Ist Lego ein Gattungsbegriff?

Held der Steine schon wieder von Lego abgemahnt

Veröffentlicht: 01.02.2021 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 02.02.2021
Viele bunte Klemmbausteine, die wie Lego aussehen

Das aktuellere YouTube-Video von Thomas Panke, dem Held der Steine, kletterte schnell die Rankings hoch. Kein Wunder: Auf wundervoll spitzzüngige Art nimmt er den Weltkonzern Lego hopps. Etwa zwei Jahre, nachdem dieser ihn wegen einer angeblichen markenrechtsverletzung durch das Logo seines Kanals abgemahnt hatte, sieht das Unternehmen diesmal seine Wortmarke durch den kostenlosen Werbeträger verletzt. 

Es sind doch nur Klemmbausteine

Bereits nach der ersten Abmahnung zeigte sich Thomas Panke enttäuscht, und nahm sich vor: Dann stelle ich eben nicht mehr nur ausschließlich Bausätze der Marke Lego vor. Gesagt, getan. Auf seinem Kanal bei YouTube finden sich mittlerweile sehr viele Videos zu Bausätzen anderer Klemmbausteinhersteller. Diese werden von Panke oft als günstiger, aber qualitativ hochwertiger beschrieben. Mit den Lego-Produkten hingegen geht er sehr viel kritischer ins Gericht. 

Das Problem ist nun aber, dass Panke in seinen Videos eben auch mal das Wort Lego für die Klemmbausteine anderer Hersteller verwendet. Lego sieht hierin seine Markenrechte verletzt. Immerhin sei der Held der Steine „Community beeinflussend“, soll heißen: Wenn er es falsch sagt, könnten seine knapp 600.000 Abonnenten das so falsch übernehmen und künftig alle Klemmbausteine als Lego bezeichnen.

Da wirkt es schon fast wie Realsatire, dass der Held der Seiten vor zwei Jahren noch abgemahnt wurde, weil er einen beliebigen Klemmstein in seinem Logo hatte und Lego hierin eine Verwechslungsgefahr mit den eigenen Steinen sah.

Die Sache mit dem Gattungsbegriff

Rechtlich gesehen ist das mit der Abmahnung gar nicht mal so einfach. Panke fasst das Problem beim Schopf: Umgangssprachlich wird so ziemlich alles als Lego bezeichnet, was ein Klemmbaustein ist. Die Gretchenfrage ist daher, ob die Marke Lego mittlerweile so verwässert ist, dass sie zum Gattungsbegriff geworden ist. Wird eine Marke zum Gattungsbegriff, verliert sie ihren Schutz und kann gelöscht werden. Zu den Marken, die es zum Synonym für eine komplette Gattung geschafft haben, gehören beispielsweise Tempo oder Jeep. 

Die Entwicklung einer solchen Marke kann von zwei Seiten beleuchtet werden: Auf der einen Seite könnte man sagen, dass es doch der Erfolg schlechthin ist, wenn die Marke so verbreitet, bekannt und geschätzt wird, dass sie es in den allgemeinen Sprachgebrauch schafft. Auf der anderen Seite haben Markeninhaber auch ein berechtigtes Interesse daran, ihren Markenschutz zu behalten. Die Konsequenz des Verlustes wäre nämlich, dass alles als Lego bezeichnet werden dürfte. Das will das Unternehmen aber unter Umständen nicht, weil eben auch qualitativ minderwertige Ware dann diesen Namen tragen dürfte.

Um so einer Verwässerung entgegenzuwirken, muss die Marke verteidigt werden und das merkt eben auch gerade der Held der Steine einmal mehr am eigenen Leib. 

Held der Steine dreht Videos neu

Der Held der Steine ist indes der Aufforderung von Lego nachgekommen und hat die beanstandeten Videos innerhalb der kurzen Frist von wenigen Tagen gelöscht und stattdessen neue gedreht. Dass er in diesen Videos kein gutes Haar mehr an Lego lässt, ist durchaus nachvollziehbar. So heißt das neue Video zum Lego-Ferrari „Der schlechteste Ferrari der Welt“; wohingegen das Konkurrenzmodell unter „Cada Master vernichtet Lego Technik“ zu finden ist.

Screenshot vom YouTube-Kanal vom Held der Steine

Wie auch immer der Rechtsstreit ausgeht: Der Held der Steine ist in jedem Fall der Sieger der Herzen. Immerhin kam Lego diesmal seiner Bitte nach und ließ ihn vorher durch die Anwälte anrufen, bevor das Schreiben von der wenige Minuten weit entfernten Kanzlei in seinem Geschäft eintrudelte. 

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.