Neustart wegen Corona: So erschließt ein Online-Händler neue Sortimente

„Ich bin sicher, dass es etwas ganz Großes wird“

Veröffentlicht: 03.11.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 03.11.2021
Dirk Carolus

Die noch laufende Corona-Pandemie hat das Leben für viele verändert. Manche Branchen, wie etwa auch der stationäre Handel oder die Gastronomie, mussten zwischenzeitlich besonders leiden, Angestellte und Selbständige mussten sich neu orientieren. Der Online-Handel insgesamt profitierte hingegen – und bietet Einsteigern und Interessierten jede Menge Chancen. Aber wie kann ein Start als Online-Händler gelingen, worauf muss man achten und welche Probleme kommen auf einen zu? Wir begleiten einen Online-Händler beim Aufbau seines Webshops und dem Start ins E-Commerce-Geschäft.

Lockdowns stoppen Handel – Neue Chance im E-Commerce

Dirk Carolus verkauft seit rund acht Jahren in seinem Shop „Feste Feiern“ Artikel für Events wie Geburtstage und Co., sowohl im Ladengeschäft vor Ort in Leverkusen als auch im Web. Durch die Lockdowns in der Pandemie brach aber ein Großteil seines Geschäftes weg: „Wenn nicht gefeiert werden darf, ist die Kiste zum Scheitern verurteilt“, sagt der Geschäftsführer. „Daher war ich gezwungen, neue Felder in einem Bereich zu finden, der eben nichts mit Feiern zu tun hat, um meinen Betrieb am Leben erhalten zu können und damit die Arbeitsplätze zu sichern.“

Dabei fiel ihm aber bei der Analyse seines bisherigen Sortiments auf, dass ein Bereich nicht so stark an Umsatz verloren hatte: Duftwachs. „Ich persönlich habe mit Duftkerzen und dem ganzen Weihrauch-Esoterikgedöns nichts am Hut. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Duftwachs entzündet“, gesteht Carolus. Doch die Idee war da: ein Webshop nur für Duftwachs-Produkte. Der Name immerhin war recht schnell gefunden: „Eine eigene Firma musste her und so wurde ’Duftvoll’ das erste Mal wirklich zum Gesprächsstoff“, blickt der Händler zurück. 

„Neue Produkte und deren Vermarktung kosten Geld“

Deutlich schwieriger waren dann die ganzen Vorbereitungen für den Start – zusätzlich war der Händler mit der Beantragung von Corona-Hilfen beschäftigt. „Neue Produkte und deren Vermarktung kosten Geld. Geld, was wir nicht hatten“, sagt Carolus. „So haben wir aus den letzten Groschen eine Vorfinanzierung gestemmt in der Hoffnung, dieses wirklich irgendwann finanziert zu bekommen. Und dass diese Idee nicht nur eine fixe, sondern eine stimmige ist.“

Jede Menge Dinge mussten bedacht werden – von der Werbung über die Verpackung bis zum endgültigen Aussehen des Shops. „Düfte sind im Internet leider nicht zu riechen. Ergo braucht es anspruchsvolle Fotos und ansprechende Texte mit griffigen Keywords, um Aufmerksamkeit für Produkte zu erzielen, die an sich kein Mensch braucht“, erklärt Carolus. So lernte er selbst noch mal Bildbearbeitung und absolvierte sogar einen Kurs in Produkt-Fotografie. Mit all dem war er rund drei Monate durchgehend beschäftigt – jeden Tag. „Getestet und für gut befunden – oder verworfen. Ein ständiges Auf und Ab. Meine Frau sagte ziemlich oft: ’Ich sehe seit Tagen immer die gleichen Bilder an deinem Rechner – machst Du auch noch was anderes?’“, erzählt er. Auch die Gestaltung und der Aufbau des neuen Webshops waren eine Herausforderung. „Mein ITler kotzt heute noch im Strahl“, so Carolus schmunzelnd.

Dirk Carolus

Was müssen Online-Händler rechtlich beachten?

