. Doch wir leben in einer Zeit, in der die Mechanisierung des Menschen nicht nur Science Fiction, sondern zum Greifen nah ist. Ein aktuelles Beispiel aus Schweden zeigt, dass auch Unternehmen daran interessiert sind, ihre Mitarbeiter durch Implantate und Technologien zu verbessern.

Cyborg: Der digitalisierte Mensch
© kaprik – shutterstock.com

Ein Chip unter der Haut ist vielerorts eine alltägliche Sache: Viele Hunde- oder Katzenbesitzer lassen ihre geliebten Vierbeiner vom Tierarzt chippen, damit sich diese im Fall der Fälle problemlos verfolgen und aufspüren lassen.

Wie ist es nun aber, wenn es nicht um Tiere, sondern um Menschen handelt, die gechippt werden sollen? Für zahlreiche Datenschützer wäre ein solches Szenario unvorstellbar und der absolute Super-Gau. Doch in Schweden gibt es ein Unternehmen, in dem diese Praxis bereits Realität ist.

Chip erlaubt das Öffnen von Türen – und die totale Überwachung

Wie Spiegel Online schreibt, pflanzt ein schwedisches StartUp namens Epicenter Routine seinen Mitarbeitern „Chip von der Größe eines Reiskorns“ unter die Haut. Mit einem kleinen Pieck in „die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger“ ist es getan und der Mensch wird zum Cyborg. Die Verpflanzung des Chips wird ähnlich wie eine Tupperware-Party zelebriert, von einem sogenannten „Bodyhacker“ vorgenommen und geht mit einem kleinen Firmen-Event einher.

Danach sind die Mitarbeiter in der Lage, nur mithilfe einer Wischbewegung über einen Sensor, Türen zu öffnen, Snacks in der Cafeteria zu bezahlen oder aber den Drucker zu aktivieren. „Das ist einfach sehr praktisch“, wird Patrick Mesterton, Chef von Epicenter, zitiert. „Sie können eine ganze Reihe von Dingen ersetzen – Kommunikationsgeräte, Kreditkarten, Schlüssel.“ – Und nebenbei, so die Angst der Datenschützer, könne das Unternehmen seine Arbeitgeber gezielt tracken bzw. kontrollieren.

Wie oft nutzt der Mitarbeiter den Drucker? Kommt er pünktlich? Geht er früher als erlaubt? Wie oft wird ein Gang zur Toilette registriert? – Fragen, die sich mithilfe solcher Chips schon jetzt beantworten lassen.

Die Liste der Vorurteile ist lang

Neben der örtlichen (und auch zeitlichen) Überwachung spielen natürlich auch moralische oder medizinische Aspekte eine Rolle: Zwar löse die Technologie „normalerweise keine Reaktionen im Körper“ aus, doch Nebenwirkungen oder Ausnahmen können eben nicht ausgeschlossen werden. Auch die Frage nach der Sicherheit eines solchen Chips und die Gefahr eines Hacks sind nicht von der Hand zu weisen. Auch ethische Probleme könnten im Zuge von Weiterentwicklungen auftreten.

Egal, ob die gechippten Mitarbeiter als spannende Tech-Neuerung, als künftige Normalität oder als potenzielle Gefahr wahrgenommen werden, die Digitalisierung ist (zum Glück) nicht aufzuhalten und verspricht neue Wege und Möglichkeiten.

 

 

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