Vorstoß der Arbeitgeberseite

Forderung nach Rente mit 70 Jahren stößt auf massive Kritik

Veröffentlicht: 02.08.2022 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 02.08.2022
Rentner sitzen auf einer Bank

Wann werden Menschen künftig in Rente gehen? – Eine Frage, mit der sich aus persönlicher Sicht nicht nur Angestellte auseinandersetzen, sondern mit der sich auch Politik und Wirtschaft beschäftigen. Eine Möglichkeit, die Sozial- und Rentenkassen zu entlasten, sieht Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, in der Anhebung des Renteneintrittalters auf 70 Jahre. 

Die aktuelle Rechtslage sieht vor, dass das Rentenalter für einen Ruhestand ohne Abschläge bis ins Jahr 2029 stufenweise von aktuell 65 auf künftig 67 Jahre angepasst wird.

„Schaut man sich die demografische Entwicklung und die Belastungen der Sozial- und Rentenkassen an, dann sind die Reserven aufgebraucht. Wir werden länger und mehr arbeiten müssen“, wird er von der FAZ mit Verweis auf die Funke Mediengruppe zitiert. „Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch weil das Lebensalter immer weiter steigt.“ Ohne einen entsprechenden Schritt könne das System auf mittlere Sicht nicht mehr finanziert werden, so seine Befürchtung.

Vorschlag an der Lebensrealität vorbei  – Kritik von SPD und Grünen

Eine Absage hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) diesem Vorschlag schon im Frühjahr erteilt, als Ökonomen gleiche Pläne auf den Tisch legten. Schon damals sagte Heil: „Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern.“

Auch aus den Reihen der Grünen sind ablehnende Worte zu vernehmen: „Dass Menschen mit körperlich harten Jobs und häufig weniger Lohn Besserverdienenden mit Büro-Jobs ein langes Rentenleben finanzieren, ist ein zutiefst ungerechter Vorschlag“, sagte etwa Andreas Audretsch, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, laut FAZ gegenüber dem RND. Selbst mit Blick auf die aktuelle Regelung würden ganze 15 Prozent das Rentenalter nicht erreichen und darüber hinaus viele Menschen erschöpfungsbedingt eher die Rente anstreben. „Die Idee, man könnte Pflegekräfte, Stahlarbeiter oder Feuerwehrleute künftig bis 70 arbeiten lassen, zeigt, dass nicht alle bereit sind, die Lebensrealität vieler Menschen zur Kenntnis zu nehmen.“

„Flexi-Rente“ soll stärker in den Fokus rücken

Auch SPD-Arbeitsmarktexperte Michael Gerdes hält demnach nichts von einem verspäteten Renteneinstieg mit 70 Jahren. Bundesbürgern müsse es seiner Meinung nach möglich sein, mit 67 Jahren in Rente zu gehen, wenn sie dies wollen. Werde das Rentenalter angehoben, müssten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die etwa aufgrund ihrer Verfassung nicht länger arbeiten könnten, Rentenkürzung hinnehmen. „Das ist ungerecht“, wird er zitiert.

Für jene, die allerdings länger arbeiten wollen, stünde hingegen die sogenannte „Flexi-Rente“ zur Verfügung, die auf freiwilliger Basis beruht und die man den Bürgerinnen und Bürgern auch laut Koalitionsvertrag näher bringen und sie lukrativer machen müsse.

FDP für flexibles Renteneintrittsalter

Während Stephan Stracke aus der Unionsfraktion „keinen akuten Handlungsbedarf“ für eine Anhebung des Rentenalters sehe, fasst die FDP eine Aktienrente sowie mehr Flexibilität beim Rentenalter ins Auge. Vorbild hierfür könne laut dem arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Sprecher Pascal Kober (FDP) etwa Schweden sei: „Jeder, der älter als 60 Jahre ist, sollte selbst entscheiden, wann er aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Wer früher ausscheidet, bekommt weniger, wer später ausscheidet, bekommt mehr.“

Als Alternative bringt der Paritätische Gesamtverband beispielsweise die Einführung einer Bürgerversicherung auf den Tisch, in die nicht nur Angestellte einzahlen sollen, sondern   auch Freiberufler und Selbständige, Politiker und Beamte.

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