Dazu kommt natürlich auch die Bürokratie – vom Gewerbeschein über die gesetzlichen Vorgaben für den E-Commerce bis zu den einzelnen Regelungen auf Online-Marktplätzen wie Amazon, Ebay und Co. „Ich will als ’Neuling’ zunächst einmal nichts anderes als Rechtssicherheit. Genau dafür haben meine Freunde den Händlerbund empfohlen“, erklärt Carolus.

Er selbst will künftig auch auf Ebay verkaufen, bei Amazon jedoch nicht. „Amazon ist nach wie vor der absolute Magnet in Sachen Handel. Es geht nichts an Amazon vorbei. Aber wenn Amazon sagt: ’Das geht nicht’, dann geht das nicht und man kommt dagegen nicht an“, erklärt er. Ebay punkte hingegen vor allem mit der einfachen Einrichtung und Nutzung eines Händler-Accounts. Noch ist sein neuer Online-Shop „Duftvoll“ nicht online, doch Carolus zeigt sich ambitioniert: „Objektiv betrachtet habe ich keine Chance. Zu viel Arbeit. Zu wenig Zeit. Zu wenig Manpower und zu wenig Budget. Aber ich bin sicher, dass es etwas ganz Großes wird.“

Wir werden den Start des Online-Shops weiter begleiten.

Kommentare  

#5 Dirk Carolus 2021-11-08 16:29
@Nina Buchert. Vielen Dank für deine Zeilen - Du hast absolut Recht. Es geht hier aber zunächst um die Anfänge. Und zu meinem Anfang in 2016 hatte ich eine TOP Kölner Web-Agentur, die mal eben 20k aufgerufen hat, um all das, was du richtigerweise benennst, in die korrekten Bahnen zu leiten. Die hat aber nicht jeder mal eben so auf Tasche. Selbst 12 oder 7 oder gar 3sind bei Newcomern nicht unbedingt auf der hohen Kante. Wie trotzdem starten - ohne Schiffbruch oder Untiefen - darum geht es hier. Einsichten eines alten Mannes, der alles erlebt hat und mit diesem Wissen noch einmal ins Blaue startet. PS: "mein ITler ist nicht irgendein ITler - er arbeitet für die renommiertesten Tech-Firmen im Aachener Raum als Web-Entwickler. #bleibgesund und freu dich auf die nächste Geschichte
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#4 Andree 2021-11-08 09:15
Viel Erfolg!!!!
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#3 Nina Buchert 2021-11-06 10:52
Der Aufbau eines Webshops ist keine Arbeit für irgendeinen ITler, sondern für Webentwickler, die genau wissen was sie tun und dafür auch haften. Nur mit hochwertigem Design, passendem Look&Feel, Storytelling verkaufen sich Produkte online. Dazu benötigt ein erfolgreicher Shop Marketing Tools wie Upselling, Crosselling, Produktoptionen , wechselnde Highlights und Themenbühnen. Noch wichtiger ist der technische Aufbau. Die Auswahl des Shopsystems, die Absicherung der Daten, die regelmässige Aktualisierung aller Komponenten und das regelmässige Backup. Zukunftssicherh eit ist auch ein wichtiges Thema. Werden Komponenten vom Anbieter nicht mehr weiter entwickelt und abgekündigt, entstehen Sicherheitslück en oder immer wieder Kosten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Code selbst des Systems. Dieser hat grossen Einfluss auf die Sichtbarkeit in Suchmaschinen und die Performance des ganzen Systems. Ohne Webentwickler geht so etwas nicht, selbst wenn man fertige Komponenten verwendet.
Wer einen Server betreibt, trägt Verantwortung für die Daten seiner Kunden. Dies alles gehört in fachliche Hände, die dafür auch Verantwortung zb für die Ausfallsicherhe it übernehmen. Ein Business entwickelt sich auch über die Jahre und ein Shopsystem sollte da Erweiterungsmög lichkeiten bieten, sonst fängt man immer wieder von vorne an.
Eine stabile, vertrauensvolle und langfristig angelegte Zusammenarbeit zwischen Inhaber und Entwickler ist dazu die wichtigste Basis für ein Webprojekt.
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#2 Gert Waldorf 2021-11-06 08:24
Aller Anfang ist schwer. Aber wenn der getan ist, dann läuft es von allein - viel Erfolg!
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+1 #1 Dirk Carolus 2021-11-03 18:30
Danke
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