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Amazon im E-Book-Streit: Verlage sprechen von Erpressung und Machtmissbrauch

Veröffentlicht: 26.05.2014 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 08.01.2015 | Gelesen: 3962 mal

Der Streit um die Gewinnmargen beim E-Book-Verkauf hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Schon länger ist bekannt, dass Amazon die Auslieferung bestimmter Bücher verzögern und somit gewisse Verlage unter Druck setzen soll. Nun ergreifen die betroffenen Parteien das Wort und sprechen von Machtmissbrauch, illegalem Handeln und Erpressung.

Amazon Packaging / Amazon Paket

(Bildquelle Amazon Packaging: Nick Taylor via Flickr.com, bestimmte Rechte vorbehalten)

Hintergrund des Streits: Amazon will mehr Geld

40 bis 50 Prozent Rabatt verlangt Amazon im Zuge neuer Verhandlungen im E-Book-Geschäft. Üblich sind hingegen nur 30 Prozent, weshalb die Verlage verständlicherweise gegen das Unternehmen aufbegehren. Doch Amazon scheint immer das zu bekommen, was es will und sitzt offenbar auch diesmal am längeren Hebel: Um seine Interessen durchzusetzen, soll der US-Händler sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten bestimmte Bücher verzögert ausliefern oder über einen gewissen Zeitraum gar ganz aus dem Sortiment herausnehmen.

Doch wie heise berichtet, sind nicht nur die Verlage betroffen, deren Bücher sich auf diese Weise schlechter verkaufen. Auch die Autoren leiden unter den aggressiven Verhandlungsmaßnahmen von Amazon – und das, obwohl sie keine direkte Beteiligung am E-Book-Streit haben.

Verlage melden sich zu Wort: „Inwiefern ist das keine Erpressung?“

Weil sich die Lage seit Wochen zuspitzt und kein Kraut gegen Amazon gewachsen scheint, haben sich nun einige Verlagsvertreter sowie Autoren öffentlich zum Thema geäußert. Dabei sind Bestürzung, Frustration und Wut die vorrangigen Emotionen, die zutage treten: „Amazon hat eindeutig erhebliche Marktmacht und missbraucht diese Marktmacht um seine Dominanz zu erhalten und zu verstärken, was wahrscheinlich gegen Paragraph 2 des Sherman Antitrust Act verstößt“, kommentiert der Chefanwalt der amerikanischen Authors Guild, Jan Constantine, laut heise. Er bezieht sich damit auf ein Gesetz, das seit mehr als einem Jahrhundert das Wettbewerbsrecht in den Vereinigten Staaten reguliert.

Dennis Loy Johnson von Melville House, einem US Independent-Verlag, vergleicht die Taktik von Amazon beispielsweise mit der Mafia und wirft die Frage auf, wie solche aggressiven Verhandlungsstrategien „keine Erpressung“ sein könnten.

Buchhändler aus Deutschland sind überzeugt, dass die Befürchtungen, die seit Jahren unterschwellig existieren, nun wahr werden: „Es scheint, als mache Amazon auf dem deutschen Markt nun genau das Gleiche wie auf dem US-Markt: Es nutzt seine dominante Position, um die Verlage zu erpressen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Amazon scheint völlig unbeeindruckt

Alle reden, einer schweigt: Amazon. Wie in üblicher Manier gibt der Online-Gigant keine Stellungnahme ab. Obwohl das Unternehmen gegenüber dem internationalen Medienunternehmen Bonnier bestätigt haben soll, dass der verspätete Versand bestimmter E-Books mit den finanziellen Forderungen der Gewinnbeteiligung zusammenhängt, zeigt sich Amazon gegenüber der Öffentlichkeit ruhig und unbeeindruckt.

Obgleich das Unternehmen von Jeff Bezos immer wieder in große Skandale verwickelt ist und sowohl Arbeitnehmer als auch Konkurrenten zum Teil beträchtliche Vorwürfe äußern, scheint der Konzern keinerlei Schäden davonzutragen. Wie heise nämlich verlauten lässt, soll der E-Commerce-Umsatz in Deutschland allein im im vergangenen Jahr auf 6,48 Milliarden Euro gestiegen sein. Demnach sei der Vorsprung zum zweitstärksten Händler – der Hamburger Otto Group – seit 2010 von 340 Millionen auf 4,2 Milliarden Euro angestiegen.

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