Teilen Teilen Kommentare Drucken
Nach Vorwürfen

Amazon beendet Sonderbehandlung für seine Eigenmarken

Veröffentlicht: 05.04.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 05.04.2019
Jeans von Amazon Essentials

Amazon hat bisher seine Eigenmarken mit hoher Sichtbarkeit in die Top-Werbeplätze gebracht – und dafür viel Kritik geerntet. Zuletzt war dem Unternehmen vorgeworfen worden, mit einer derartigen Praxis den Wettbewerb zu verzerren. Wie t3n.de berichtet, hat Amazon seine Eigenmarken nun „heimlich aus der ersten Reihe der Werbeplätze“ entfernt. Ohne Ankündigung habe das Unternehmen die Sichtbarkeit der eigenen Produkte reduziert.

Amazon kam vor allem durch seine Rolle als Marktplatzanbieter und Online-Händler in die Bredouille. Die Marktplatz-Händler, die auch nach Angaben des Konzerns eine wichtige Rolle für die Produktvielfalt und den Erfolg des Unternehmens einnehmen, fühlten sich durch die aggressive Werbung für die Amazon-Eigenmarken vor den Kopf gestoßen. Amazon musste damit die Balance finden, seine Werbekunden nicht zu verprellen, aber gleichzeitig die Eigenmarken bekannter zu machen, um deren Margen zu verbessern.

Amazon wird Missbrauch der Marktmacht vorgeworfen

Letztendlich warfen Mitbewerber dem US-Unternehmen einen Missbrauch seiner Marktmacht vor. Amazon scheint nun auf diese Kritik reagiert zu haben. Das kommt vermutlich nicht von Ungefähr: Google hat in der EU bereits diverse Geldstrafen in Milliardenhöhe zahlen müssen, weil der Konzern an verschiedenen Stellen seine Marktmacht missbraucht habe. So musste Google im Jahr 2017 etwa 2,4 Milliarden Euro zahlen, weil es seinen Preisvergleichsdienst Google Shopping wettbewerbswidrig bevorzugt habe.

Amazon wird derweil auch immer kritischer von der Politik beäugt. Zuletzt brachte die US-Senatorin Elizabeth Warren Pläne ins Gespräch, Tech-Konzerne wie Google, Facebook und eben auch Amazon zerschlagen zu wollen. So solle der faire Wettbewerb gefördert werden. „Mit dem Verzicht auf aggressive Promotion der Eigenware könnte sich Amazon gegen den Vorwurf zu großer Marktdominanz wappnen“, schätzt t3n.de den Schritt des Unternehmens ein.

Amazon hat wertvolle Erfahrung gesammelt

Amazon könnte seine Erfahrung nutzen, um künftig neue Werbeplätze anzubieten. Das schätzt zumindest der ehemalige Amazon-Mitarbeiter Oscar Barbarin, der heute die Beratungsagentur ARMR leitet. Durch die Bewerbung seiner Eigenmarken in den Top-Werbeplätzen wisse Amazon nun, wie wertvoll diese Spots sind, um die Umsätze der beworbenen Produkte zu steigern. Der Konzern könne nun Premiumwerbeplätze anbieten, um zahlungskräftige Werbekunden anzusprechen.

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.