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Überblick

So hat die Coronakrise den E-Commerce verändert

Veröffentlicht: 25.06.2020 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 14.07.2020
Rote und weiße Pfeile

Anfang April, als in Deutschland gerade die stärksten Beschränkungen aufgrund der Coronakrise galten, haben wir mithilfe einiger Studien und Analysen vier Prognosen aufgestellt, welche Folgen die Pandemie in Zukunft wohl auf den E-Commerce haben wird. Inwischen sind fast drei Monate vergangen, Zeit also, erneut einen Blick auf die Branche zu werfen, was sich in den vergangenen Wochen so getan hat und wie das Gewerbe möglicherweise nach Corona aussehen wird.

Konsumenten werden Lockdown-Verhalten auch nach der Krise beibehalten

Die Deutschen haben während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen auch ihr Konsumverhalten geändert. Zwar nahm das Online-Shopping zu – begünstigt durch die von der Regierung beschlossenen Geschäftsschließungen – im gleichen Zug stieg aber auch das Preisbewusstsein der Konsumenten. Wie die Ergebnisse der fünften Welle des COVID-19-Barometers von Kantar zeigt, eine Studie mit 100.000 Konsumenten in über 50 Ländern, spürt mehr als die Hälfte der Befragten finanziellen Druck. Durch Kurzarbeit und Geschäftsschließungen mussten viele Deutsche in den letzten Monaten finanziell zurückstecken, das zeigte sich natürlich auch beim Online-Shopping. 56 Prozent der Haushalte auf der ganzen Welt haben aufgrund von Covid-19 Einkommensverluste erlitten, wie es in der Kantarstudie heißt. Bei den Millennials sind es 68 Prozent und in der Generation Z 65 Prozent. Außerdem erwarten 19 Prozent der Befragten in Zukunft eine Auswirkung auf ihr Einkommen.

charts covid 19 barometer fuenfte welle

Auch nach der Krise wird ein Teil der Konsumenten weiterhin auf die Preise achten, so ein zentrales Ergebnis der Studie. Mit 37 Prozent rechnet nur ein Drittel der Menschen damit, früher als in zwei bis drei Monaten zu einem normalen Konsumverhalten zurückzukehren. Mehr als die Hälfte (52 Prozent, 57 Prozent Millennials, 55 Prozent GenZ) glauben, dass sie ihr Verhalten während der Pandemie auch danach weiterführen werden, wie es in dem Bericht von Kantar heißt. Unternehmen müssen sich diesen neuen Gegebenheiten anpassen und schließlich auch dafür sorgen, „dass ihre Produkte in diesem neuen Lebensrhythmus als unverzichtbar angesehen werden“, so das Fazit der Studie.

Handwerk profitiert von der Krise

Die eher traditionelle Handwerksbranche hat während der Pandemie den Online-Handel für sich entdeckt. Die Anzahl der Betriebe, die zum ersten Mal online einkauften, nahm seit Beginn der Krise deutlich zu. So konnte der Handwerksspezialist Contorion ein Umsatzwachstum von 20 Prozent verzeichnen. „Im Handwerk zeichnet sich derzeit eine interessante Entwicklung ab“, erklärt Frederick Roehder, Gründer und Geschäftsführer von Contorion. „Wir gehen davon aus, dass das Einkaufsvolumen der Unternehmen in vielen Branchen insgesamt deutlich zurückgegangen ist. Der Gesamtmarkt ist also kleiner geworden. Gleichzeitig verzeichnen wir deutlich mehr Handwerksbetriebe als Neukunden. Das heißt, dass der digitale Fachhandel im Vergleich zum stationären Fachhandel vermutlich an Marktanteilen gewonnen hat.“

infografik coronakrise

Größter Umsatztreiber waren die Privatkunden. So ist die Anzahl der Bestellungen in den Monaten März und April um rund 43 Prozent (März) bzw. rund 11 Prozent (April) nach oben gegangen. Damit hat sich auch der Anteil der Privatkunden am Gesamtumsatz deutlich vergrößert.

Paketmassen wie zu Weihnachten, der große Knall bleibt aber aus

Nachdem sich in den ersten Wochen der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen an den täglichen Paketmengen kaum etwas getan hat, meldeten die KEP-Dienstleister wie DHL plötzlich doch einen Ansprung der Sendungen. Vor Ostern schnellte das Volumen extrem in die Höhe, man erreichte Mengen wie sonst nur zu Weihnachten. Dennoch wird das Wachstum der Paketmengen in diesem Jahr nicht übermäßig groß ausfallen, so die Prognose der KEP-Studie 2020 des Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK). Schuld sind vor allem die deutlich gesunkenen B2B-Sendungen während der Coronakrise. Da viele Geschäfte geschlossen hatten, wurden hier weniger Pakete versandt. Für das Gesamtjahr rechnet der BIEK mit einem Wachstum der B2C-Sendungen zwischen 3,5 und 7 Prozent. Die B2B-Sendungen werden hingegen um 3 bis 5 Prozent sinken.

Outdoor-Produkte lösen Artikel für das Homeoffice ab

Während zu Beginn des Lockdowns noch Produkte für das Homeoffice oder Freizeitaktivitäten zuhause weggingen wie geschnitten Brot, hat sich mit der Wetterlage auch das Kaufinteresse der Konsumenten verändert. Wie eine Untersuchung des Vergleichsportals Check24 zeigt, haben die schrittweisen Lockerungen der Corona-Maßnahmen und das schöne Wetter dafür gesorgt, dass Fahrradteile und -zubehör sowie Garten- und Balkonartikel aktuell besonders beliebt sind. Die Nachfragen nach Kraftsportartikeln, Konsolen, Videospielen und Homeoffice-Produkten ist hingegen deutlich zurückgegangen. 

CHECK24 Grafik Shopping Corona

Mittelstand will sich mit Experten digitalisieren

Für die meisten Unternehmen war das Thema Homeoffice die größte Herausforderug, wie eine Studie unter 323 leitenden Angestellte und Geschäftsführern aus mittelständischen Unternehmen mit 200 bis 2.000 Mitarbeitern zeigt. Consultport wollte mit dieser das Stimmungsbild des Mittelstandes erfassen. Die Hälfte der Befragten konnten sich demzufolge nicht schnell genug auf die veränderten Bedingungen einstellen, unter anderem war die bestehende IT-Infrastruktur nicht auf die Möglichkeit des Homeoffices ausgerichtet. Das Thema Homeoffice wurden vor Corona von vielen Mittelständlern kaum in Betracht gezogen, jetzt wollen die Mehrheit der Mitarbeiter auch nach der Krise weiterhin von zuhause aus arbeiten.

Über 80 Prozent wollen deswegen nun die Digitalisierung vorantreiben. Dafür setzen sie auf Digital-Berater, denn über 60 Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, die Digitalisierung nicht ohne einen externen Berater vollziehen zu können. Zwei Drittel wollen bereits in den nächsten zwei Jahren mit einem Experten zusammenarbeiten, 57 Prozent sind bereits auf der Suche nach einem Berater. Gründe für die schleppende Umsetzung von Digitalisierungsprojekten waren bisher fehlendes Know-how (48 Prozent), fehlende interne Ressourcen (46 Prozent) und fehlendes Interesse von Mitarbeitern, sich weiterzubilden (31 Prozent).

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