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Kolumne

Die fetten Daten-Jahre sind vorbei

Veröffentlicht: 03.05.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 03.05.2019
Smartphone mit Privatsphäre-Einstellungen

Ganz vorneweg: Niemand sollte jetzt in die Illusion verfallen, dass Unternehmen keine Daten mehr über Nutzer sammeln. Auch und vor allem große Konzerne wie Google, Facebook und Amazon sind stark abhängig von den Daten, die sie über ihre Nutzer und Kunden in die Hände bekommen. Denn durch diesen Datenschatz lassen sich mindestens die eigenen Angebote passgenauer auf die Nutzer zuschneiden und damit die Umsätze erhöhen.

Trotzdem scheint sich spätestens seit dem Cambridge-Analytica-Skandal um Facebook ein Umdenken in der Branche durchzusetzen. Das dürfte in vielen Fällen sicherlich nicht von den Konzernen selbst ausgehen, sondern von äußeren Einflüssen provoziert sein. Aber dass Google nun beispielsweise seinen Nutzern ermöglicht, Standort-, Web- und App-Aktivitätsdaten automatisiert in regelmäßigen Abständen zu löschen, lässt aufhorchen.

Google handelt nicht aus eigener Motivation

Denn Google hat sicherlich kein Interesse daran, dass die Daten gelöscht werden. Je länger die Datenerhebung läuft, desto genauer wird das Bild, das sie liefert. Das lässt sich auch im Alltag veranschaulichen: Trifft man einen anderen Menschen für 20 Minuten, lässt sich daraus sicher kein Bild gewinnen, wie dieser Mensch so tickt. Freunde, die man aber nun schon mehrere Jahre kennt, sind dagegen ein ganz anderer Fall.

Google dürfte vielmehr durch das erhöhte Bewusstsein und Verlangen der Menschen nach mehr Kontrolle über ihre Daten dazu bewogen worden sein, seinen Umgang mit den Daten anzupassen. Würde der Konzern diese veränderten Verhältnisse ignorieren, könnte es nämlich Nutzer verlieren – und damit Werbezielgruppen und schließlich Umsätze. Das datengetriebene Werbegeschäft ist die Haupteinnahmequelle von Google, beziehungsweise seiner Mutter Alphabet, und gleichzeitig auch eine große Schwachstelle, denn den Nutzern ist nicht mehr egal, was mit ihren Daten passiert.

Vor einigen Jahren noch war das anders: Als Google erstmals seinen Chrome-Browser auf den Markt geworfen hat, wurde vor der Datenkrake gewarnt. Und die Nutzer reagierten oft zunächst zurückhaltend. Doch inzwischen ist Chrome der meistgenutzte Browser in Deutschland. Seit der Diskussion um die Datensicherheit kommen aber auch andere Namen immer wieder ins Spiel – und der Umgang mit Daten wird heute als Verkaufsargument genutzt.

Facebook wird das Thema aufgezwungen

Das Thema Datensicherheit wird jetzt auch bei Facebook groß aufgezogen: Die US-Handelsaufsicht FTC soll laut Heise Online mit dem Netzwerk darüber verhandelt haben, auf höchster Ebene einen Posten einzurichten, der für die Privatsphäre der Nutzer zuständig sein soll. Diesen sogenannten „Privacy-Vorstand“ soll zwar Facebook bestimmen, die FTC kann aber ihr Veto einlegen. Für das Netzwerk, das unverhohlen mit dem Datenschatz groß geworden ist und darauf basiert, dass die Nutzer möglichst viele Daten einspeisen, ein herber Schlag.

In jedem Fall zeigen diese Entwicklungen, dass auch die großen Konzerne nicht drum herum kommen, sich stärker mit dem Thema Datenschutz und Datensicherheit auseinander zu setzen. Ansonsten droht ihnen eben nicht nur Ärger mit Behörden, sondern langsam aber sicher auch der Unmut der eigenen Nutzer.

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