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Kolumne

Emmas Enkel könnte es gerade noch geschafft haben

Veröffentlicht: 30.08.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 30.08.2019
Emma Enkel Abholstation

Wie ein Phönix aus der Asche ist Emmas Enkel zurück auf dem Markt: Vor drei Jahren wurde das Unternehmen von der Metro übernommen und kurz darauf radikal umgebaut, bevor es wenige Monate später komplett eingestampft wurde. Emmas Enkel verfolgte bis zu diesem Zeitpunkt ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell und bot online Lebensmittel in einem Multichannel-Konzept an. In drei stationären Filialen konnten die Kunden Produkte scannen und nach Hause bestellen oder bereits online bestellte Waren abholen. 

Mit einer derartigen Verzahnung von Online- und Stationär-Handel war Emmas Enkel seiner Zeit aber offenbar voraus – zumindest für die Metro. Die sah das wirkliche Potenzial nämlich nur im reinen Online-Handel und stampfte das Filialgeschäft wenige Monate nach der Übernahme ein. „Wir forcieren damit die Entwicklung von Emmas Enkel hin zu einem innovativen Online-Lebensmittelhändler“, hieß es damals von der Metro. Die Innovation hatte das junge Unternehmen aber bereits im Blut und wurde mit diesem Schritt eher ausgemerzt. Die komplette Aufgabe des Geschäfts wenige Monate danach ist die erste Tragödie von Emmas Enkel.

Totgeglaubte leben länger

Doch nun die Kehrtwende: Die Metro-Tochter Real lässt Emmas Enkel wieder aufleben: als vollautomatisierten 24-Stunden-Supermarkt, in dem Kunden frische Lebensmittel kaufen, aber auch haltbare Waren erwerben können. Und das ganz ohne anwesendes Personal. Ganz genau so, wie es Amazon mit seinen Amazon-Go-Stores vorgemacht hat.

Dass Emmas Enkel es aber Amazon hätte vormachen können, ist die zweite Tragödie des Unternehmens. Denn Emmas Enkel war mit seinem ursprünglichen Konzept auf einem guten Weg und hätte die Technologie des kassenlosen Einkaufens vielleicht selbst schneller vorangetrieben – mit der richtigen Förderung und dem nötigen Willen dahinter. Die Metro hat diese Förderung und den Willen im Jahr 2016 jedenfalls nicht gezeigt. Den Online-Kanal zunächst als zukunftsweisend anzupreisen und dann drei Monate später das Geschäft dicht zu machen, spricht jedenfalls Bände.

Emmas Enkel kann es schaffen

Bleibt zu hoffen, dass Emmas Enkel jetzt die nötige Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Denn im Kampf gegen Amazon Go hat das Unternehmen noch keinen signifikanten Nachteil: Amazon Go gibt es in Deutschland noch nicht, womit Emmas Enkel die Möglichkeit hat, sich jetzt mit seinem innovativen Konzept bei den Kunden bekannt zu machen. Denn obwohl Amazon mit seinen kassenlosen Geschäft für großes Aufsehen gesorgt hat, kann Emmas Enkel erste Anlaufstelle für die deutschen Kunden werden und damit sogar einen Vorteil gegenüber dem amerikanischen Konzern gewinnen – wenn es eben ordentlich gefördert und nicht wieder überstürzt eingestampft wird.

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