Fusion genehmigt

Bundeskartellamt: Dr. Oetker darf Flaschenpost kaufen

Veröffentlicht: 02.12.2020 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 03.12.2020
Flaschenpost Mitarbeiter und Wagen

Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker darf den Online-Getränkelieferdienst Flaschenpost kaufen. Die Übernahme hat das Bundeskartellamt jetzt freigegeben.

Das Kaufvorhaben von Dr. Oetker wurde bereits Anfang November bekannt. Dem Portal Deutsche-StartUps.de nach solle der Kaufpreis eine Milliarde Euro betragen. Dr. Oetker machte hierzu bislang jedoch keine offiziellen Angaben. 

Flaschenpost und Durstexpress unter Dr. Oetker vereint

Zu Dr. Oetker zählt auch die Radeberger-Gruppe, die nicht nur Schaumwein produziert, sondern auch der größte vom Lebensmitteleinzelhandel unabhängige Betreiber von Getränkeabholmärkten ist. Insgesamt werden 500 Märkte betrieben. Hinzu kommt auch der eigene Lieferdienst Durstexpress.de. 

Was im Zuge der Übernahme mit dem eigenen Lieferdienst passieren wird – etwa, ob die Marke bestehen bleibt – ist noch nicht bekannt. Das Bundeskartellamt hat im Zuge dessen keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken. „Beim Einzelhandel mit alkoholischen und alkoholfreien Getränken kommen die Radeberger-Gruppe und Flaschenpost auch gemeinsam nur auf unbedenkliche Marktanteile. so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, laut Mitteilung der Behörde.  

Regional kämen sich beide Dienste nicht in die Quere. „Selbst bei gesonderter Betrachtung von Getränkelieferdiensten in bestimmten großstädtischen Räumen (Berlin, Münster, Düsseldorf, Köln) üben die zahlreichen Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel und im Getränkeeinzelhandel hinreichenden Wettbewerbsdruck aus. Kunden von Online-Getränkediensten werden auch künftig ausreichende Wechselmöglichkeiten haben“, so Mundt weiter. Zudem sei es wettbewerblich positiv zu bewerten, dass Radeberger mit dem Lieferdienst einen zusätzlichen direkten Zugang zum Endkunden erlange „und damit die Abhängigkeit vom Vertrieb über die großen Lebensmitteleinzelhandelsketten verringert.“ 

Lieferdienste profitierten von Corona-Pandemie

Das ursprünglich 2012 in Münster gegründete Unternehmen Flaschenpost SE hatte 2015 nach einer Pause den Betrieb wieder aufgenommen und war 2016 in zahlreiche Städte expandiert. 

Sowohl die Münsteraner als auch Durstexpress hatten zuletzt von der Corona-Krise profitiert. „Die Bestellungen von Stamm- und Neukunden erreichen gerade regelmäßig neue Höhepunkte und Spitzen“, erklärte Maximilian Illers im April gegenüber OnlinehändlerNews. Flaschenpost erzielte allein im Oktober 27 Millionen Euro Umsatz – und wird auch in der nächsten Zeit wohl weiter höhere Umsätze erzielen: „Die zweite Corona-Welle wird dem weiteren Wachstum von Flaschenpost nicht schaden. Der neuerliche Lockdown Light hat die Unterschrift unter den Deal daher eher beschleunigt,“ sagte Insider Alexander Hüsing gegenüber Deutsche-Startups damals zu der Übernahme. 

Laut dem Bundeskartellamt gebe es auch abseits von Corona eine erhöhte Nachfrage in diesem Segment: „Der Getränkeeinkauf bei Getränke-Lieferdiensten, der zunehmend über Online-Bestellungen und bargeldlose Zahlungen erfolgt, wächst nicht nur Corona-bedingt stark. Er ist besonders beliebt in Großstädten bei solchen Kunden, die kein Auto nutzen können oder wollen“, heißt es in der Mitteilung. Getränke würden jedoch zu 80 Prozent im Einzelhandel bezogen, nur fünf Prozent entfielen deshalb nun auf die nun zusammengeschlossenen Online-Getränkelieferdienste. „Insoweit hat die Stärkung eines Online-Getränkezustelldienstes über die Beteiligung eines großen Getränkeherstellers im Wettbewerb zu den Lebensmiteileinzelhandelsunternehmen auch positive Aspekte“, kommentiert das Amt.

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